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Chronik Wien
05/07/2012

Ute-Bock-Flüchtlingsheim eröffnet

Favoriten – Viele Anrainer haben mit dem Heim keine Freude.

Am Gang hallt das Hämmern der Handwerker, im Büro stapeln sich die braunen Umzugskisten. Eine Katze huscht durch das schmale Büro und verschwindet schon wieder hinter einer Kiste. „Ihr setzt der Umzug glaube ich am meisten zu", sagt Ute Bock und lächelt zwischen den Kisten hervor.

Nicht nur Ute Bocks Katze muss sich erst an den neuen Wohnraum gewöhnen. Rund 30 Männer aus allen Teilen der Welt sind am Montag in Ute Bocks Männerwohnheim in die Zohmanngasse eingezogen. Viele von ihnen haben gerade erst Asyl erhalten. Ohne dieses Heim wären sie akut von Obdachlosigkeit bedroht.

„Wir haben 80 Einzelzimmer zur Verfügung", sagt Ute Bock und führt durch die vier Stockwerke des Hauses. Zwischen zehn und zwölf Quadratmetern messen die Zimmer. Das Inventar ist überschaubar: Eine ausziehbare Couch, ein Tisch mit zwei Sesseln, ein Kleiderkasten und ein Waschbecken samt Spiegel stehen jedem Bewohner zur Verfügung. Finanziert wurde die Sanierung von Hans Peter Haselsteiner.

 

Chance

Wie viel dieses kleine Zimmer vielen der Bewohner bedeutet, zeigt Reza Hosseini. Vier Jahre lebte der 26-jährige Afghane ohne Obdach in der Steiermark. Durch das Wohnheim hat er nun wieder eine feste Bleibe. Von Ute Bock will der Mann während des KURIER-Termins nicht mehr weichen. Zu groß ist seine Dankbarkeit für diese neue Chance.

Weniger Freude haben hingegen viele Anrainer: „Es gab schon früher Probleme, als hier noch das Lehrlingsheim von Frau Bock war. Wir brauchen hier keinen Wirbel und keine Drogen", lautet der Tenor vieler Anrainer. Mit einer Unterschriftenliste wollten sie das Projekt stoppen.

„Es gab zwei Info-Abende, um den Nachbarn die Ängste zu nehmen", sagt Bock, die ein Kopfschütteln nicht ganz verbergen kann: „Glauben Sie denn, der Reza Hosseini läuft jetzt raus und randaliert? Die Leute sind doch froh, ein Zimmer zu haben", sagt Bock. Und sollte doch einmal etwas passieren, ist Ute Bock jedenfalls gleich zur Stelle: „Ich wohne ja jetzt auch hier im Haus", sagt Bock und kramt schon wieder in ihren Kisten.

 

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