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10/25/2021

Die tanzenden Bienen von Piccadilly

Interior Design aus fermentiertem Zucker ist nicht nur machbar, sondern auch zukunftstauglich. Die Installation Mellifera von Arthur Mamou-Mani feiert Londons wachsende Bienenpopulation und zeigt, wie kreislauffähiges Design geht.

Hoch über den Prunkbauten des Piccadilly schwärmen sie aus, mitten in Londons geschäftigem Zentrum. In den angrenzenden Gärten und Parks sammeln sie Blütennektar, der seit nunmehr 13 Jahren als Honig in den exklusiven Tiegeln von Fortnum & Mason landet. Die Bienenstöcke, aus denen der „Piccadilly London Honey“ geerntet wird, befinden sich direkt am Dach des geschichtsträchtigen Kaufhauses. Die Rückkehr von Natur und Bienen in den städtischen Ballungsraum machte das London Design Festival in diesem Jahr zum Thema. Architekt Arthur Mamou-Mani lieferte dazu die Installation Mellifera.

Mittlerweile gibt es den Honig von Fortnum & Mason auch in der Geschmacksrichtung von fünf weiteren Londoner Stadtteilen zu kaufen. Bienenvölker leben heute unter anderem am Dach des Bahnhofes St. Pancras, auf der White Cube Gallery in Bermondsey und auf der weltberühmten Royal Albert Hall. Eine Erfolgsgeschichte, die dem desaströsen Bienensterben in Großbritannien etwas entgegensetzt. Viel Aufmerksamkeit bekamen die Londoner Bienen jetzt durch die Bienenstock-Installation aus Bioplastik.

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Gebaut aus fermentiertem Zucker

Das innovative Material, das der Spezialist für parametrisches Design dabei einsetzte, besteht aus fermentiertem Zucker. Ein Material, das sich im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu hundert Prozent biologisch abbauen lässt. Ein 3D-Printer des Partner-Labors FabPub druckte aus dem Material einzelne Elemente nach dem digitalen Design des französischen Architekten. Beim London Design Festival von 18. bis 26. September 2021 wurde die Installation eröffnet. Seither schmücken diese „tanzenden Bienenstöcke“ das Atrium von Fortnum & Mason am Piccadilly.

Die 3D-gedruckten Module sind ein Showcase für die Fortschritte in Materialinnovation und Technologie.

London Design Festival

„Die 3D-gedruckten Module sind ein Showcase für die Fortschritte in Materialinnovation und Technologie“, wie es in einer Aussendung des LDF heißt. Das verwendete Bioplastik gehört zur Gruppe der Polylactide (PLA). Das sind synthetische Polymere, die aus chemisch aneinander gebundenen Milchsäuremolekülen bestehen. Sie können aus jeder Art von fermentierter Pflanzenstärke produziert werden. Sie gelten als erneuerbare Rohstoffe und natürliche CO₂-Speicher.

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Polylactide, das bessere Plastik

Für Arthur Mamou-Mani steht eines fest: „Recycling allein kann für Plastik keine langfristige Lösung sein. Alle Plastikarten haben ein Zyklus-Limit und können nur begrenzt recycelt werden. Wir müssen deshalb darüber hinaus denken.“ Die ökologischen Vorteile von Polylactiden liegen auf der Hand. Sie sind biologisch abbaubar, enthalten keine hormonaktiven Substanzen und sind bei Erhitzung 30 mal weniger toxisch als Kunststoffe auf Erdölbasis.

Dieser Bio-Kunststoff ist ein Cradle-to-Cradle-Material, das am Ende seiner Lebensdauer wieder in den natürlichen Rohstoffkreislauf übergeht. Und diese Lebensdauer ist überschaubar: „Eine PLA-Flasche ist im Meer nach sechs bis 24 Monaten abgebaut. Im Gegensatz dazu braucht eine konventionelle Plastikflasche mehrere hundert bis tausend Jahre“, unterstreicht Mamou-Mani. Neben den ganzen ökologischen Vorteilen kommt noch hinzu, dass dieser Kunststoff mechanisch stärker ist als das Erdöl-Pendant.

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Henning Larsens Moment der Stille

Mit seiner Installation Mellifera hat Mamou-Mani einmal mehr gezeigt, wie vielseitig sich dieser Bautstoff im Bereich Interior Design und Popup-Architektur einsetzen lässt. Das London Design Festival stand dieses Jahr ganz im Zeichen von nachhaltigen Prozessen und zirkulärem Design. Wie gewohnt wurden auch Installationen im öffentlichem Raum geschaffen, so zum Beispiel The Cube by Velux.

Den begehbaren Kubus entwarf das dänische Architekturbüro Henning Larsen. Sein Mosaik an Dachfenstern erzeugt eine eindrückliche, wechselnde Lichtstimmung, die von einem eigenen Soundtrack begleitet wird. Besucher finden hier, mitten in der Millionenmetropole, „einen Moment der Stille“. Die Installation am Observation Point von Londons South Bank ist auch virtuell auf Veluxcube erlebbar.

Text: Gertraud Gerst Fotos: Mamou-Mani, David Azia, Velux, London Design Week

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