Chronik | Wien
11.08.2018

Treffpunkt Wien: Auf ein Achterl mit der Axtmörderin

Im Gasthaus Krippl traf Schauspielerin Eva Billisich ihre Schauspielkollegin aus Schaumstoff

Wenn Eva Billisich etwas nicht leiden kann, ist das Fadesse. Weil ihr aber relativ rasch langweilig wird, probiert sie häufig Neues aus. Und so stand die Schauspielerin (bekannt etwa durch ihre Rolle als Evelyn Schöbinger im Kultfilm „Muttertag“) in den vergangenen Jahren nicht nur vor der Kamera oder auf der Bühne, sie war auch Regisseurin, Liederschreiberin und Kinderbuchautorin, war Mitglied in der Kabarettgruppe Schlabarett und spielt aktuell in zwei Bands als Schlagzeugerin.

Die Abwechslung mag Eva Billisich nicht nur beruflich, sondern auch beim Essen. Deshalb kehrt sie häufig im Gasthaus Krippl in der Mayerhofgasse in Wien-Wieden ein. Weil mitten zwischen den Wiener Gerichten immer wieder traditionell vietnamesische Speisen auf der Speisekarte zu finden sind.

Dabei ist das urige Eckgasthaus vor zehn Jahren kurz vor der Schließung gestanden. Aber Karl Kaufmann, der seine Tischlerei ein paar Häuser weiter hatte, wollte das Lokal nicht mehr missen – und beschloss kurzerhand, es zu übernehmen. Seit acht Jahren unterstützt ihn seine Frau Cuc Hua Thi aus Thailand dabei in der Küche.

Besuch mit Puppe

An diesem warmen Augustvormittag hat sich Eva Billisich mit Künstlerkollegin Susita Fink im Holzstüberl des Gasthaus Krippl eingefunden. Zwischen ihnen sitzt lebensgroß und aus Schaumstoff: die Puppe Theresia Kandl, mit der Eva Billisich in wenigen Tagen gemeinsam auftreten wird.

Das „hübsche Pupperl“ ist 1809 im Alter von 23 Jahren bei der Spinnerin am Kreuz öffentlich mit dem Strang hingerichtet worden. Sie war die einzige Frau, der dieses Schicksal zuteil wurde. Frauen öffentlich zu hängen, war nicht sittlich.

Was Theresia Kandl getan hat? Nach einer verbotenen Liebschaft, einem weggenommenen Kind und einer erzwungenen Ehe mit einem gewalttätigen Mann hatte sie eines Tages keinen anderen Ausweg gesehen – und ihren Mann mit zehn Axthieben ermordet.

Diesem Mordfall nimmt sich das Stationen-, Straßen- und Puppentheater „Theaterfink“ mit dem zweiteiligen Stück „Das Mordsweib von Hunglbrunn“ heuer an. Gespielt wird dabei stets an den echten Schauplätzen.

Ein Theatermodell, das Billisich sehr zusagt. Sie ist heuer zum vierten Mal Teil der Crew. „Am Anfang war das schon aufregend, mitten zwischen den Menschen zu spielen, auf Dinge wie Straßenlärm oder Verkehr reagieren zu müssen“, sagt sie und nimmt einen Schluck von ihrem Apfelsaft g’spritzt. Aber mittlerweile gefällt es ihr fast besser, ohne die vierte Wand zu spielen. „Außerdem hat es einen besonderes Spirit, wenn man an echten Schauplätzen spielt.“

Die Auferstehung

Der erste Teil – „Abschiedslied“ – wird seit März immer freitags aufgeführt. Dabei begleiten die Zuseher Theresia auf den letzten Stationen ihres Lebens – und erfahren, was Frauen damals alles durften. „Oder eher: Was sie nicht durften“, meint Susita Fink, die das Theater leitet.

Der zweite Teil – „Auferstehung der hingerichteten Theresia K.“ – feiert in wenigen Tagen, am 29. August, Premiere. Darin steht Theresia Kandl nach ihrer Auferstehung einer Kommissarin (gespielt von Eva Billisich) bei Ermittlungen in einer Mordserie hilfreich zur Seite.

Gleichzeitig wird erzählt, was Frauen in den vergangenen 200 Jahren erwirkt haben. Besungen wird zum Beispiel die Politikerin Johanna Dohnal. Sie hat unter anderem die Gründung des Wiener Frauenhauses oder das gesetzliche Verbot gegen sexuelle Belästigung durchgesetzt. „Dabei wissen viele junge Menschen gar nicht einmal mehr, wer sie war. Das hat mich schockiert“, meint Susita Fink. „Und“, ergänzt Billisich, „es ist ihr auch keine Frau nachgerückt, die mit ihrer Kraft etwas weiter voran gebracht hätte.“

Gasthaus Krippl

Die Speisen:  Wiener und vietnamesische Küche. Eiernockerl mit Salat (5,90 €) stehen ebenso in der Karte wie   „Bun Cha Nem“ (Spieße mit  Fleisch und Shrimps, 8,90 €).
Das Lokal Uriges Wiener Beisl inklusive  Schanigarten.  Wochentags von 9 bis 22 Uhr geöffnet.

Krimi um Theresia K

Mordsweib von Hunglbrunn: Ein Stationen-, Puppen- und Straßentheater in zwei Teilen:  Beim
Abschiedslied wird  Theresia K. auf den letzten Stationen ihres Lebens begleitet. Bis 5. Oktober freitags.

In "Die Auferstehung der hingerichteten Theresia K." wird der Krimi in die Jetztzeit geholt. Eva Billisich spielt die Kommissarin. Premiere ist am 29. August.  Anmeldung: theaterfink.at oder 06801265386.