Fremdenführerin Susanna Oberforcher vor dem Denkmal jener Frau, die sie in dem Theaterstück darstellt:  Sozialreformerin Auguste Fickert 

© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik | Wien
03/08/2019

Theaterstück "Zeitungsweiber" erweckt Vergessene zum Leben

Fremdenführerin Susanna Oberforcher würdigt drei Frauenrechtlerinnen mit einem Theaterstück.

Fünf Prozent.

So sieht das Geschlechterverhältnis der personenbezogenen Statuen in Wien aus. Auf 226 Standbilder, die berühmte Männer darstellen, kommen zwölf Frauen.

Eine davon ist die Frauenrechtlerin, Sozialreformerin, Lehrerin und Journalistin Auguste Fickert.

Vor ihrem Denkmal im Währinger Türkenschanzpark hat sich die Fremdenführerin Susanna Oberforcher eingefunden.

Auguste Fickert war eine faszinierende Persönlichkeit“, sagt Oberforcher. „Sie hat den Allgemeinen österreichischen Frauenverein mitbegründet. Sie ist aus der katholischen Kirche ausgetreten – in einer Zeit, in der das von der Allgemeinheit nicht goutiert wurde. Sie war Lehrerin und erhielt unter anderem ein Diziplinarverfahren, weil sie sich weigerte, an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen.“

Dokumente der Frauen

Heute, Freitagabend, wird Oberforcher wieder in die Rolle der Auguste Fickert schlüpfen. Für Oberforchers Theaterstück „Zeitungsweiber“, einem fiktiven Stück, das auf wahren Begebenheiten beruht.

Wien, 1899: Die Frauenrechtlerinnen Auguste Fickert, Rosa Mayreder und Marie Lang gründen die Zeitschrift „Dokumente der Frauen“. Ein 14-tägiges Magazin mit internationalem Publikum. Angesprochen werden Themen wie Kinderhandel, das Fernhalten der Frauen von den Universitäten oder die unfaire Behandlung in der Arbeitswelt. „Manche Artikel sind so aktuell, dass ich mir beim Recherchieren gedacht habe: Das kann doch nicht vor 100 Jahren geschrieben worden sein.“ So heißt es in der Ausgabe vom 15. Oktober 1900 etwa: Es ist ersichtlich, dass die dienstliche Stellung der weiblichen Lehrkräfte ungünstiger als die der männlichen ist. Während von 100 männlichen Lehrpersonen 1890 207 einen Leiterposten bekleideten, entfielen auf 100 weibliche Lehrpersonen nur 13 Leiterposten.

Ihre Erkenntnisse wollte Oberforcher mitteilen. Und den drei Pionierinnen ein Denkmal setzen. „Unsere Geschichtsschreibung ist zu lange von Männern geschrieben worden. Viele Frauen sind dadurch verschwunden. Rosa Mayreder hat spannende Abhandlungen über die Weiblichkeit verfasst. Sie war so etwas wie die österreichische Simone de Beauvoir. Aber heute kennt sie kaum jemand und ihre Bücher sind vergriffen.“

Aktuelle Ungleichheit

Die Grenzen der Gleichberechtigung hat Susanna Oberforcher selbst gespürt, als sie schwanger wurde. „Ich habe die Diplomatische Akademie besucht und war im EU-Bereich tätig. Als ich nach meiner Karenz zurückkommen wollte und es gleichzeitig einen Chefwechsel gab, war mein Job weg.“ Sie begann, sich im künstlerischen Bereich zu engagieren. „Mit Anfang 40 und kleinem Kind ist das natürlich nicht einfach. Ich war die nächsten 20 Jahre eigentlich nur darum bemüht, über die Runden zu kommen.“

Nun, in ihrer Pension, möchte sie ihre Energie in Kunstprojekte stecken, die die weibliche Geschichte erzählen. Das nächste ist in Planung: Ein Theaterstück über Olympe de Gouges, jene Revolutionärin, die 1791 ein Manifest über die Rechte der Frauen verfasst hat.

Zeitungsweiber8. März, 19.30 Uhr,

Theater Spektakel (15., Hamburgerstraße 14). Tickets unter: 019296079. Das Team ist auch auf der Suche nach neuen Aufführungsorten. Infos: zeitungsweiber.at.

Auguste Fickert

 

1855-1910

Geboren in Wien,  hat sie 1893 den Allgemeinen österreichischen Frauenverein mitbegründet. Sie engagierte sich zeit ihres Lebens für das Frauenwahlrecht gegen die Diskriminierung der Frauen. Ihr letztes großes Lebenswerk war die Errichtung eines Genossenschaftshauses, in dem alleinstehende Frauen preiswerte Zimmer bekamen. Sie starb, bevor es fertiggestellt wurde.

Rosa Mayreder

 

1858-1938

Die Schriftstellerin und Philosophin stellt in  ihren Essays zur Weiblichkeit zentrale Themen der Frauenbewegung auf. Sie stemmt sich gegen die Vorstellung geschlechtsabhängiger Charakterunterschiede.  1913 gründete sie die „Kunstschule für Frauen und Mädchen“. Ihr Konterfei war auf der 500-Schilling-Banknote von 1997.

Marie Lang

 

1858-1934

Die Wienerin kam über Fickert und Mayreder mit der Frauenbewegung in Kontakt. Sie setzte sich vor allem für Mutterschutz und die Rechte unehelicher Kinder ein. Außerdem  trat sie gegen die Reglementierung der Prostitution auf und kämpfte für die Aufhebung des Lehrerinnenzölibats.