„Innovation bedeutet vor allem auch Lebensqualität“
Knochenschmerzen, die nicht verschwinden. Eine Müdigkeit, die sich nicht erklären lässt. Infekte, die immer wiederkehren. Hinter vermeintlich unscheinbaren Symptomen kann sich eine ernsthafte Diagnose verbergen: das Multiple Myelom, eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark. Sie tritt oft im Laufe des Lebens auf, daher sind meist ältere Personen betroffen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Perspektiven begrenzt – heute hat sich das grundlegend gewandelt. Moderne Immuntherapien, innovative Antikörper und personalisierte Behandlungsstrategien eröffnen Patient:innen neue Chancen und deutlich mehr Lebensqualität. Bei „Sprechen wir über Multiples Myelom“ auf KURIER TV wurde beleuchtet, wie frühzeitige Abklärung Leben verändern kann und warum beim Multiplen Myelom heute von Zuversicht statt von Resignation die Rede ist.
Sprechen wir über Multiples Myelom
Schleichende Symptome
Das Multiple Myelom entsteht im Knochenmark, dem Ort der Blutbildung. „Es ist eine bösartige Knochenmarkserkrankung, eine Art des Blutkrebses“, erklärt die Hämatologin Maria Krauth von der Medizinischen Universität Wien. Durch die krankhaft veränderten Zellen wird der Knochen geschwächt. Beschwerden entwickeln sich dabei oft schleichend. „Die bösartigen Zellen fressen sich dann durch den Knochen und destabilisieren ihn.“ Gerade diese Unspezifität der Beschwerden erschwert die Diagnose. Viele Betroffene suchen wegen anhaltender Schmerzen oder häufiger Infekte medizinische Hilfe. Der Weg zur Diagnose ist oft langwierig. „In den normalen Blutabnahmen ist es nicht ersichtlich. Man braucht wirklich Spezialuntersuchungen“, sagt Krauth. Entscheidend ist daher unklare Beschwerden auch weiter abklären zu lassen.
Moderne Immuntherapien ermöglichen es vielen Patient:innen, ihren Alltag weitgehend beizubehalten."
Innovation schafft Hoffnung
Deutlich verändert hat sich die Behandlung. Während früher belastende Chemotherapien und lange stationäre Aufenthalte typisch waren, erfolgt die Therapie heute überwiegend ambulant. „Moderne Immuntherapien ermöglichen es vielen Patient:innen, ihren Alltag weitgehend beizubehalten“, so Krauth.
Eine Entwicklung, die wesentlich auf die Forschung zurückgeht. „Die klinischen Studien sind der Motor für medizinischen Fortschritt“, betont Birgit Ploier-Brandauer, Medical Affairs Director bei Johnson & Johnson Innovative Medicine Austria. Studien eröffnen Betroffenen Zugang zu neuen Wirkstoffen und treiben gleichzeitig die medizinische Entwicklung voran, betont sie.
Die klinischen Studien sind der Motor für medizinischen Fortschritt."
Parallel dazu verändert sich die Onkologie insgesamt: Behandlungen werden zunehmend individuell auf genetische Merkmale abgestimmt, neue Zelltherapien nutzen gezielt das Immunsystem. Innovation ist daher mehr als „nur“ neue Therapien. „Innovation bedeutet tatsächlich auch, dass die Lebensqualität erhalten bleibt. Patient:innen bleiben selbstständig, können weiter arbeiten, haben weniger Rückfälle und müssen seltener ins Krankenhaus – das entlastet langfristig auch das Gesundheitssystem“, sagt Ploier-Brandauer.
Das Multiple Myelom gilt zwar noch immer als nicht heilbar, doch innovative Therapien haben die Prognose für Betroffene deutlich verbessert. Die Perspektive wird optimistischer. „Die Reise geht in Richtung Heilung“, erklärt Krauth. Neue Therapieansätze erreichen bereits sehr lange krankheitsfreie Phasen und geben Anlass zu vorsichtiger Zuversicht. Und durch innovativer Forschung wird aus vorsichtiger Zuversicht Schritt für Schritt auch eine reale Perspektive.
Weitere Informationen für Betroffene und Angehörige finden Sie auch bei der Multiples Myelom - Selbsthilfe Österreich unter multiplesmyelom.at
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