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Chronik Wien
12/05/2011

Wiener Heckenschützen sind gefasst

21 Mal schlugen die "Sniper" im Laufe der letzten Wochen zu. Die Polizei konnte nun zwei junge Männer festnehmen.

Die Wiener Heckenschützen sind gefasst. Am Donnerstagabend verhafteten Ermittler des Landeskriminalamtes Wien die beiden mutmaßlichen Täter. Das Duo passt so gar nicht in das Schema des Heckenschützen à la Hollywood: Zwei 20-jährige Freunde aus Wien, der arbeitslose Raphael R. und der Angestellte Lukas G., unbescholten und unauffällig, sollen für die Schüsse mit einer Luftdruck-Pistole auf Passanten und Fahrzeuge verantwortlich sein. Beide gestanden, blieben aber in ihrer ersten Einvernahme ein Motiv für die Angriffe schuldig.

Das Duo löste einer riesige Polizeiaktion aus. Am 16. September meldeten sich erste Opfer. Und es wurden immer mehr. Zuletzt ging die Polizei von 21 Taten aus. Die Bilanz: 18 Leichtverletzte, die Hämatome oder kleine Wunden aufwiesen, eine unverletzt gebliebene Person und zwei Sachbeschädigungen.

Die mysteriöse Serie, so ergaben es die Aussagen der Opfer, begann bereits am 25. August. Es gab kaum Anhaltspunkte. Den Opfern dämmerte erst spät, dass sie Opfer der "Heckenschützen" geworden waren. Nachdem der "Verein der Freunde der Wiener Polizei" 2000 Euro ausgelobt hatte, legte das Bundeskriminalamt mit 20.000 Euro "Kopfgeld" nach. Die Summe motivierte: 300 Hinweise trudelten ein - darunter ein entscheidender Tipp.

Kleinarbeit

"Uns war es wichtig, dem Schrecken ein Ende zu setzen", sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner am Freitag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Flankiert wurde sie von den leitenden Ermittlern (Gruppe Schneider/Haimeder), die in kriminalistischer Kleinarbeit das Duo aufgestöbert hatten.

Zeugen bestätigten die Annahme, dass die Schüsse aus einem Auto abgegeben worden waren. Nach Auslobung der 22.000 Euro meldete sich jedoch eine "Gruppe ungefähr gleichaltriger Opfer", darunter ein Jugendlicher, der einen weißen Opel Astra gesehen haben will - samt Kennzeichen "WU oder W". Das Opfer verfolgte sogar die Täter und lieferte sich mit einem der beiden ein Handgemenge. Jetzt wird geprüft, ob dem Burschen auch die Belohnung zusteht.

Über den Kfz-Handel, erklärt Ermittlungsleiter Ewald Schneider, machten die Fahnder "800 weiße Opel Astra der Type G" aus. Die Schlinge rund um das Duo wurde immer enger. Im Raster blieben nicht nur 50 Zulassungsbesitzer hängen. Die Ermittler kon zentrierten sich auch auf dort gemeldete junge Männer. Am Donnerstag um 21 Uhr landeten sie den Volltreffer.

Pkw der Mutter

Pkw der Mutter Im Fahrzeug einer Frau in Wien-Meidling wurden "Munition und Waffenteile gefunden", erzählt Schneider. Die Pkw-Besitzerin hatte das Fahrzeug zuletzt verborgt - an ihren arbeitslosen Sohn Raphael R. Der 20-Jährige legte ein Geständnis ab, sein gleichaltriger Komplize Lukas G. aus Wien-Penzing "sang" etwas später. Das Duo gestand weitere Taten, die derzeit überprüft werden. Die Waffe - eine silberne Luftdruck-Pistole - erwarben sie legal in einem Waffengeschäft. Die Verdächtigen sind derzeit in Verwahrungshaft.

Bis Montag muss die Entscheidung fallen, ob sie in Untersuchungshaft kommen. Den Tätern lasten die Ermittler vorerst "schwere Körperverletzung" an. Ob sich das später in einer Anklage findet, bleibt offen, denn keines der Opfer war - wie bei schweren Körperverletzungen vorausgesetzt - 48 Stunden im Spital. Ob sie vorsätzlich jemanden verletzen wollten, ist ebenfalls unklar.

Erleichtert sind die Schuss-Opfer. "Ich freue mich, dass sie gefasst wurden, jetzt bin ich neugierig auf das Motiv - ich glaube, es war Langeweile", meint Opfer Lucia N.

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