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07/26/2021

Alles Stroh!

Das Architekturbüro heri&salli hat fünf neue Gästezimmer für Erwin Gegenbauer kreiert. In dessen Essig-Brauerei in Wien Favoriten kann man in den Wiener Stroh Zimmern naturbelassen und sinnlich nächtigen.

Speiseessige müssen nicht zwangsläufig in der Nase stechen und einen strengen Geruch haben. Sie können auch sehr feinen aromatischen Charakter besitzen – vor allem dann, wenn sie der renommierten Essigmanufaktur Erwin Gegenbauers entstammen. Der waschechte Wiener hat an die 70 Essigsorten kreiert, unter anderem mit der Note Banane, Melone oder Dattel, Tomate, Spargel und freilich reichlich herrliche Weinessige.

Daneben hat Gegenbauer weitere „Genusszweige“ entwickelt, etwa drei Sorten Kaffee, seltene geröstete Getreidesorten, eigene Fruchsäfte und diverse Öle.

Und weiters ist Erwin Gegenbauer vor einigen Jahren in die Hotellerie gegangen: Im ersten Stock seiner Wiener Essig Brauerei im Bezirk Favoriten ließ er von den Architekten heri&salli - Heribert Wolfmayr und Josef Saller fünf ehemalige „Zimmer-Kuchl-Kabinett“-Wohnungen zu den Wiener Gäste Zimmern umgestalten.

Die Zimmer wurden ausgehöhlt, Ziegelwände und Dippelbaumdecken sowie Stahlträger freigelegt. Die roten Ziegelwände wurden gesäubert und neu verfugt, sodass man deutlich ein Stück weit Hausgeschichte spürt und miterlebt.

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Landluft und Alm-Feeling mitten in Wien

Auch Stroh entfaltet ein feines Aroma – es duftet nach frischem Gras und würzigen Kräutern; nach Landluft und Alm. Und das mitten in Wien. Denn die Wiener Gäste Zimmer haben Zuwachs bekommen: Nach etwas mehr als zwölf Monaten Gestaltung und pünktlich zur Wiedereröffnung der Hotellerie in diesem Jahr 2021, hat Gegenbauer die Wiener Stroh Zimmer eröffnet.

Neuerlich hat der „Essigpapst“ auf die bewährte Kooperation mit heri&salli gesetzt. Die getrockneten Getreidehalme spielen bei diesen fünf Gästezimmern die Hauptrolle.

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Stroh als Schlüsselelement

Auch wenn die Elite der antiken Hochkulturen in Betten schlief, so lag der Großteil der Menschheit bis ins Mittelalter hinein eher erdnah – getrennt vom nackten Boden durch Stroh oder eine Matte oder maximal eine einfache Bank oder Truhe.

„Wir thematisieren mit dem Medium Stroh, als historisches Element einer Schlafstelle, den Aufenthalt des Menschen als temporäres Entschwinden aus dem Alltag“, so das Architekten-Duo Wolfmayr und Saller. Das Stroh kann man auch stellvertretend für die Sesshaftwerdung des Menschen auffassen.

Seit 2004 arbeiten Heribert Wolfmayr und Josef Saller als heri&salli an architektonischen, räumlichen und temporären Konzepten. Unter anderem wurde das Architekturbüro mit dem Kärntner Holzbaupreis 2011, dem „Best Digital Exhibition Award“ bei der 9. Internationalen Architekturbiennale Sao Paulo, mit dem Architekturpreis Burgenland und 2014 dem Österreichischen Bauherrnpreis für das Projekt „OfficeOff“ bedacht.

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Almheu auf der Wand findet sich auch auf den Naturoberflächen, die das österreichische Unternehmen Organoid Technologies GmbH herstellt. Aber Gegenbauer geht noch wesentlich weiter: Stroh findet sich in Gegenbauers neuer Bleibe für Touristen, die ein unverfälschtes Wien kennenlernen wollen, nicht nur in den Betten. Es ist auch zentraler Bestandteil der neu eingezogenen Wände.

Und da Gegenbauer eine große Affinität zu naturnaher Produktion und „Lebens“-Mitteln im ursprünglichsten Sinn hegt, gibt es als Frühstück selbst gebackenes Brot, Honig vom eigenen Dach und Eier von Hühnern auf der Terrasse des Hauses.

Kreislaufwirtschaft

Von der Konzeption bis zur Umsetzung war der Gedanke der Kreislaufwirtschaft bei den Wiener Stroh Zimmern maßgeblich: In den neuen Zimmern kommen Materialien zum Einsatz, die andernorts nicht mehr gebraucht werden und hier eine neue Funktion erhalten.

Dabei geht es nicht nur um Baustoffe, die wiederverwendet werden, auch Materialien aus der Brauerei wie Barriquefässer und Essigtanks erhalten eine neue Bestimmung. „Ich hatte schon lange den Gedanken, Stroh einzusetzen, der Stoff fasziniert mich“, erklärt Gegenbauer.

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Natürlicher Duft

Den „archaischen Gedanken“ der Strohmatratze wollte der Essighersteller wieder aufgreifen, „aber an unsere Zeit angepasst mit allem Komfort. Außerdem ist es ein hervorragender naturbelassener Stoff. Auch heute wird noch damit gebaut, aber immer in Verbindung mit Lehm. Das widerspricht unserem Gedanken der totalen Transparenz. Wir wollen sehen, fühlen und riechen, was uns umgibt.“

Gerade der Raumduft spielt für den Wiener eine große Rolle: „In so vielen Hotels sind künstliche Düfte in der Luft, die wohl als angenehm gelten sollen. Das hier ist etwas ganz anderes – das Stroh verströmt seinen eigenen, natürlichen Geruch.“

Wie kann man sich nun das mit Stroh gestaltete Interieur konkret vorstellen? Die Wände der fünf Zimmer in der ehemaligen Lagerfläche der Essig-Brauerei bestehen aus mit Stroh gefüllten Stahlgittern. Diese dienen auch als Befestigung für Regale und Lampen. Leitungen, Rohre und Verkabelungen liegen offen im Rauminneren. Überdeckt sind die Zimmer von der Betonrippendecke aus den 1960er-Jahren.

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Rote und gelbe Raumteiler verleihen den Zimmern Farbe, ohne vom Wesentlichen abzulenken. Durch die dezente und durchdachte Beleuchtung wirken die Räume gemütlich und modern. Die Leuchtkörper sind aus dem Glas ehemaliger Fenster gefertigt.

Die alten Barriquefässer, in denen zuvor Balsamessig reifte, dienen nun als Sessel und Waschtische. Die Überdachung am Übergang zur Brauerei besteht aus einem alten Essigtank.

Text: Linda Benkö Fotos/Models: Hans Schubert/Darija Kasalo, Minna Liebhart; Skizzen/Zeichnungen: heri&salli

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