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Diese Höhle wird der Himmel

Für die neue Sanko-Zentrale ließen sich die Architekten von RMJM Milano von Kappadokiens Höhlenarchitektur inspirieren. Und integrierten gleichzeitig himmlische Nachhaltigkeits-Lösungen.

03/07/2022, 09:58 AM

Es sind gut 200 rätselhafte unterirdische Städte, die seit jeher Wissenschaftler aus aller Welt anlocken. Bis zu zwölf Stockwerke tief reichen die spektakulären Höhlensysteme in den weichen Tuffstein der Region Kappadokiens. Bis zu 1,2 Millionen Menschen sollen vor vielen Tausend Jahren in den vom Regen ausgeschwemmten und schon von Jungsteinzeitmenschen bearbeiteten Hohlräumen gelebt haben.

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Nicht zuletzt ob der spektakulären Fassaden, die die Menschen in den Stein der Eingangsbereiche ihrer Höhlensysteme geschlagen haben, spricht man gern auch von der „Höhlenarchitektur Kappadokiens“.

Alte Vorlage, neue Idee

An eben dieser hat sich nun das Architektur-Studio RMJM Milano bei der Konzeption der neuen Sanko-Zentrale, dem Firmensitz der ältesten Firmengruppe der Türkei, in Istanbul orientiert. Und damit nicht nur einen optischen, sondern auch einen nachhaltigen Volltreffer gelandet. Ihr laut Wettbewerbs-Jury „wegweisender Entwurf“ wurde nämlich gleichsam ob seiner nachhaltigen und innovativen Merkmale zum Siegerkonzept erkoren.

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Aber was macht die Sanko-Zentrale von morgen aus heutiger Sicht so spannend? Auf den ersten Blick ist es wohl ganz klar die außergewöhnliche Optik. Den Architekten gelang es tatsächlich, die Höhlen-Assoziation nicht bloß auf einem abstrakten Level darzustellen, sondern sehr plakativ in Szene zu setzen: Die Formen der Fassade – allen voran die Fensteröffnungen – scheinen tatsächlich von den Kräften der Natur geformt zu sein.

Sanko-Zentrale als spektakuläre Höhle

Gerade das Atrium des unkonventionellen Bürokomplexes wirkt tatsächlich wie eine gigantische Höhle! Dieser zentrale Hohlraum erstreckt sich vom Boden bis zum Dach des Gebäudes und sorgt, wie es die Architekten beschreiben, „für eine Implosion des Lichts“.

Vor allem aber ist er wider architektonischer Gewohnheiten nicht symmetrisch geplant, sondern folgt einer natürlich-zufällig wirkenden Formgebung. Auch die darunter angelegten Terrassen-Balkone folgen keiner erkennbaren menschengedachten Logik.

„Für uns war es wichtig, uns von der örtlichen Landschaft inspirieren zu lassen, und das haben wir in den wunderschönen Höhlen von Kappadokien getan. Die ganze Idee für das Gebäude war es, einem Monolithen zu ähneln, der aus der Erde herausgearbeitet wurde und aus ihr emporragt“, sagt Luca Aldrighi, Direktor bei RMJM Milano.

Für uns war es wichtig, uns von der örtlichen Landschaft inspirieren zu lassen, und das haben wir in den wunderschönen Höhlen von Kappadokien getan.

Luca Aldrighi, Direktor bei RMJM Milano

Ein Unterfangen, das allerdings – und das ist der wahre Clou an der Sache – nicht bloß für optische Überraschungen gut ist. Vielmehr ermöglicht eben diese Konzeption zusätzlich das Implementieren nachhaltiger Lösungen. Jedes Stockwerk der neuen Sanko-Zentrale – von den oberen Etagen bis hinunter zum Auditorium– ist mit verschiedenen Pflanzen begrünt. Diese verbessern das Raumklima und vor allem auch die Qualität der Umgebungsluft.

Sonnenlicht wird "entschärft"

Aber auch außen wird die Fassade mit natürlich-grünen Akzenten belebt sein. Ebenso nicht ohne Grund: So würde die Sonneneinstrahlung „kontrastiert“, wie es in der Architektur-Präsentation heißt. Das Licht wird schlichtweg gebrochen, wodurch es seine Intensität verliert und das Gebäudeinnere nicht so rasch erhitzt. So kann der Bedarf an Klimaanlagen verringert werden.

Grün, so grün

Verringert wird der Energieverbrauch zusätzlich durch den spektakulären höhlenartigen Hohlraum: Dadurch, dass hier so viel Licht einfällt, werden die Büros auf allen Etagen fast den ganzen Tag mit natürlichem Licht geflutet. Kunstlicht muss viel spärlicher eingesetzt werden als in herkömmlichen Bürogebäuden. Und der doch noch anfallende Strombedarf wird schlussendlich über Photovoltaik-Paneele gedeckt, die auf dem Dach Sonnenstrom sammeln.

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Selbst in den Außenbereichen der Sanko-Zentrale werden diese grünen Ideen weitergeführt: Auf den großflächigen Parkplätzen wird ein innovatives System zur Speicherung von Regenwasser integriert. Mit dem hier gesammelten Wasser sollen die Grünflächen auf den einzelnen Etagen bewässert werden. Auch die Toilettenspülungen sollen aus diesem Grauwasser gespeist werden.

Die Zukunft wird himmlisch

Wenn alles gut geht, wird die neue Sanko-Zentrale Ende 2023 fertiggestellt. Und dann mehreren Hundert Mitarbeitern das Gefühl geben, einerseits in einer gemütlichen Höhle zu arbeiten. Gleichzeitig allerdings das Höhlenzeitalter meilenweit hinter sich gelassen zu haben.

Text: Johannes Stühlinger

Bilder: Eugene Malyi, Wikpedia/Von Klaus-Peter Simon - Eigenes Werk, CC BY 3.0,

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