Chronik | Wien
17.11.2018

Treffpunkt Wien: Die Sicht von oben

Beim Blick über Wien sprach Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher über ihr erstes Buch.

Wenn Lou Lorenz-Dittlbacher auf der Wiese neben dem Schloss Wilhelminenberg steht und die Häuser der Stadt durch die Entfernung wie Spielzeugfiguren aussehen, wirken auch ihre Probleme irgendwie kleiner.

„Wahrscheinlich komme ich deshalb immer hierher, wenn ich eine Entscheidung treffen möchte“, sagt die ZIB2-Moderatorin und Autorin, als sie den KURIER an einem gleißend sonnigen Herbsttag dort trifft.

Und es scheint ein guter Ort für Entscheidungen zu sein: „Bisher habe ich noch nichts, das ich hier beschlossen habe, bereut.“ Sie lacht und spaziert in Richtung Schloss-Café.

Als Kind war ihr das Schloss ja ein bisschen unheimlich. Als sie in den 1970er-Jahren in Ottakring aufwuchs, war es geschlossen; ragte düster und grau empor. Aber irgendetwas faszinierte sie daran. Jahre später eröffnete sie nicht nur ihren Maturaball im revitalisierten Schloss, sondern gab in der Bibliothek (die ebenso wie das ganze Haus von den Austria Trend Hotels betrieben wird) auch ihrem Ehemann Fritz das Jawort.

Das erste Buch

Die Sicht von oben.

Davon handelt – im übertragenen Sinne – auch ihr erstes Buch. Für „Der Preis der Macht“ (Residenzverlag) hat sie mit acht ehemaligen Spitzenpolitikerinnen aus unterschiedlichen Parteien über Errungenschaften, Enttäuschungen, prägende Kindheitserfahrungen und mächtige Männernetzwerke gesprochen.

Es waren ehrliche und aufwühlende Gespräche. „Eine der Acht hat einmal gesagt, so ähnlich muss es beim Psychiater sein.“ Lou Lorenz-Dittlbacher nimmt einen Schluck vom Holunder-Soda und fährt fort. „Besonders berührt hat mich die Geschichte von Waltraud Klasnic über ihre Adoption. Mir war nicht bekannt, wie spät sie das erfahren hat. Und ich bin mir sicher, dass die Art, wie sie Politik gemacht hat, von dem extrem stark geprägt war.“

Politik am Mittagstisch

Wie ist Lou Lorenz-Dittlbacher zum politischem Journalismus gekommen?

„Ich komme aus einer sehr politisierten Familie. Die Politikernamen der 1970er und -80er waren mir irgendwann alle ein Begriff, weil mein Vater und Großvater am Mittagstisch immer darüber geredet haben. Auch wenn ich als Kind noch nichts verstanden habe.“ Sie denkt kurz nach.

„Und dann habe ich mich auch immer für Geschichte interessiert. Mein Opa war als politischer Häftling im KZ  Dachau inhaftiert. Er starb, als ich noch in der Schule war. Das hat so viele Fragen offen gelassen.“

Wie die Idee zum Buch entstanden ist? „Ich hatte immer das Gefühl, dass Frauen in der Politik anders beurteilt werden, dass sie es vielleicht schwerer haben – und das wollte ich prüfen.“

Eine Überlegung, die sich bewahrheiten sollte. „Frauen in der Politik müssen immer gegen Vorurteile und Rollenbilder, gegen Sexismus und Hass ankämpfen“, antwortete ihr etwa Ulrike Lunacek. „Ich glaube, dass man in Österreich den Frauen einfach noch nicht so viel zutraut“, meinte Benita Ferrero-Waldner zu ihr.

Welche Erfahrungen hat sie als Frau gemacht? „Jetzt ist es akzeptierter“, meint Lou Lorenz-Dittlbacher. „Als ich angefangen habe, gab es nicht so viele Frauen, die politischen Journalismus gemacht haben und ich hatte das Gefühl, je weiblicher man ausgesehen hat, desto schwieriger war es.“

Jetzt gebe es mehr Frauen, das sei gut, und auch viele Junge, das sei besser. „Aber natürlich wird eine politische Journalistin, wie jede andere Frau, über ihr Aussehen definiert, wie sie sich kleidet, ihre Figur. Das sollte nicht sein. Doch das ist geblieben.“ Sie leert ihr Getränk. „Aber ich bin ein optimistischer Mensch und hoffe, dass auch das besser wird.“

Der Blick zurück

Der Preis der MachtLou Lorenz-Dittlbacher hat ihr erstes Buch geschrieben:  In „Der Preis der Macht“ erzählen acht ehemalige Politikerinnen von ihrem Aufstieg, von verpassten und ergriffenen Chancen, von Männernetzwerken, dem Abschied von der Macht und der Neuorientierung danach. Erschienen im Residenz-Verlag, 24 Euro.