© Kurier/Jeff Mangione

Handel
12/15/2020

Spielwarengeschäfte: "Können die drei Wochen nicht mehr aufholen"

460 Spielzeug-Fachgeschäfte gibt es im Land. Das Weihnachtsgeschäft ist für ihr Überleben essenziell

Mit 76 und 77 Jahren sind die Eltern von Geschäftsbesitzerin Susanne Sühs weit über ihrem Pensionsantrittsalter. Derzeit stehen sie dennoch täglich 8 bis 21 Uhr in der Spielzeugschachtel, schlichten neues Spielzeug ein: handgefertigte Handpuppen aus Deutschland, Kaufmannsläden mit Holzobst oder Gesellschaftsspiele.

„Ohne sie würde ich es nicht schaffen“, sagte die Chefin der Spielzeugschachtel.

Seit der Handel am 7. Dezember wieder regulär öffnen durfte, ist ihr Geschäft gleich hinter dem Modehaus Steffl im 1. Bezirk sehr gut besucht.

Die Stammkunden waren sofort wieder da. „Wir haben extra gewartet“, sagen sie. Oder: „Wir sind so froh, dass es euch gibt.“ Und dann kaufen sie ein bisschen mehr als gewöhnlich.

Feste mit Geschenke

„Gott sei Dank“, schießt Susanne Sühs sofort nach. Für viele Handelssparten ist dieses Jahr eine besondere Herausforderung, für die 460 österreichischen Spielzeuggeschäfte auch deswegen, weil die Geschäftsschließungen mit ihren stärksten Verkaufszeiten zusammenfielen.

„Der erste Lockdown hat uns einen Strich durchs Ostergeschäft gemacht; der zweite Lockdown war jetzt genau zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts.“ In normalen Jahren nimmt Sühs in der Vorweihnachtszeit 70 Prozent des Jahresumsatzes ein.

Motivierende Stammkunden

Die Fürsorge der Stammkunden ist also auch für die Motivation der Geschäftsbetreiberin wichtig: „Ich bin wirklich berührt. Es kommen so viele aufmunternde Sätze. Die Kunden sind so geduldig, sie halten Abstand, sie warten, sie haben Verständnis.“

Aber: „Die drei Wochen holen wir trotzdem nicht mehr ein“, sagt Sühs.

Zu viele Menschen haben bei Online-Konkurrenten bestellt oder sich Spielzeug aus den Regalen jener Geschäfte geholt, die während des Lockdowns offen hatten und trotz Verordnung Nicht-Essenzielles verkauften.

Zu viele Menschen haben bei Online-Konkurrenten bestellt oder sich Spielzeug aus den Regalen jener Geschäfte geholt, die während des Lockdowns offen hatten und trotz Verordnung Nicht-Essenzielles verkauften.

Daher appelliert auch Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien, an die Kundinnen und Kunden: „Wenn ich mein Geschäft ums Eck weiter haben will, muss ich daran denken, lokal einzukaufen.“

Gerade bei Spielwaren sei das Einkaufserlebnis so wichtig. „Dass ich die Produkte sehen, angreifen, auf ,Probe zu spielen‘ kann.“ Und wer gehe nicht gern mit seinem Kind in ein Spielzeuggeschäft und lasse es dort staunen? „Wenn wir unsere Händler nicht unterstützen, wird dieser Zauber für alle wegfallen.“

Stark reduziert

Peter Hirnschall ist einer jener Betreiber, der um so ein Wegfallen bangt. Er betreut die beiden Filialen seines Geschäfts „Spiele Peter“ (eine in Wien, eine in Klosterneuburg) nur noch mit zwei geringfügig beschäftigten Mitarbeitern. Seine vier Vollzeit-Arbeitskräfte musste er im Frühjahr kündigen.

Auf die häufig gestellte Frage, wieso er nicht während der Sommermonate an seinem Onlineshop gearbeitet hat, kann er nur müde lächeln. Er habe schon Anfang Jänner, noch vor der Pandemie, begonnen, Produkte auf dem österreichischen Portal shöpping.at hochzuladen. „Aber es hat bis Mai gedauert, bis ich mein Konto bei der Bank dafür verifizieren konnte.“

Zu viel zu tun

Und dann sei er anfangs vier Stunden gesessen, um drei Produkte hochzuladen. „Zugegeben, ich bin ein Neuling und mit der Zeit geht es bestimmt besser, aber aktuell bin ich eine One-Man-Show, ich stehe zehn Stunden im Geschäft, davor und danach muss ich Ware bestellen und sortieren. Da geht sich der Aufbau eines Onlineshops nebenbei nicht aus.“

Das Dilemma kennt Susanne Sühs. Und deshalb ist sie sehr dankbar, dass nicht nur ihre Eltern, sondern auch ihre Kinder mit anpacken: „Mein Sohn hat sein Studium ein Jahr zurückgestellt und baut derzeit einen Onlineshop auf.“ In einem möglichen nächsten Lockdown hofft Sühs, mit der Spielzeugschachtel auch online mitmischen zu können.

Wer spezielle Geschenke sucht – ob Handwerkliches,  regional produziert oder fürs außergewöhnliche Hobby: Die Auswahl in  Wien ist groß.

Spielzeugschachtel

Spielzeug,  vordergründig  aus Holz,  das die Fantasie anregt –  mit diesem Motto wurde die „Spielzeugschachtel“ 1963 eröffnet. Noch immer bietet sie langlebige Produkte, oft von kleinen Betrieben, die fair produzieren. Etwa: Puppen der Firma Schildkröt oder Holzspielzeug der Firma Nic.

Info: 1., Rauhensteingasse 5, Mo.–Sa.: 10–18.30 Uhr, www.spielzeugschachtel.com   

Spielwaren

Heinz Große Auswahl in insgesamt zehn Filialen, Firmensitz in der Taborstraße 27. Der Gründer war übrigens auch Erfinder. Seine libellenförmige Messing-Zimmerantenne aus den 1950ern ist im Technischen Museum ausgestellt.    

Info und Standorte: www.spielwarenheinz.at

1100 Kind

Das Kindergeschäft in Favoriten, geführt von zwei  Schwestern, hat einiges im Sortiment, das in Wien bzw. sogar  direkt im zehnten Bezirk hergestellt wird. Utensilien zum Basteln, Magnettafeln mit Buchstaben oder auch Diversity-Puppen.  

Info: Sissy-Löwinger-Weg 5/4,  Di.–Fr.: 9.30– 13 und 15–18 Uhr, Sa.: 10–Uhr, www. 1100kind.com


Modellbau Kirchert

Fachgeschäft für  Auto-, Flug-, Eisenbahn- und Schiffsbaumodelle,  Materialien für  Dioramen (Schaukästen mit Modellfiguren), Fischer-Technik.

 Info:  14., Linzer Straße 65, Mo.–Fr.:  8–12 und 14–18 Uhr, Sa.: 8–12 Uhr, www.kirchert.at 

Spiele Peter

Verschiedenste Spielzeugartikel  für Kinder und auch Erwachsene. Experimentierkästen, Kaufmannsläden,  Bastelwaren, auch Waldorf- und Montessori-Material.

Info: 18., Währinger Straße 131,  Mo.–Fr.: 10–12.30 Uhr und 13–17 Uhr, Sa.: 9.30–12.30 Uhr, www.spiele-peter.at

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