© Kurier/Jeff Mangione

Chronik | Wien
03/10/2019

Treffpunkt Wien: Großstadt, Gefühle und Gelegenheiten

Schauspielerin Katharina Stemberger über ihre neue Komödie, die Liebe und warum sie Wien London vorzieht.

Nacktheit auf der Bühne oder im Film findet  Katharina Stemberger oft überbewertet. „Selten wurde für mich dadurch eine Geschichte wahrer, intensiver und schon gar nicht erotischer.“ Die Phantasie der Zuschauer sei immer schärfer als die oft platte Darstellung. „Aus allen Kanälen springt uns nackte Haut und Sex entgegen, aber die Menschen wissen nicht mehr, wie ein Aufriss in einer Bar funktioniert, klagen über Einsamkeit", sagt die Schauspielerin im KURIER-Gespräch.

In dem Theaterstück mit dem provokanten Titel „Eine pornografische Beziehung“ ist die Schauspielerin ab 21. März dennoch zu sehen. Weil es sich dabei – anders als es der Titel vermuten lässt – um eine bittersüße Liebesgeschichte handelt. Katharina Stemberger spielt eine Frau, die eine  ganz bestimmte sexuelle Fantasie ausleben möchte. Sie gibt eine Annonce auf, beginnt sich wöchentlich mit  einem Mann (gespielt von Andreas Patton) zu treffen. 

Wann Liebe passiert

Ausgetauscht werden weder Namen noch Geschichten. Bis passiert, was  immer passiert, wenn man nicht damit rechnet: Die Liebe.

Nicht damit  gerechnet  hat auch Katharina Stemberger, als sie vor 22 Jahren den Regisseur, Autor und Kameramann Fabian Eder  kennenlernte – ihren heutigen Mann: „Ich habe lange nicht gesehen, dass er mein Lebensmensch ist. Dabei war er wirklich erfindungsreich, um mir auf die Sprünge zu helfen. Aber bewusst wurde es mir erst, als ich an einem persönlichen Tiefpunkt war und erkannt habe, dass es nur einen Menschen gab, den ich sehen wollte.“

Im Stück trauen sich die zwei Charaktere nicht, ihren Gefühlen nachzugeben. Und so ist es auch eine Geschichte von verpassten Chancen.

Gab es die in ihrem Leben? „Natürlich! Diese Momente, in denen mir vom Leben Gelegenheiten vor die Füße gelegt wurden und ich sie nicht genutzt habe, weil mir der Mut gefehlt hat.“ Aber dann seien Gefühle wie Nostalgie und Wehmut irgendwie auch wichtige Gewürze im Leben.

Nach unterschiedlichsten Gewürzen riecht es in dem Lokal, in dem sich Katharina Stemberger zum Interview treffen wollte: Das Deli am Naschmarkt, ein gemütliches, gut besuchtes Marktlokal mit  großen Fensterfronten und  mediterran-internationaler Küche.

Zu Stembergers Stammlokal am Naschmarkt hat sich das Deli vor allem aufgrund der Öffnungszeiten etabliert: „Es ist ab sieben Uhr offen. Da geht sich gut ein Frühstück mit Freundinnen aus, wenn ich‚ um neun Uhr meinen ersten Termin habe.“ Meist wählt sie dann das türkische Frühstück.

Vassilakous Verdienst

Diesmal ist es nur ein Schwarztee  – mit Milch. Eine Angewohnheit, die sie sich aus ihrer Zeit in  London beibehalten hat. Die britische Hauptstadt ist ihre Herzensstadt. Ihr Leben verbringt sie trotzdem lieber in Wien: „Je älter ich werde, umso bewusster wird mir, dass Wien ein genialer Platz zum Leben ist.  Meine Tochter  hätte ich, zum Beispiel, in London nicht großziehen wollen. Wien ist so sicher. Und so bunt.“ Sie nimmt noch einen Schluck Tee. „Und ich muss sagen: Maria Vassilakou  gilt zwar als verhassteste Vizebürgermeisterin von hier bis Kentucky, aber wenn man sich ansieht, was unter anderem auf ihr bzw. das rot-grüne Konto geht: mehr Grün in der Stadt, weniger Autos, die 365-Euro-Jahreskarte, Ausbau der Radwege, das bringt so viel Lebensqualität.“

Außerdem sei Katharina Stemberger einfach ein Stadtmensch: „Wir haben uns einmal ein Haus im Speckgürtel angesehen. Wir waren zu früh dort und ich wollte noch in die Konditorei. Die sperrte gerade zu und die Verkäuferin meinte, wir könnten sonst noch zum  Chinesen oder auf die Tankstelle gehen. Dabei war es erst  fünf vor sechs. Ich hab mich zu meinem Mann gedreht und gemeint, wir brauchen uns das Objekt gar nicht  ansehen.“ Sie muss lachen. „Ich brauche dieses Gefühl von Stadt. Dass man von mehr Dingen umgeben ist, als man konsumieren kann.“

Und für die Frühstückstreffen im Deli ist es natürlich auch angenehm, wenn sie von ihrer Wohnung in Margareten nur ein paar Schritte gehen muss.

Info

Das Stück

Eine pornografische Beziehung: Katharina Stemberger und Andreas Patton spielen eine einfühlsame, zart-bittere Liebesgeschichte voller Humor über Sehnsüchte und das Unerwartete.  Regie führt  Hans-Peter Kellner. Die Premiere findet am 21. März im Theater Akzent statt. Karten online hier oder telefonisch unter  01/501 65-13306.

Das Lokal

Die Speisen:  Mediterran-italienisch. Etwa  Goldbrasse vom Grill (17,50€). Großes Frühstücksangebot, Hauptgerichte wie Chicken-Burger (10,50 €), auch Kleinigkeiten wie Lachswrap (8,50€), Zigarrenbörek (7,20€).

Die Getränke: Schwarztee (3,50€), kleiner Brauner (2,70€), 1/2 l Soda Holunder (4,20€).

Das Lokal: Geöffnet: Montag bis Samstag 7 (!) bis 24 Uhr. DJ-Musik: abends Di. bis Fr., samstags ab 9.30 Uhr.