Barbara Pschill (li.) ist durch ihren Bruder zum Fußballspielen gekommen. Seit drei Jahren ist die 27-Jährige Kapitänin der Sport-Club Frauen

© Dornbach Networks

Chronik Wien
05/25/2019

Sport-Club gegen St. Pauli: Spiel gegen Klischees und Vorurteile

Heute spielt Sport-Club gegen St. Pauli. Ein Match mit Symbolcharakter und vielleicht einem Rekord

von Anna-Maria Bauer, Kevin Kada

So aufgeregt war Barbara Pschill vor einem Fußballmatch selten.

Aber es ist für die Kapitänin der Wiener Sport-Club-Frauen auch ein besonderes Spiel, das heute, Samstag, ab 16.30 Uhr auf der Alszeile 19 in Wien-Hernals stattfindet: Die Sport-Club Frauen kicken gegen das Frauen-Team des nicht minder legendären Hamburger Klubs St. Pauli.

Es ist ein Freundschaftsmatch; der sportliche Wettkampf steht also nicht so sehr im Vordergrund – vor allem soll damit aber ein Zeichen gesetzt werden: ein Zeichen für den Frauenfußball. „Nach der EM vor zwei Jahren hat es zwar zunächst einen Hype gegeben“, sagt Pschill zum KURIER. (Zur Erinnerung: 2017 schafften Österreichs Frauen erstmals den Einzug in die Endrunde und kamen bis ins Halbfinale.)

In den vergangenen Monaten sei es der Hype allerdings wieder etwas im Sand verlaufen.

Hinsehen

Die Idee für das Match ist Christian Hetterich gekommen. Er ist mit seiner Firma „Dornbach Networks“ Hauptsponsor der Wiener Sport-Club Frauen. „Das Traurige ist, dass ich von vielen für meine Idee zuerst belächelt wurde.“ Aber von Skeptikern lässt sich Hetterich nicht aufhalten. „Frauen können genauso gut kicken – es sieht nur noch niemand zu.“

Um das zu ändern, hat er es sich auch zum Ziel gesetzt, beim heutigen Match den Besucherrekord eines Frauen-Fußballspiels in Österreich zu brechen. Aktuell liegt er bei 3.600 Zusehern – aufgestellt beim Match des Nationalteams gegen Russland in St. Pölten 2012.

Freitagnachmittag war der Stand bei knapp 2.800 verkauften Tickets. Hetterich hofft noch auf Kurzentschlossene, die ein Ticket an der Tageskasse lösen.

Als Schiedsrichterin wird eine Niederösterreicherin im Dienste des Wiener Fußballverbandes, Sara Telek, auf dem Platz stehen.

Sie ist seit heuer die erste Frau, die in Österreichs 2. (Männer-)Liga als Assistentin an der Seitenlinie steht. Und sie träumt von mehr: „Mein großes Ziel ist die Bundesliga.“ Sollte für die 30-Jährige alles gut laufen, könnte das bereits in der nächsten Saison der Fall sein.

Gold wert

Egal wie das Match ausgeht, für Karl Frank, Obmann des Mädchen- und Frauenausschusses des Wiener Fußball Verbands (WFV), ist es Goldes wert: „Solche Events braucht es, um Frauenfußball sichtbarer zu machen.“

Als vergangenen Juni die Frauen der First Vienna und SK Austria vor dem legendären „Derby of Love“ (Sportclub-Männer gegen Vienna) spielten, habe Karl Frank einige überraschte Kommentare gehört wie: „Mann, ich hab gar nicht gewusst, wie gut die Frauen spielen.“ Traurig, dass sich nicht noch mehr rumgesprochen habe.

Arbeit an der Basis

In Wien fehle es vor allem an der breiten Basis, sagt Frank. Und die wiederum sei schwer zu etablieren, weil es nicht die notwendige Infrastruktur gibt. „Wir brauchen Schulmodelle, wie bei den Burschen“, sagt Frank. „Es ist toll, dass die Austria jetzt eine Akademie hat, aber die ist nur für ihre Spielerinnen. Wir brauchen Angebote für alle.“

Deshalb hat der WFV beschlossen, das Mädchenleistungszentrum, das aktuell bis 14 Jahre geht, für die 14- bis 17-Jährigen zu öffnen.

Für ersten fünf Mädchen

In Niederösterreich funktioniert die Nachwuchsförderung in einer Kombination aus dem nationalen Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten und regionalen Leistungszentren. Eines ist das Mädchenleistungszentrum des Zweitligisten SV Horn. Mit kommendem Schuljahr werden die ersten fünf Mädchen in dem Programm trainieren, wie Leiterin Nora Sochurek mitteilt: „Es klingt zwar wenig, aber aller Anfang ist schwer. Dieses Projekt muss sich etablieren. Dann wird auch der Zulauf größer.“

Veranstaltungstipps

Sport-Club Frauen vs. St. Pauli

Am 25. Mai findet um 16.30 Uhr das Spiel Sport-Club gegen St. Pauli statt. Tickets ab 10 Uhr an der Tageskasse (17., Alszeile 19). Infos gibt es hier.

1. FUNina-Tag

Der Wiener Fußball Verband lädt Mädchen zwischen 9 und 11 Uhr  am 25. Juni  von 14 bis 18 Uhr zum FUNina-Tag. Mit Matches, Trainingstechniken und mehr.
Zur Anmeldung geht es hier.

Public Viewing

Das Hawidere (15, Ullmannstraße 31) und das Gugg (4., Heumühlgasse 14)  übertragen ab 7. Juni die Spiele der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich.