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06/07/2021

Die Quadratur des Kreises

Für einen polnischen Kunstsammler ersannen Mobios Architekci ein Haus, das vorgibt, ein Baum zu sein. Und das dessen Bewohner ständig in den Wald entführt. Klingt schräg. Circle Wood ist aber vor allem raffiniert!

Es sind gleich ein paar Aspekte, für die man bei diesem Projekt seine Vorstellungskraft ein wenig fordern muss. Da wäre etwa die Tatsache, dass ein kreisförmiges Objekt am Ende eckige Zimmer haben soll. Oder die, dass der Bau, um den sich diese Geschichte dreht, im Wald verschwinden muss, aber gleichzeitig mit ihm interagieren soll. Am Ende aber möge das Anwesen namens Circle Wood vor allem auch bitte Kunst in sich wirken lassen ...

Viele Fragezeichen für ein Haus

Alles klar soweit? Wohl kaum. Das dachte sich zumindest das Planungsteam des polnischen Architekturbüros Mobius Architekci nach dem Erstbriefing durch den Neukunden. Ein polnischer Kunstsammler mit mehr als nur Kleingeld. So war jedenfalls schnell klar – diese Geschichte ist Chefsache. Und landete auf dem Tisch von Studio-Gründer Przemek Olczyk in Warschau.

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Nach mehreren Begehungen des sandigen Grundstücks inmitten eines dichten Kiefernwaldes im Kampinos-Nationalpark hatte der Meisterarchitekt dann auch tatsächlich eine Eingebung, die sämtliche Anforderungen unter einen Hut bringen sollte.

Ein Baumstamm als Grundidee

Er erinnert sich selbst noch sehr genau an diesen Moment: „Plötzlich stellte ich mir das Haus als das große Stück eines Baumstamms vor. Durch eine architektonische Reduktion auf das Wesentliche bekam ich den Eindruck, durch Zimmertaschen und verglaste Elemente alle Anforderungen integrieren zu können.“

Was aber meint der Mann nun mit dieser Ausführung konkret? Vereinfacht ausgedrückt entschied sich Przemek Olczyk dafür, eine Art überdimensionalen Holzstamm in den Wald zu pflanzen. Dieser sollte aus zwei ringförmigen Etagen bestehen, deren Räume allerdings nicht die maximale Grundfläche nutzen. Vielmehr wurden in das gesamte Volumen Zimmer wie Taschen eingeschnitten. So gelang es, die Räume allesamt rechteckig und nicht halbrund zu etablieren.

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Zudem integrierte der kreative Kopf an gewissen Stellen bestehende Bäume in das Objekt. Diese kann man durch die intelligente Nutzung von Glasfronten aus vielen Innenräumen sehen. Sie wachsen dann sozusagen vor den Augen der Bewohner hinaus in die Natur. „Damit generiert Circle Wood bei den darin wandelnden Menschen das Gefühl, ständig durch den Wald zu spazieren“, analysiert der Star-Architekt stolz.

Circle Wood als wohnhafter Waldspaziergang

Damit aber nicht genug, wollte der Auftraggeber zusätzlich zu diesen diskreten Naturbrücken doch auch einen direkten Draht, einen Link in den umgebenden Wald. Ohne dabei aufdringlich zu sein, wohlgemerkt. Das löste Olczyk kurzerhand mittels eines gläsernem Atriums, das sich unter das Dach des künstlichen Baumstamms duckt. Einem verkehrten Aquarium gleich, ermöglicht es den weiten Blick in die Natur. Umgekehrt gelangt so Tageslicht auf harmonische Art und Weise in die dahinter und darunter liegenden Räume.

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Hinauf gelangt man übrigens über einen weiteren Eyecatcher: eine schneeweiße bandartige Wendeltreppe, die eher als Skulptur zu verstehen ist. Die restlichen Räume des 400 Quadratmeter großen Baus zeichnen sich durch ein raffiniertes Spiel mit natürlichen Materialien und einer großen Liebe zu Details aus. Die Außenhülle und die nicht räumlich genutzten Volumen wurden in Stahlbetonbauweise errichtet und mit Paneelen aus Okoumé-Holz verkleidet.

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Dieses aus Westafrika stammende Holz ist astfrei und gilt als besonders elegant. „Vor allem aber hilft es dabei, das Haus im Wald sozusagen verschwinden zu lassen“, sagt der Architekt und ergänzt: „Der durch die Holzfassade und das Glasatrium entstehende direkte Kontakt mit der Natur bedeutet, dass sich das Haus je nach Wetter, Tages- und Jahreszeit verändert.“ Langfristig würde sich das Okoumé-Holz dank Winter, Wetter und Sonne zudem an die natürlichen Farben des Waldes anpassen und noch tiefer mit ihm verschmelzen.

Wie wohnt es sich in Circle Wood?

Inwiefern das stimmt, wird sich jedenfalls weisen. Schließlich wurde die ungewöhnliche Villa soeben fertiggestellt. Und einen ersten, wenn auch knappen, Erfahrungsbericht des nun darin lebenden Kunstsammlers gibt es auch schon: „Man fühlt sich, wie in einer sehr intimen Kunstgalerie“. Klingt jedenfalls nach: Mission erfüllt!

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Paweł Ulatowski

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