Chronik | Wien
26.03.2018

Wiener Haus des Meeres: Kunst-Schriftzug wird übermalt

Geschäftsführer: Wortskulptur "Smashed to Pieces" verschwindet auf Wunsch des Künstlers. Kritiker versammelten sich zu kleiner Kundgebung

Das Haus des Meeres in Wien-Mariahilf erhält bis zum kommenden Jahr einen Zubau an der Eingangsseite. Als bekannt wurde, dass im Zuge der Arbeiten am ehemaligen Flakturm auch das Kunstwerk "Smashed to Pieces (In the Still of the Night)" verschwinden dürfte, regte sich mancherorts Kritik am Vorhaben. Am Montag gab es eine Kundgebung. Allerdings: Die Übermalung des Schriftzugs ist fix.

Die Arbeit des Künstlers Lawrence Weiner entstand 1991 im Zuge der Wiener Festwochen und war als temporäre Wortskulptur im öffentlichen Raum gedacht. Einige Aktivisten wollen das nun bevorstehende Aus der an der Spitze des Beton-Riesen rundumlaufenden Lettern nicht hinnehmen. Etwa 50 Personen versammelten sich deshalb zu einer Protestveranstaltung am Fritz-Grünbaum-Platz, um ihren Unmut zu artikulieren. "Dieses Kunstwerk gehört uns allen" oder "Zerschmettern? Sichtbar lassen" stand auf den Tafeln.

Ändern dürfte das freilich nichts mehr. "Lawrence Weiner hat uns schon vor unserer Einreichung der Ausbaupläne gesagt, dass er den Schriftzug weghaben möchte", sagte Hans Köppen, Geschäftsführer des Aqua-Terra-Zoos, am Montag im APA-Gespräch. Die Idee bzw. der Wunsch nach Übermalung sei also nicht vom Haus des Meeres ausgegangen: "Wir selbst haben da überhaupt keinen Einfluss, weil uns das Kunstwerk ja nicht gehört." Vereinbart wurde die Demontage mit der Galerie Winter, die Weiner in Wien vertritt, so Köppen.

Die Galerie wünsche sich sogar, dass das Werk schon jetzt verschwinde, "um die Diskussion zu beenden". Von "politischer Seite" sei man allerdings darum gebeten worden, dies erst nach dem "Anschluss"-Gedenkjahr zu veranlassen. Insofern werde die Übermalung wohl erst im kommenden Jahr stattfinden.

Kritik

Die Aktivisten sehen das anders. Hier zeige sich ein "Versagen der Kulturpolitik, die zeitgemäße Kunst für private kapitalistische Interessen zerstört", so Kundgebungsorganisatorin Elisa Mirbacher-Eder zur APA. Bedauerlich sei das insofern, als dieses Kunstwerk für die Allgemeinheit Gültigkeit und Relevanz habe. Dass Weiner seine Arbeit verschwunden wissen will, sei nur eine "feige Rechtfertigung". Denn das liege daran, dass schon zuvor immer wieder daran "herumgepfuscht" worden sei, spielte Mitorganisatorin Marietheres Potucek auf Umbauten in der Vergangenheit an.

Die jüngsten Ausbauarbeiten am Haus des Meeres sind übrigens bereits plangemäß angelaufen. Derzeit laufen erste Betonschneidearbeiten am Turm, sagte Köppen. Dass gewerkt wird, werde man aber erst in einigen Wochen sehen.

Bis Anfang 2020 sollen dank eines eigenen Glaszubaus, der vor die Eingangsfassade gesetzt wird, 3.000 Quadratmeter Nutzfläche dazukommen. Neben mehr Platz für Tiere werden auch zwei neue Lifte - einer davon als Panoramaaufzug - errichtet sowie das Dach-Cafe im elften Stock vergrößert. Die Aussichtsterrasse mit den Betonausbuchtungen wird eingehaust und damit wetterfest gemacht. Der private Verein nimmt dafür zehn Millionen Euro in die Hand.