Chronik | Wien
28.11.2018

Wien will "Digitalisierungshauptstadt in Europa" werden

Bürgermeister Michael Ludwig stellt mehrere Digitalisierungsprojekte vor. Neue Service-App als Dreh- und Angelpunkt.

„Wir haben uns ein klares Ziel gesetzt: Wien soll Digitalisierungshauptstadt in Europa werden“, zeigt sich Bürgermeister Michael Ludwig positiv. Dafür hat er gemeinsam mit Stadträten konkrete Digitalisierungsprojekte für die Stadt Wien in den Bereichen Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Verwaltung aufgestellt.

Bei knappen 1,9 Millionen Einwohnern in der Bundeshauptstadt brauche es einen „strategischen Weitblick, ohne die einzelnen Bewohner zu vergessen“, sagt Digitalisierungsstadtrat Peter Hanke und ergänzt: „Wir wollen alle Menschen bei den Digitalisierungsprojekten mitnehmen: Jene, die sich aktiv beteiligen wollen aber auch jene, die noch in Ängsten leben. Jung und Alt.“

Technologie im Alltag

Bürger würden deshalb in die Digitalisierungsprojekte mit Hilfe von Feedback-Bögen und Testprojekten miteinbezogen werden. Eines davon ist das Forschungsprojekt WAALTeR („Wiener Active & Assisted Living TestRegion“, zu Deutsch: „altersgerechte Assistenzsysteme für ein aktives Leben“):

In mehr als 80 Wiener Haushalten testen Senioren für 18 Monate mit Tablet und Smart Watch die digitalen Möglichkeiten. Dabei werde untersucht, ob und wie Technologie den Alltag von Senioren unterstützen und die Lebensqualität verbessern kann.

Ein Kernstück bilde dabei das Nachbarschaftswerk, das wie ein digitales Schwarzes Brett funktionieren soll. Man könne am Tablet etwa sehen, was in der Nachbarschaft geschieht und ob man sich Aktivitäten anschließen möchte.

„Wir wollen so das Nachbarschaftsfeeling aufleben lassen. Wenn man global denkt, muss auch im Kleinen gedacht werden“, sagt Berenike Lettmayer, Sprecherin für Stadtrat Hanke.

Digitale Welt

Ein weiteres Großprojekt hat die Stadt Wien im Jahr 2018 abgeschlossen: „Wien gibt Raum“ - die Digitalisierung der ganzen Stadt. Dabei wurde eine genaue und dreidimensionale digitale Version der Stadt Wien entwickelt, um vor allem im Bereich der Verwaltung Neues zu ermöglichen.

So sollen etwa Prozesse innerhalb der Verwaltung schneller durchgeführt werden und weite Beamtenwege erspart bleiben. Eines der ersten Anwendungsbeispiele ist die Schanigartenbewilligung. Genehmigungen für Änderungen von Schanigärten sollen dabei zukünftig einfach mit dem Smartphone abgewickelt werden.

Treuer Begleiter

Ein weiteres Großprojekt ist die neue Webseite und App mein.wien. Als digitaler Service solle dieser Dreh- und Angelpunkt für die Einwohner werden, um Behördenwege einfach und schnell zu gestalten. Ein Parkpickerl kann bereits online in kurzen und schnellen Schritten beantragt werden.

In der App bietet außerdem die Anwendung „Mein Grätzl“ ein Infopaket für die Bürger. Das Prinzip ist einfach: Man gibt an, wo man sich gerade befindet. Im Umkreis von 500 Metern wird dann auf der „Grätzlmap“ in kurzen Meldungen angezeigt, was sich in der Umgebung tut und was es Neues gibt:

Kulturelle Veranstaltungen, Änderungen von Verkehrssituationen, neue Fahrradabstellanlagen. So soll mein.wien zu einem alltäglichen Wegbegleiter der Wiener werden.

Derzeit liegt mein.wien in einer Beta-Testphase, die noch bis Mitte 2019 bestehen bleiben soll. So können Bürger Feedback abgeben und die Stadt Wien ihr Angebot stetig verbessern.

Smartes Wien

Bei Digitalisierungsprojekten rund um das Thema Infrastruktur wird vor allem der Ausbau eines 5G Mobilfunknetzes fokussiert, um den Wienern höheres Datenvolumen und schnellere Daten-Geschwindigkeit bereitstellen zu können.

SmartCity (wie intelligente Ampeln für verbesserten Verkehrsfluss) oder SmartHome (vernetzte und fernsteuerbare Geräte zur effizienteren Energienutzung) sind dabei zwei Projekte, um die Stadt Wien technologisch fortschrittlicher und ressourcenschonender zu machen.

Am Wiener Rathausplatz wird bereits gemeinsam mit österreichischen Mobilfunkanbietern ein 5G-Pilotprojekt durchgeführt.

In den nächsten drei Jahren sollen auch die Klassenräume aller Wiener Pflichtschulen mit WLAN versorgt werden. "Die Jungen sollen mit moderner Technik arbeiten können", sagt Hanke.