Chronik | Wien
27.04.2018

Winthertur-Gebäude muss von Karlskirche abrücken

Die Zürich-Versicherung darf das Winterthur-Gebäude am Wiener Karlsplatz nur aufstocken, wenn sie es von der Kirche wegrückt.

Nun gibt es also einen ersten Kompromiss. Just an dem Tag, an dem im Gemeinderat die Finanzierung des Wien Museums beschlossen wurde, wurde eine erste Annäherung in der Causa Winterthur-Gebäude verkündet. In einer gemeinsamen Aussendung von Stadt Wien und Zürich Versicherungs- und Aktiengesellschaft hieß es: Sollte es zu einer Aufstockung des Winterthur-Gebäudes kommen, werde das gesamte Haus von der Karlskirche abgerückt werden.

Ein entsprechender Abänderungsantrag zur Flächenwidmung soll kommende Woche im Gemeinderatsausschuss für Stadtplanung beschlossen werden.

Monatelanger Zwist

Zur Erinnerung: Als Reaktion auf den geplanten Dachausbau des Wien Museums, verkündete die Zürich-Versicherung Ende 2016, das benachbarte Winterthur-Gebäude, das sich zwischen Wien Museum und Karlskirche befindet, ebenfalls um zwei Etagen und ein Staffelgeschoß aufstocken zu wollen.

Laute Proteste waren die Folge, die Initiative „Rettet die Karlskirche“ sammelte Tausende Unterschriften. Stadtbildschützer, Denkmalpfleger und die Oppositionsparteien befürchteten, das erhöhte Winterthur-Gebäude würde die Karlskirche bedrängen. Auch die UNESCO äußerte Bedenken hinsichtlich des Stadtbilds, befindet sich doch der Karlsplatz in der Kernzone des Weltkulturerbes.

Details – etwa wie hoch die Zürich-Versicherung aufstocken darf und wie weit das Gebäude von der Karlskirche abrücken muss – wurden am Freitag noch nicht präsentiert. „Angemessen“, hieß es aus dem Büro der Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne), werde die Abrückung jedenfalls sein. Wie sehr dieser Kompromiss mit den aktuellen Plänen der Architekten Henke-Schreieck in Einklang zu bringen ist, (sie haben den Architekturwettbewerb für das Winterthurhaus gewonnen, Anm.), ist auch noch unklar. Weder Zürich-Versicherung noch das Architektenbüro wollten sich vorerst dazu äußern. Man wolle die behördlichen Verfahren abwarten.

Noch-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) begrüßte die Wendung in der Diskussion jedenfalls: „Ich bin überzeugt davon, dass der ,Karlsplatz Neu samt Sanierung und Erweiterung des neuen Wien Museums den Nutzerinnen und Nutzern in Zukunft erheblichen Mehrwert bieten wird.“

Und auch Johannes Pasquali, großer Projektkritiker, Bezirksparteiobmann der ÖVP Wieden und Teil der Initiative „Rettet die Karlskirche“, meinte: „Ich werte die Änderung als Teilerfolg unserer Kampagne.“ Nachsatz: „Wir sind aber weiterhin strikt gegen eine Aufstockung und werden dieses Vorhaben weiter bekämpfen.“