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02/15/2022

Brücke in die Zukunft

Weil die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf saniert gehört, haben sich die Leute von RKW Architektur etwas überlegt – und zwar einen spektakulären Neubau. Und dieser hat es buchstäblich in sich …

Das Wort allein schon ist mehr als bloß die Beschreibung eines Bauwerks. Brücke. Da blitzen nicht nur Bilder der Golden-Gate-Bridge oder der Rialtobrücke vor dem inneren Auge auf. Da kommen einem Brückenbauer in den Sinn – Persönlichkeiten wie Michail Gorbatschow, Angela Merkel oder Nelson Mandela.

Die Brücke. Sie verbindet ursprünglich voneinander getrennte Welten. Stets und in jeglichem Kontext. Was für eine Metapher!

Theodor-Heuss-Brücke, neu gedacht

Wenn man so will, dann tritt nun das Deutsche Architekturbüro RKW sowohl als metaphorischer als auch substanzieller Brückenbauer in Aktion. Aber alles der Reihe nach. Weil nämlich die 1957 erbaute und 1,3 Kilometer lange Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf zweifelsohne saniert gehört, haben sich die findigen Architekten kurzerhand zu einem so genannten Initiativentwurf entschieden.

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Das bedeutet, sie haben sich aus freien Stücken dazu entschlossen, für die marode Theodor-Heuss-Brücke einen Lösungsvorschlag zu präsentieren. Einen, den eigentlich niemand bestellt hat. Das wohl, um einer simplen Sanierung zuvorzukommen. Und stattdessen zu demonstrieren, dass mit eben dieser Brücke nicht bloß ein Brückenschlag von einem Rheinufer ans andere gelingen kann. Sondern auch einer in eine grüne Zukunft.

Das wird eine echte Green Bridge

Das macht allein schon der Titel des Konzepts deutlich: Green Bridge Düsseldorf. Kern der Sache ist in gewisser Weise ein Zitat des legendären Architekten Adolf Loos: Eine Veränderung, die keine Verbesserung ist, ist eine Verschlechterung. Sprich: Wenn man einfach die alte Brücke renoviert, hat man im Grunde keine Meter gemacht.

Also sagen RKW-Architekten: Lieber abreißen und ganz neu bauen! Und um dem ganzen auch noch Nachdruck zu verleihen, haben sie sich mit Marcel Abel zusammengetan. Ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Stadtentwicklung und Geschäftsführer beim Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (JLL).

Mehr als bloß eine Brücke

Gemeinsam postuliert man jedenfalls: „Die Brücke muss ohnehin neu gebaut werden, doch heute lässt sich deutlich mehr daraus machen als nur ein Verkehrsweg – ein nachhaltiges Bauwerk, dass den Menschen qualitative Fläche in optimaler Lage schenkt.“

Kurz gesagt: Man kann aus einer Brücke mehr machen, als bloß eine Verbindung zwischen zwei geografischen Punkten. „Wir haben die Idee der ‚Green Bridge‘ für uns dahingehend entwickelt, dass sie eine Vielzahl von Funktionen und Angeboten miteinander verbindet“, so Jabra Soliman, assoziierter Partner bei RKW.

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Der motorisierte Verkehr etwa soll nicht überirdisch den Rhein passieren, sondern in einer Röhre. Die so freiwerdende offene Passage darüber ist den Architekten zufolge für Radfahrer, Fußgänger und richtig viel Grün reserviert. Auch für die heute hochaufragenden und für eine Schrägseilbrücke typischen Pylone hat man sich mehr als bloß ihren statischen Erstzweck überlegt. Sie werden schlichtweg durch nutzbare Architektur ersetzt!

Schöner Wohnen über dem Rhein

Das heißt im Klartext: Rund 400 Wohneinheiten – vom Mini-Apartment bis zur Maisonette-Wohnung – sind laut Architekten in den Seitenwänden der neu gedachten Theodor-Heuss-Brücke untergebracht. „Öffentlich geförderter und freifinanzierter Wohnraum wechseln sich ab. So entstehen lebendige, generationenübergreifende Nachbarschaften ganz nah am oder direkt über dem Wasser“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.

Naherholung vor der Nase

Wirklich verlockend dabei – die Naherholung ist auch gleich mit an „Deck“: Ein Fahrradschnellweg führt plötzlich durch das Grün der Brücke, auf der es Spiel- und Grillplätze mit Aussicht auf die Stadtsilhouette gibt. Kioske und Cafés sorgen für die gastronomische Versorgung und Aufenthaltsqualität, auch Urban Gardening oder Farming-Projekte sind hier denkbar. Dass Windturbinen und Photovoltaik-Anlagen in dem teilweise 47 Meter hohen Bauwerk integriert sein werden, ist selbstredend.

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Marcel Abel von JLL jedenfalls tritt ausgesprochen selbstbewusst auf, wenn er sagt: „Wir geben der Stadt Impulse, indem wir Verkehr und Nachhaltigkeit, Erholung und Strahlkraft miteinander verbinden. Die Green Bridge kann Maßstäbe weiter über Deutschland hinaus setzen, was wiederum auf Düsseldorf zurückstrahlt. Deshalb werden wir unsere Ressourcen und Netzwerke nutzen, um dieses Projekt zu realisieren.“

Klimaziele, wir kommen!

Weil man eben die Klimaziele der Stadt Düsseldorf fest im Blick habe, wolle man mit diesem Bauwerk einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität leisten, heißt es offiziell.

RKW-Gesellschafter Dieter Schmoll fasst zusammen: „Neben den umfangreichen wie konkreten Angeboten, vom Park mit Freizeitwert und der neuen Radstrecke über die Wohn- und Hotelnutzung bis zu Büroflächen, birgt die neue Brücke noch ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Potenzial: Die Düsseldorfer ‚Green Bridge‘ kann Maßstäbe für die Belebung von Ingenieurbauwerken setzen und zu einer weithin sichtbaren Landmarke für die Landeshauptstadt werden.“

Die Green Bridge kann Maßstäbe weiter über Deutschland hinaus setzen, was wiederum auf Düsseldorf zurückstrahlt.

Marcel Abel von JLL

Klingt jedenfalls tatsächlich nach einem spektakulären Vorhaben. Eines, das laut Initiatoren zudem binnen vier Jahren realisiert werden könne. Kostenpunkt: rund 700 Millionen Euro.

Nun wird sich zeigen, ob sich auch für die Finanzierung ein Brückenschlag finden lässt. Solange das nicht passiert, hängt das jedenfalls schöne Projekt leider in der Luft.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: formtoo; Wikipedia

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