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08/27/2021

Chinas himmlisches Astronomie-Museum

Was Ennead Architects in Shanghai geschaffen haben, darf sich getrost als himmlisch bezeichnen: Das jüngst fertiggestellte Astronomie-Museum ist faszinierend – wie die Phänomene, die es Besuchern nahebringt.

Das Bauwerk kommt ohne gerade Linien und rechte Winkel aus. Kreise, Kuppeln und Bögen bestimmen seine Architektur. Durch Maßstab, Form und Lichtmanipulation schärft es das Auge des Besuchers für die Zusammenhänge zwischen Erde und Weltall. Wovon hier die Rede ist? Von einem Kunstwerk zeitgenössischer Architektur. Genauer gesagt, vom jüngst eröffneten Astronomie-Museum in Shanghai. Dem weltgrößten und wohl auch faszinierendsten seiner Art.

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Was das in New York und Shanghai ansässige Büro Ennead Architects hierfür designt hat, ist wahrhaft spektakulär. Mit seinen 39.000 Quadratmetern übertrifft der erweiternde Bau des Shanghaier Wissenschafts- und Technologiemuseums nicht nur alle bisher allein der Astronomie gewidmeten Gebäude. Er zelebriert auch das Kontinuum von Zeit und Raum: Modern und zukunftsorientiert, stellt das extravagante Bauwerk zugleich eine Verbindung zur Vergangenheit her. Die Geschichte der chinesischen Astronomie wird darin ebenso widergespiegelt, wie das aktuelle Weltraumforschungsprogramm der Volksrepublik.

Form mit Funktion

Das Design ist von astronomischen Prinzipien inspiriert. Es vermittelt den Eindruck einer kreisförmigen Bewegung. Drei Hauptformen gestalten das gigantische Astronomie-Museum: Der „Oculus“, die „umgekehrte Kuppel“ und die „Sphäre“. Jede davon fungiert als funktionierendes Instrument, das Sonne, Mond und Sterne verfolgt. Und alle sollen bewusst machen, dass unsere Vorstellung von Zeit ihren Ursprung in fernen astronomischen Objekten hat.

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Der „Oculus“ – also das Auge des Astronomie-Museums – thront über dem Haupteingang. Er demonstriert den Lauf der Zeit, indem er das Sonnenlicht kreisförmig auf den Boden über dem Eingangsbereich und das reflektierende Becken lenkt. Zur Mittagszeit während der Sommersonnenwende ergibt sich ein Vollkreis, der sich mit einer kreisrunden Plattform auf dem Eingangsplatz deckt.

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Die „Sphäre“ beherbergt das Planetariums-Theater, das halb in das Gebäude eingebettet ist. Dass es hier kaum sichtbare Stützen gibt, hat seinen Grund: Das Konzept ruft die Illusion der Schwerelosigkeit hervor.

Dem Universum nachempfunden

Die reine Kugelform verweist auf die Urformen des Universums und wird für den Besucher zum allgegenwärtigen Bezugspunkt. Ebenso, wie die Orientierung, die Erdenbürger aus der Position relativ zur Sonne oder zum Mond gewinnen.

Exponate und Architektur werden mehr als nur wissenschaftliche Inhalte vermitteln: Sie beleuchten, was es bedeutet, in einem riesigen und weitgehend unbekannten Universum Mensch zu sein.

Thomas J. Wong, Designpartner bei Ennead Architects
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Die Kugelform der „Sphäre“ ist nicht allein dem Programm geschuldet, das sie präsentiert. Sie ist als abstrakte Manifestation einer himmlischen Urform gedacht. In die Dachebene des unteren Museumsflügels integriert, wirkt sie fast so, als würde sie aus dem erdgebundenen Horizont aufsteigen.

Erlebnis Astronomie-Museum

Beim Umrunden des Gebäudes tritt die Kugel allmählich ins Blickfeld. Dies vermittelt dem Betrachter den Eindruck, sich einem Planeten von dessen Mond aus zu nähern. Und zwar während der Besucher das runde Objekt von unten als schwerelose Masse erlebt.

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Die „umgekehrte Kuppel“indes ist eine große, umgedrehte gläserne Spannstruktur. Sie sitzt an der Dachlinie auf dem zentralen Atrium des Astronomie-Museums. So, dass Besucher vom Zentrum der Glasschale aus freie Sicht auf den Himmel haben.

Dem Himmel so nah

Als Höhepunkt der Ausstellungsreise unterbricht dieser Raum den Blick auf den Horizont und den angrenzenden städtischen Kontext. Er ist über eine spiralförmige 720-Grad-Rampe erreichbar und fokussiert die Betrachter auf den allumfassenden Himmel. Diese „reale Begegnung mit dem Universum“ bildet den Abschluss der simulierten Erfahrung, die im Inneren des Neubaus geboten wird.

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Inmitten einer weitläufigen Grünzone gelegen, hat das Gelände des Astronomie-Museums auch kleinere Gebäude und viel Programm zu bieten. Neben Ausstellungen, 24-Meter-Sonnenteleskop und Observatorium locken auch ein optisches Planetarium, ein Bildungs- und Forschungszentrum und ein Digital Sky Theater. Ebenso, wie interaktive Bereiche, Artefakte und Instrumente zur Erforschung des Weltraums.

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Für Shanghai ist das außergewöhnliche Bauwerk mehr als eine Erweiterung des bestehenden Wissenschafts- und Technologiemuseums. Seine beeindruckende Architektur macht es auch zum neuen Wahrzeichen und zur zentralen Attraktion der aufstrebenden Planstadt Lingang (neu: Nanhui) in Shanghais Bezirk Pudong.

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Damit ist das von Ennead Architects designte Astronomie-Museum ein weiteres Beispiel für Chinas große Lust an spektakulären Großprojekten. Vor allem auch an solchen, die Bildung fördern sollen.

Gigantische Bildungsbauten

Man denke nur ans von Coop Himmelb(l)au entworfene Science & Technology Museum in Xingtai. Oder an das neue Naturkundemuseum in Shenzhen, das nach Plänen des Büros 3XN errichtet wird. Extravagante Mega-Bauten, die weltweit Aufmerksamkeit erregen.

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Shanghais beeindruckendes Astronomie-Museum ist ein weiterer Glitzerstein in dieser Kette. Und einer, der – im Gegensatz zu anderen – kürzlich bereits seine Pforten für Besucher öffnen konnte.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: ArchExists

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