Chronik | Wien
28.10.2018

Treffpunkt Wien: Von Tieren und Tagträumen

Detlev Buck über das Aufwachsen als Einzelkind, seine neue Komödie und sein Gefühl zu Wien.

Er spielt schräge Typen wie den Autohändler Harry in „Nacktschnecken“ ebenso wie Dr. Eichhorn in seinen „Bibi & Tina“-Filmen; er verfilmt Hochliteratur wie „Die Vermessung der Welt“ ebenso wie Kinderbücher von Cornelia Funke („Hände weg von Mississippi).

Der Berliner Künstler Detlev Buck lässt sich in keine Schublade stecken und probiert lieber immer neue Genres aus. Denn, erklärt er im KURIER-Interview: „Wenn man zu lange in einer Perspektive drinhängt, fällt einem nichts mehr auf.“

Sein neuester Film, seit Donnerstag in den Kinos, heißt „Wuff“ und handelt von vier Frauen, ihren Hunden und Problemen. Die Hauptperson ist Ella, eine Mittdreißigerin, die fast gleichzeitig erkennt, dass die Aufstiegschancen in ihrem Job schwinden und ihr Freund eine andere hat. Daraufhin beschließt sie, sich des noch ärmeren Straßenköters Bozer anzunehmen.

Glücklicher Zeitpunkt

Und am Ende gibt nicht nur Ella dem Hund ein neues Zuhause, sondern er verhilft ihr zu einer neuen Liebe. Denn ohne Bozer würde sie nie den Förster kennenlernen, der ihr Leben umkrempelt.

Dass es ab und zu Glück braucht, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder bei den richtigen Leuten zu sein, hat auch Buck früh erkannt. Der Norddeutsche wuchs auf einem Bauernhof auf und produzierte seinen ersten Film mit 21 Jahren, während er eine Lehre zum Landwirt machte. Erschienen ist der Film kurz nachdem er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie aufgenommen worden war. „Mein Professor meinte, ich soll mir freinehmen, den Film fertig machen und könnte nächstes Jahr einfach wieder einsteigen. Erst im nächsten Jahr wurde mir bewusst, welches Glück ich mit ihm hatte. Die Dozenten ein Jahr später waren immer anderer Meinung als ich. Die hätten mich bestimmt nicht aufgenommen.“

Wie man als Landwirt auf die Idee kommt, Filme zu produzieren? „Wenn man als Einzelkind aufwächst, hat man viel Zeit. Ich hab mich immer weggeträumt, mir viel ausgemalt – und dann ist man ja schon beim Erzählen. Ich hatte so kleine Mantschgerln (Figuren, Anm.), nur Indianer, die weißen Blauröcke (Soldaten) fand ich unangenehm, aber Indianer hatte ich Hunderte und da war immer viel los.“ Er lacht und nimmt einen Schluck von seiner Melange.

Grätzel mit Charme

Der Berliner wollte sich für das Gespräch rund um den Naschmarkt treffen. Der Schriftsteller Thomas Glavinic habe ihm die Gegend gezeigt. „Er hat mich zwei Mal mitgenommen. Und das hat mir gleich gefallen. So etwas gibt es bei uns in Berlin ja nicht, so Dauereinrichtungen, das erinnert mich an den Süden, wo es kleine Häuschen gibt. Oder an Old China Town in Beijing, so provisorisch, das mag ich.“

Für das Gespräch ist es schlussendlich das Café Anzengruber in der Schleifmühlgasse geworden, die Kaffeehaus-Institution, vor allem für spätere Stunden mit dunkler Holzvertäfelung, großen Zimmerpflanzen in allen Fensternischen und einer urigen Patina. „Ich finde das herrlich, diese alte Struktur mit den Kellnern, die noch so eine Grandezza haben, einen zeitlosen Stil. Es ist nicht so hip, aber ich kann diese gleichgeschaltete Architektur nicht mehr sehen. Und es freut mich, dass mein ‚Onkel‘, der Herr Starbuck nicht immer voll ist.“ Buck grinst.

Gegen den Mainstream, gegen die Routine, so hat er schon als Schulkind gern agiert. Deshalb saß er, der stets in der letzten Reihe war, eines Tages auf einmal ganz vorne. Was er da machte, fragten ihn die Kameraden. „Ich will das jetzt einfach“, habe er gesagt. „Und diesen Trotzkopf hab ich immer noch, dieses Ich-will-das-jetzt-anders. Vielleicht ist sie kindlich, diese kleine Wut“, sagt er und trinkt den Kaffee aus. „Aber sie hält die Flamme am Leuchten.“

Einfach tierisch

Bucks neuer Kinofilm

„Wuff“ ist eine leichte Komödie, die in Berlin spielt und sich um Hunde, Frauen und Männer – sowie  deren Probleme miteinander dreht. Mit dabei die britische Schauspielerin Emily Cox und Maite Kelly von  The Kelly FamilyDetlev Buck spielt übrigens als Tierheimmitarbeiter  selbst eine kleine Rolle.