Ex-Theaterdirektorin und Neo-Autorin Emmy Werner holt sich Energie bei vielen Tassen Schwarztee.

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
05/19/2019

Treffpunkt Wien mit Emmy Werner: Tee wie Theater

Ex-Theaterdirektorin Emmy Werner sprach bei Schwarztee über ihren Weg aus dem Schatten und ihr Buch.

von Anna-Maria Bauer

Zuerst kommt immer der Tee.

Auch gleich nach dem Aufwachen, noch mit verschwommenem Blick, führt Emmy Werners Weg stets in die Küche. Dort braut sie sich weder Grünen Tee („zu bitter“), noch Kräutertee („das ist ja kein Tee, denn das Wort Tee steht für Teein und das ist nicht drin, also muss man Kräuteraufgussgetränk sagen, im Spaß natürlich“). Sondern Schwarztee mit Obers, ihr Lebenselixier.

Untertags trinkt die ehemalige Volkstheater-Direktorin ihren Schwarztee am liebsten im Haas&Haas Teehaus am Stephansplatz. Und zwar im grünen Innenhof-Garten.

„Weil ich in der Nähe wohne und – gottlob – eine sehr schattige Wohnung habe“, sagt sie, wirft Kandiszucker in die Kanne und gießt sich Tee in die Tasse. „Ich mag die Sonne ja nicht, also ich seh sie schon gern, ich bin nur nicht gern in der Sonne.“

Kein Sonnenbaden

Mit Sonnenbaden am Meer kann man sie dann wohl nicht locken?

„Meer? Das ist etwas sehr Exotisches, ich reise ja nicht, ich bin überhaupt eine der langweiligsten Personen“, sagt die Künstlerin, die von 1988 bis 2005 als erste Frau das Volkstheater führte, davor das Theater in der Drachengasse gegründet hatte, in Filmen und Theaterstücken als Schauspielerin mitwirkte sowie Dutzende Theaterstücke inszenierte und seit Kurzem Autorin ist – und muss dabei selbst lachen.

Aber jedenfalls hatte sie nur einen Freund, mit dem sie gern verreiste, fährt sie fort.

Über-Leben

Und zum Wasser habe sie auch eine schwierige Beziehung. „Mit 14 Jahren wäre ich im Gänsehäufel beinahe ertrunken, weil ich vor den Burschen angeben wollte.“ Sie sei zu weit hinausgeschwommen. „Ich kann nicht mehr“, sagte ich noch, und ein Bursch erwiderte: „Mach ka Theater.“ Dann war sie untergegangen. Skurrilerweise hatte sie keine Angst, keine Panik – bis sich eine Hand zu ihr hinunterstreckte und sie zurück ins Leben holte.

„So zufällig ist das Überleben“, kommentiert sie die Szene in ihrem Buch „...als ob sie Emma hießen“ (angelehnt an Christian Morgenstern). Reine Biografie sei es keine, sagt sie. Und hat die Geschichte von E. in der dritten Person erzählt.

Es ist die Geschichte einer Frau, die nicht unsichtbar an der Seite ihres Partners sein wollte. Die ihr Leben selbst gestaltete, ihren Traum vom eigenen Theater realisierte, die dabei auch Fehler machte, Rückschläge einstecken musste. „Aber im Nachhinein“, sagt Emmy Werner, „weiß ich, dass gar nicht so viel falsch war. Sondern vieles vollkommen richtig.“

Dem Traum nachgehen

Den eigenen Weg gehen. Das hat vor rund 40 Jahren auch Eva Haas getan, die ebenso wie Emmy Werner eine Leidenschaft für Tee hegt und in Wien einen Ort schaffen wollte, in der Teekultur aus aller Welt zelebriert wurde.

Im Alter von 27 Jahren eröffnete sie mit ihrem Mann Peter ihr erstes Geschäft, fünf Jahre später zogen sie an den heutigen Ort: in die 800 Jahre alten Räumlichkeiten des Klosters des Deutschen Ordens, in denen schon Mozart musiziert hatte.

Wer Hunger hat, kann ganztägig aus der Frühstückskarte wählen. Dazu gibt es Häppchen ebenso wie Hauptspeisen: Tafelspitz, Spinatknödel, Avocado-Salat.

Emmy Werner bestellt sich ein Tee-Sandwich mit Räucherlachs, das seien die besten, sie habe sich durchgekostet.

Während der Arbeit am Buch saß sie oft hier, beobachtete Leute und ließ ihre Gedanken dazu ins Buch einfließen. Alle Überlegungen brachte sie nicht unter und deshalb liegt ihr noch ein Projekt am Herzen. „Kein richtiges Buch, eher eine Broschüre. ,Menschenfresser’ soll sie heißen. Und da schreib ich alles hinein, was Menschen auffrisst, oft auch die Frauen. Zum Beispiel die Einstellung: Ich bin alleine nichts wert.“

Lustig soll es werden, aber auch beinhart.

Info

Werners Debüt

...als ob sie Emma hießen

Wie gestaltet sich das Leben einer Frau, die nicht an der Seite eines Partners unsichtbar sein will? Emmy Werner hat „...als ob sie Emma hießen. Eine Nachbetrachtung“ geschrieben. Ein  Buch über ihre Leidenschaft fürs Theater. Eine Lebensgeschichte, die  Mut zeigt und macht und  zum Lachen anregt. Erschienen  im Residenz Verlag, 320 Seiten, 26 Euro.

Haas&Haas Teehaus

 

Die Getränke: Riesige Auswahl an Tees. Darunter: Indian Spice, Maulbeerblättertee, Formosa Ooling (5,40€ pro Kanne).

Die Speisen: Ganztägiges Frühstück wie  Trüffeleierspeise (9 €). Auch Hauptspeisen wie Tafelspitz (17,50 €)

Der Teeladen: Klassiker und Neuheiten des Tees sowie Konfekt, Marmeladen, Gebäck wie  Scones zum Mitnehmen.