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UBM Development
03/25/2020

Ein schwimmendes Büro aus Holz

Arbeitsplatz, Ahoi! Das Architekturstudio Powerhouse Company hat ein schwimmendes Bürogebäude konzipiert. Ab Herbst 2020 wird es dem Global Center on Adaption in Rotterdam als Hauptsitz dienen – aus Holz gebaut, nachhaltig und energieneutral.

Holzbau, der den CO2-Fußabdruck minimiert. 800 Quadratmeter Solarpaneele für nachhaltige Energieversorgung.Kühlung der 3.000 Quadratmeter Nutzfläche durch Wärmeaustausch mit dem Hafenwasser. Und kluges Design, das viel Licht einlässt, Überhitzung an heißen Sonnentagen aber verhindert. All dies bietet das innovative Projekt, das das niederländische Architekturstudio Powerhouse Company derzeit in Rotterdam realisiert: Ein schwimmendes Büro aus Holz, das seiner künftigen Benutzer würdig ist. Denn bald soll es das Global Center on Adaption (GCA) beherbergen. Also jene Organisation, die Länder und Unternehmen dabei unterstützt, den Folgen des Klimawandels sinnvoll entgegenzuwirken.

Wiederverwertbares „Office-Schiff“

Für die nächsten fünf bis zehn Jahre soll der GCA-Hauptsitz auf das neue „Office-Schiff“ in Rotterdams Rijnhaven verlegt werden. Danach wird ein weiteres Plus des schwimmenden Büros zum Tragen kommen: Das aus flexiblen Modulen zusammengesetzte Holzkonstrukt kann nämlich ohne großen Aufwand abgebaut und anderswo wieder zusammengesetzt werden.

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Derzeit laufen die Arbeiten an diesem außergewöhnlichen Projekt. Schon im Herbst dieses Jahres soll es vom Van Leeuwen Gelände im Maashaven an seinen Bestimmungsort Rijnhaven verschifft und in Betrieb genommen werden. Sehr zur Freude der Stadt und des Teams der Powerhouse Company, die mit dem schwimmenden Büro ein Exempel für nachhaltige, klima-adaptive und wiederverwertbare Bauweise setzen wollen.

Prominente Proponenten

Die Zeichen dafür stehen gut. Kann die Einweihung im Herbst wie geplant stattfinden, ist wohl auch rasch mit weltweitem Interesse zu rechnen. Denn neben Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb wird dann der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon vor Ort das Wort ergreifen, der GCA gemeinsam mit Bill Gates und IWF-Geschäfstführerin Kristalina Georgieva vorsteht.

„Die Planung eines nachhaltigen, schwimmenden Bürogebäudes war eine sehr herausfordernde Aufgabe, der wir uns ganzheitlich genähert haben“, schildert Powerhouse Company Gründer Nanne de Ru. Das Bauwerk sei bereit für moderne Kreislaufwirtschaft: „Durch die Kühlung mit dem Wasser des Rijnhaven und Nutzung des Daches als große Energiequelle ist das Gebäude wirklich autark. Die Struktur ist aus Holz gestaltet, kann leicht demontiert und wiederverwendet werden“.

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Das kurz „FOR“ („Floating Office Rotterdam“) genannte Konstrukt wird auch über ein Restaurant und eine große Außenterrasse verfügen. Als erholsames Extra ist ein eigenes Schwimmbad vorgesehen, das zum Sprung ins Wasser der Maas einlädt. Die überhängenden Stockwerke des schwimmenden Büros bieten ständigen Schutz vor Sonnenhitze. Auch LED-Beleuchtung und das abseits der Sonnenkollektoren begrünte Dach sind Teil des Nachhaltigkeitskonzeptes. Für angenehmes Arbeitsumfeld garantieren unter anderem die großen Fenster, die alle Räume mit Tageslicht fluten.

Experten-Team für Bau auf Wasser

Das preisgekrönte Architekturstudio Powerhouse Company zeichnet von der Skizze bis zum Bau für das schwimmende Büro verantwortlich. Als Entwickler des innovativen Projekts fungiert die niederländische RED Company. Ebenfalls mit im Boot: Die für „schwimmende“ Lösungen bekannten Ingenieure von Bartels & Fedder, sowie Solid Timber. Errichtet wird das Gebäude von den Baufirmen Valleibouw und Osnabrugge.

Dass Innovationen wie FOR wichtig und gefragt sind, beweisen nicht nur viele andere, ebenfalls auf Nachhaltigkeit konzentrierte Projekte, wie Hochhäuser und Siedlungen aus Holz oder schwimmende Wohnanlagen. Das Wissen um die bedrohlichen Folgen des Klimawandels war schließlich auch ausschlaggebend für die Gründung der Organisation, die das schwimmende Büro beziehen wird: Auftrag des Global Center on Adaption ist es, die Entwicklung von Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels durch Technologie, Planung und Investitionen zu fördern.

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Das GCA agiert als Vermittler von Lösungen, indem es Regierungen, private Unternehmen, Zivilgesellschaft und Wissensinstitutionen zusammenführt.

Kein Wunder also, dass sein CEO Prof. Dr. Patrick Verkooijen feststellt: „Ich bin glücklich, dass das GCA in ein Gebäude ziehen wird, das Pionierarbeit in Sachen klima-resistenten Büro-Designs demonstriert. Und ich hoffe, dass es andere dazu inspiriert, ihre Infrastruktur auf Zukunftstauglichkeit zu prüfen“. Es mache nicht nur wirtschaftlich gesehen Sinn, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ehe die Katastrophe eintritt: „Es kann uns auch helfen, die Folgen des Klimawandels zu mildern“.

Schwimmendes Büro als Zukunftshoffnung

Ob das schwimmende Büro in Rotterdam tatsächlich im Rahmen des Internationalen „Adaption“-Gipfels im kommenden Herbst eingeweiht werden kann, bleibt abzuwarten. Ein zukunftsweisendes Projekt ist es in jedem Fall. Denn, so Verkooijen: „Der Klimawandel, extreme Wetterverhältnisse und steigende Meeresspiegel stellen Architekten vor neue Herausforderungen“. Und FOR ist ein Modell, das mehrere Lösungsansätze unter einem Dach vereint.

Text: Elisabeth Schneyder

Bilder: Powerhouse Company, Plomp, Atchain

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