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UBM Development | Anzeige
04/26/2022

Digital und klimaneutral

Für ihr wegweisendes Holz-Hochhaus wurden White Arkitekter gerade international ausgezeichnet. Forscher und Architekt Jonas Runberger sagt, warum computergestützte Design-Prozesse zur Erreichung der Klimaziele so wichtig sind.

Der ausufernde Ressourcenverbrauch der Menschheit und die Emission von Treibhausgasen hat uns in die Klimakrise geführt. Architekten, Ingenieure, Immobilienentwickler, Politiker und Wissenschaftler arbeiten daran, diese Krise zumindest zu entschärfen. Dazu braucht es nicht nur neue Technologien, sondern auch entschlossenes Handeln. Denn schon jetzt könnte die großflächig ausgerollte Digitalisierung des Designs einen großen Beitrag dazu leisten, sagt Jonas Runberger vom schwedischen Architekturbüro White Arkitekter.

Klimaneutrale Architektur

Als eines der führenden Architekturbüros Skandinaviens hat es den konstruktiven Holzbau in den letzten Jahren maßgeblich vorangetrieben. Mit dem Sara Kulturhus im schwedischen Skellefteå schafften sie eine der höchsten Highrise-Strukturen aus Holz und wurden dafür mit dem International Award for Wood Architecture 2022 ausgezeichnet.

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Runberger leitet die Digitalisierungsabteilung Digital Matter, die bereits seit Jahren eine große Rolle bei White Arkitekter spielt. Das Unternehmen hat es sich nämlich zum Ziel gesetzt, ihre gesamte Architektur bis 2030 klimaneutral zu machen, und zwar durch die Weiterentwicklung ihrer digitalen Designkompetenz.

70 Prozent der UN Sustainable Development Goals können durch Digitalisierung erreicht werden.

Jonas Runberger, Head of Computational Design bei White Arkitekter

Für den Architekten und Forscher liegt hierin ein wichtiger Schlüssel für die Zukunft: „70 Prozent der UN Sustainable Development Goals können durch Digitalisierung erreicht werden“, ist der Experte überzeugt. „Die breite Anwendung von Computational Design gibt uns eine gute Chance auf Erfolg. Dies ist keine Zukunftsvision, sondern eine Art zu Arbeiten, die sofort umgesetzt werden kann.“

Parametrisch designter Turm

Anhand des in Holzbauweise errichteten Aussichtsturms in Varberg, auf der schwedischen Halbinsel Getterön, erklärt Runberger die Vorzüge des parametrischen Designs. Das Bauwerk besteht aus einer Vielzahl an Holzträgern, die sich um eine Achse drehen. Durch die besondere Geometrie der Konstruktion wird die Stabilität des Turms gewährleistet. „Ein sehr anspruchsvoller Balanceakt“, der in einem linearen Schaffungsprozess wohl nicht umsetzbar gewesen wäre.

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Die Form der neuen Landmark ist einer Garbe abgeschaut, das ist ein Getreidebündel, wie man es auf den Feldern Schwedens zuhauf findet. „Ohne das digitale Design wäre es nicht nur schwieriger gewesen, alternative Konzepte zu testen, es hätte auch wesentlich länger gedauert“, so Runberger. Und mehr Zeit bedeutet bekanntermaßen auch mehr Geld. „Das digitale Design trägt dazu bei, dass mehr nachhaltige und innovative Konzepte umgesetzt werden können“, folgert er.

Innovation, die Kosten spart

Kostensicherheit ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg von Immobilienprojekten. „Wenn sich bei einem Projekt die Konditionen ändern, müssen wir nicht wieder von vorne beginnen, wir können einfach die Parameter anpassen“ erklärt der Architekt und Forscher. In einigen Fällen konnten durch nachhaltige Ideen und computergestütztes Design nicht nur das Budget gewahrt, sondern auch Kosten eingespart werden.

Computational Design beschleunigt die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft.

Jonas Runberger, Head of Computational Design bei White Arkitekter

Als Beispiel dafür nennt Runberger das Wohnbauprojekt Årstafältet in Stockholm. Anstatt die riesigen Mengen an Aushub zu einer entfernten Deponie zu bringen, ließen die Architekten sie zu Hügeln aufschütten. Die Form der Erhebungen entstand nach gewissen Parametern. Die Umschichtung des Erdmaterials sparte im Endeffekt nicht nur Geld und die CO₂-Emissionen des Transports. Die Hügel um die Wohngebäude wirkten zudem als Lärmschutz und brachten den Bewohnern eine besondere Erlebnislandschaft als kostenloses Extra.

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Viele mögliche Formen

Der digitale Design-Prozess verändert die Arbeitsweise des Architekten. Der Fokus liegt bei der Generativen Gestaltung nicht mehr darauf, eine einzige architektonische Form zu schaffen. Vielmehr geht es um die Findung eines Prozesses, der viele Formen generieren kann. Daraus wählt der Architekt dann jene Form, die besser performt als die anderen.

„Computational Design beschleunigt die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft“, ist Runberger überzeugt. Diese Prozesse ermöglichen mehr Innovation in der Architektur und machen die Ressourceneffizienz unterschiedlicher Lösungen messbar und kalkulierbar. „Sie helfen uns dabei, die richtigen Materialien am richtigen Ort einzusetzen und so die Auswirkungen auf das Klima zu minimieren.“

Text: Gertraud Gerst Visualisierungen: White Arkitekter

Lesen Sie weiter im UBM Magazin, der Plattform für Immobilienwirtschaft, Stadtplanung und Design.

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