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07/26/2021

Bauen mit Bambus macht Schule

Die renommierte Green School auf Bali wurde um The Arc erweitert. Die innovative Bauweise mit biegsamem Bambus des Spezialisten Ibuku bringt ein Maximum an Stabilität bei einem Minimum an Material.

Das umweltfreundlichste Baumaterial, das man sich vorstellen kann – das ist für das von der kanadischen Designerin Elora Hardy gegründete Architektur- und Designbüro Ibuku der Bambus. Das Unternehmen hat sein Head Quarter in Indonesien und sich auf das Bauen mit Bambus spezialisiert. Ibuku heißt übersetzt „meine Mutter". Für Hardy und ihre begeisterten Mitarbeiter reicht kein anderes Baumaterial an Bambus puncto Haltbarkeit, Formbarkeit sowie Schönheit heran.

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Obwohl Bambus in ganz Asien traditionell für kurzlebige Konstruktionen verwendet wurde und wird, hätten neue Behandlungsmethoden ihm eine längere Lebensdauer verliehen.

Langfristiges Bauen mit Bambus

Für die längerfristigere Nutzung mit Bambus zu bauen sei aber nicht nur gut für die Umwelt. Er helfe auch den Menschen, die in von diesem Baumaterial geprägten Räumen lebten, sich mit der Natur zu verbinden. Dies erhöhe wiederum die Lebensqualität. In europäischen Breitengraden stellt sich allerdings die Frage, ob Bambus-Bauten für die klimatischen Bedingungen geeignet wären – oder ob nicht doch Holz als Haupt-Baubestandteil zu bevorzugen ist.

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Der von Ibuku verwendete Bambus wird selektiv aus lokalen Beständen geerntet. Sodann wird er ökologisch behandelt und anschließend im Labor getestet, um seine Haltbarkeit und Integrität zu bestätigen, heißt es beim Architektur-Büro Ibuku.

The Arc: Großer Raum mit minimaler Struktur

Ibuku hat sich für die Ergänzung des Campus der „Green School” auf der indonesischen Insel Bali mit dem deutschen Zimmermann und Bambus-Experten Jörg Stamm sowie mit dem Ingenieurbüro atelier one zusammengetan. Entstanden ist aus dieser Kooperation des architektonisch wie strukturell interessante Objekt „The Arc”.

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Dabei handelt es sich um einen im Grunde komplizierten Aufbau aus Bambusstreben. Das Design nutzt eine der besten Strategien von Mutter Natur, indem es geometrische Stärke durch geschwungene Oberflächen erzielt. Der massive Bau wirkt dennoch filigran und leicht.

Rasch nachwachsende Ressource

„Bambus ist die Zukunft. Es ist das schönste, vielseitigste und stärkste Material, das wir wählen können. Denn der Regenwald ist vom Erdball fast verschwunden. Sperrholz wird ja größtenteils aus Hölzern aus dem Regenwald hergestellt. Und der Baustoff Zement hat eine miserable Kohlenstoffbilanz. Bleibt nur noch Bambus”, pflichtet John Hardy, Mitbegründer der Green School, bei.

Pflanzten Kinder heute Bambus, hätten sie in acht Jahren genug Holz zur Verfügung und können für den Rest ihres Lebens jedes Jahr Holz bekommen, um alles zu bauen, was sie brauchten.

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Der in die Natur eingebettete, preisgekrönte Bambus-Campus im Dschungel von Bali versteht sich als Modell für Nachhaltigkeit und als Zentrum für Experimente, Innovationen und Lösungen. Ein Ort, der die Sinne und die natürliche Neugier der Kinder anregt.

Sich auf ein Design einzulassen, das noch nie zuvor ausgeführt wurde, erforderte einiges an Mut und Optimismus. Wir waren aber kreativ und hartnäckig genug, um die für den Projekt-Erfolg nötigen Lösungen und Antworten zu finden und zu entwickeln.

Rowland Sauls, Projektleiter Ibuku für The Arc at Green School

„Kontraintuitive” Struktur

Dabei sieht The Arc aus, als wären die Bündel von Bambushalmen einfach nur auf die Bögen draufgelegt, so wie Stoff. Als könnte der leiseste Wind das Dach hinwegfegen. „Wird er aber nicht”, beruhigen die Experten von Ibuku und atelier one. Denn die 19 Meter langen (und 14 Meter hohen) Bögen sind durch antiklastische Gitterschalen miteinander verbunden.

Was mit diesem sperrigen Fachbegriff gemeint ist: Eine antiklastische Schale ist gegensinnig gekrümmt und hat ein negatives Krümmungsmaß – anders als eine Kuppel beispielsweise, die synklastisch ist. Die Bündel in den sich kreuzenden parabolischen Bögen geben der Struktur ihre Form, während die Gitterschalen die Bögen miteinander verbinden.

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Erst die gebogene Oberfläche verleiht der Form die Stabilität. Das mutet ein wenig kontraintuitiv an – aber alles miteinander ergibt die einzigartige und hocheffiziente Struktur, die sich unter Last biegen und das Gewicht umverteilen kann. Gleichzeitig ist der Bedarf an Material auf ein Minimum reduziert.

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Denn die Gewölbe arbeiten in Kompression und werden von den gespannten, antiklastischen Gitterschalen an ihrem Platz gehalten. Obwohl die Gitterschalen von den Bögen herabzuhängen scheinen, halten sie diese in Wirklichkeit aufrecht.

Referenz für Leichtbaukonstruktionen

Insgesamt ist die Schul-Arche 23,5 Meter breit und 41 Meter lang. Die Konstruktion dient als Gemeinschafts-Chill-Bereich und Sporthalle. Der Bau dauerte rund acht Monate. Dem war freilich monatelange Forschung und Entwicklung sowie Feinabstimmung der Details vorausgegangen, sodass die Macher von The Arc von ihrer „Erfindung” als neue Referenz für Leichtbaukonstruktionen sprechen.

Die kanadische Designerin Elora Hardy hat Ibuku gegründet und schon früh ihre Leidenschaft für das Bauen mit Bambus entdeckt. Sie hat sich einen Namen als Gestalterin einer Gemeinschaft von Bambushäusern in der Nähe der balinesischen Hauptstadt Denpasar gemacht.

Text: Linda Benkö Fotos/Entwürfe: Tommaso Riva, Sasha de Laage

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