© museum gugging, Markus Gradwohl

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10/17/2019

Roh, eigenständig, "brut": Das museum gugging präsentiert seine Künstler!

Ein faszinierender Platz, ein Museum für die Art Brut

Als der Psychiater Leo Navratil in den 1960er-Jahren erstmals Zeichnungen der Menschen in der psychiatrischen Klinik in Gugging publizierte, löste dies überraschende Reaktionen aus. Aber nicht seine Kollegen waren am meisten interessiert, sondern junge Künstler der Avantgarde.

Arnulf Rainer, Peter Pongratz, André Heller, der Schriftsteller Gerhard Roth und der Sohn des Psychiaters, der Künstler Walter Navratil, erkannten die Qualität der Werke. Auch Sammler wie Helmut Zambo waren für die weitere Entwicklung wichtig.

Durch ihre Förderung fanden Johann Hauser, Oswald Tschirtner oder August Walla schließlich Eingang in die Kunstgeschichte.

Erste Anerkennung

Das Jahr 1970 markiert einen Meilenstein in der Geschichte dieser Künstlergruppe, als die Wiener Galerie nächst St. Stephan die in Gugging entstandenen Werke erstmals öffentlich präsentierte. Damit begann ein beispielloser Aufstieg von Vertretern der „Art Brut“ in der Kunstwelt.

Rund fünf Jahrzehnte danach haben sich sowohl die äußeren Bedingungen als auch der Status der Künstler aus Gugging vollkommen verändert, und August Walla, Oswald Tschirtner oder Johann Hauser sind heute weltweit bekannt.

Einige Künstler der ersten Generation sind inzwischen verstorben, jüngere Künstler haben das „Haus der Künstler“ bezogen und arbeiten hier und im atelier gugging. Die Schau „gehirngefühl.!“ zeichnet – so der Untertitel – „kunst aus gugging von 1970 bis zur gegenwart“ nach. Künstlerischer Leiter und Kurator Johann Feilacher legte besonderes Augenmerk auf die Positionen zeitgenössischer Künstler wie jene von Laila Bachtiar, Leonhard Fink, Helmut Hladisch, Johann Garber, Arnold Schmidt, Günther Schützenhöfer, Jürgen Tauscher oder Karl Vondal.

Aber auch die Arbeiten der bekannten Gugginger Künstler Johann Hauser, Rudolf Horacek, Oswald Tschirtner, August Walla sind im Museum zu sehen.

Mich hat immer das Talent des einzelnen Künstlers interessiert und nicht seine Diagnose.

Johann Feilacher | Leiter Museum Gugging

Therapie und Förderung

Feilacher hatte das „Zentrum für Kunst und Psychotherapie“ 1986 in „Haus der Künstler“ umbenannt: „Das entsprach meiner Gesinnung. Mich hat immer das Talent des einzelnen Künstlers interessiert und nicht seine Diagnose. Ich war begeistert von der künstlerischen Potenz der Bewohner des Hauses und hatte das Ziel, ihnen dieselben Chancen zu bieten, die alle Künstler haben. Und ihnen die Möglichkeiten aufbauen, anerkannt zu werden.“

Ihre Behinderungen oder Probleme waren Privatsache. Feilacher: „Sie sind zwar nicht zu leugnen, aber nur Teil einer Lebensgeschichte, die nicht Mittelpunkt ihrer Kunst sein darf.“

Sonderausstellung bis 26. Jänner: „Schizophrene Meister“ im Wienerwald

„die sammlung prinzhorn.! art brut vor der art brut“ in Gugging

Die Sammlung Prinzhorn ist die weltweit bedeutendste Kollektion an Bildern, Skulpturen und Texten von Menschen, die am Beginn des 20. Jahrhunderts ihr Leben in einer psychiatrischen Anstalt verbrachten. 

Hans Prinzhorn (1886-1933), Assistent an der Heidelberger psychiatrischen Klinik, Kunsthistoriker und „Lebensabenteurer“, hatte bei vielen Kliniken im deutschsprachigen Raum Arbeiten von deren Insassen erbeten. Bis 1921 erhielt er rund 4.500 Zeichnungen und Objekte, die er selbst archivierte. 

1922 erschien im Springer Verlag sein Buch „Bildnerei der Geisteskranken“, das u.a großen Einfluss auf die Surrealisten hatte. Obwohl viele Werke aus der Sammlung inzwischen schon vielerorts gezeigt wurden, präsentiert die von Johann Feilacher kuratierte Schau im museum gugging vor allem bisher noch nie oder selten öffentlich gezeigte Zeichnungen, die Prinzhorn selbst nicht ausgestellt hat und seit 1921 im Archiv liegen.

Die Schau präsentiert die Kunst der in Prinzhorns Buch dokumentierten „schizophrenen Meister“ – Schöpfungen von unverstellter Direktheit und Kraft, die vor etwa hundert Jahren hinter hohen Anstaltsmauern und vergitterten Fenstern und Türen unter heute kaum vorstellbaren Umständen entstanden sind.

Kompetenzzentren der Art Brut

Das Modell Gugging: In Maria Gugging bei Klosterneuburg entwickelte sich seit den 1960er-Jahren ein Zentrum für die Art Brut. Mehr Vertreter der unbeeinflussten Kunst leben und arbeiten hier als an jedem anderen Ort der Welt – zuerst  Johann Hauser, August Walla, Oswald Tschirtner, Philipp Schöpke, Franz Kernbeis, Johann Garber, Johann Fischer, Heinrich Reisenbauer, Franz Kamlander u.a; später auch Günther Schützenhöfer, Karl Vondal und heute Laila Bachtiar, Jürgen Tauscher, Leonhard Fink und Helmut Hladisch.

Geschichte: Das museum gugging präsentiert seit 2006 das Œuvre der Künst- ler aus Gugging, die seit den 1970er-Jahren zu den bedeutendsten Vertretern der Art Brut gehören. Ihre Arbeiten bilden das Fundament des Museums und dokumentieren die wesentlichen Positionen des künstlerischen Schaffens in Gugging. Auch die Klassiker der Art Brut waren und sind in großen Retrospektiven vertreten: Adolf Wölfli, Aloïse Corbaz, August Walla, Johann Hauser, aber auch Autodidakten wie Gaston Chaissac oder Sava Sekulić wurden präsentiert. Ein weiterer Höhepunkt war die Ausstellung von Jean Dubuffets erster Art Brut-Sammlung.

Aktuelle Ausstellung: „die sammlung prinzhorn.! art brut vor der art brut“ präsentiert bis 26.1. eine der wichtigsten und für die Kunst des 20. Jahrhunderts einflussreichsten 
historischen Sammlungen mit Kunst aus der Psychiatrie.

Vorschau: Ausstellung zu Oswald Tschirtner (13.2. bis 27.9.2020), einem der erfolgreichsten Künstler aus Gugging, der im nächsten Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. 

Wann & Wo: museum gugging, Am Campus 2, 3400 Maria Gugging: Di. bis So. 10-18 Uhr, Winterzeit 10-17 Uhr; Infos: 02243/87087 

Infos und Tickets unter www.museumgugging.at