"Wir stecken in einem formalen Korsett"

Johannes Steinhart ist Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Spitals Göttlicher Heiland. Im Interview nimmt er zu den Vorwürfen Stellung.

KURIER: Herr Dr. Steinhart, die Angehörigen von Kirstin Rehberger werfen Ihnen vor, das Verfahren bewusst zu verschleppen. Warum dauert das Verfahren so lange?
Steinhart: Ich muss vorausschicken, dass der Fall auch für uns katastrophal ist und wir von der menschlichen Situation tief betroffen sind. Wir unternehmen derzeit alles, um den Fall aufzuklären. Aber die Sachlage ist extrem komplex. Jedes Gutachten erklärt eben nur eine bestimmte Anzahl an Symptomen. Es gibt noch kein schlüssiges Gutachten, das alles erklärt. Sonst hätte die Justiz ja schon ein Urteil getroffen.

Laut Anklage wurde die Patientin nach der OP nicht ausreichend überwacht. So soll es kein Monitoring gegeben haben. Stehen diese Geräte nicht zur Verfügung?
Doch, aber die Patientin hatte einen unauffälligen postoperativen Verlauf. Sie ist von den Ärzten und Schwestern gesehen worden, es gab keinen Grund, diese Ebene einzuziehen.

Die Eltern zeigen sich sehr traurig darüber, dass es vom Spital bisher keine Entschuldigung gab.
Das bedauern wir sehr. Wir haben der Familie nach dem Vorfall Hilfe angeboten. Das wurde damals abgelehnt – was ich auch verstehe, wegen der Betroffenheit. Leider sind wir jetzt in einem Verfahren, dadurch sitzen wir in einem formalen Korsett und dürfen mit den Angehörigen nicht sprechen.

Sie kandidieren bei der Wiener Ärztekammerwahl am 24. März für das Amt des Präsidenten. Würden Sie Ihren Kollegen in dieser Funktion empfehlen, in laufenden Verfahren nicht mit Angehörigen zu sprechen?
Das kommt auf die Situation an. In diesem Fall sind wir gefesselt durch eine formale Vorgabe, die jenseits unserer Einflusssphäre ist.

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(kurier) Erstellt am
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