An der schönen blauen Donau: Zur Eröffnung gab es für die Passagiere Walzerklänge. Keine zwei Monate später folgt die Ernüchterung: Der Terminal muss umgebaut werden

© APA/HELMUT FOHRINGER

"Skylink" wird erneut zur Baustelle
08/22/2012

"Skylink" wird erneut zur Baustelle

Kaum eröffnet, muss der neue Terminal Check-in 3 bereits wieder umgebaut werden. Die Kosten sind noch unklar.

Die letzten Walzerklänge sind längst verklungen und die letzten Sektflaschen leergetrunken. Die Vorstandsetage des Wiener Flughafens ist nun, knapp zwei Monate nach der schillernden Eröffnungsfeier des Check-in 3 (ehemals Skylink), auf dem harten Boden der Realität gelandet.

In einem Interview mit dem ORF kündigt Vorstand Julian Jäger jetzt an, dass das Millionen-Projekt erneut umgebaut werden muss. Jäger spricht dabei von Sanierungen, „die sicher noch möglich sind". Das gesamte Paket werde in den nächsten zwei bis vier Wochen präsentiert. Was dieses Paket kosten wird, will in Schwechat derzeit noch niemand sagen: „Wir evaluieren noch", sagt ein Sprecher auf Nachfrage.

Dass auch eine 13 Jahre lange Plan- und Bauzeit nicht vor baulichen Mängeln feit, hat der KURIER bereits mehrfach berichtet. So waren schon wenige Tage vor der Eröffnung Probleme aufgetreten: Im Eilzugtempo verordneten die Behörden beispielsweise noch eine zusätzliche Fluchtstiege. Ebenfalls vor dem offiziellen Startschuss mussten sechs Kilometer Stromkabel wieder aus den Schächten gezogen werden, weil der Weichmacher unter den Kabeln heraustropfte.

Rolltreppen und Co

In der Folge meldeten sich auch zahlreiche Fluggäste, Taxler und Behindertenverbände zu Wort. Immerhin sind barrierefreie Toiletten nur am Rande des Terminals erreichbar – oft sind sie zudem nur durch schwere Brandschutztüren zugänglich. Gäste beschwerten sich auch mehrfach wegen der viel zu engen Rolltreppen, vor denen es häufig zu Staus kommt. Und nicht wenige Fluggäste schüttelten ob der knapp 60 Meter langen Förderbänder, zwischen denen ein 70 Meter langer Fußweg liegt, die Köpfe. Dass das Schildersystem zu den Gates „1bis 99" wies, obwohl der Check-in 3 nur über 36 Gates verfügt, fiel da nicht weiter ins Gewicht .

„Klar ist", stellt ein Sprecher fest, „der Check-in 3 ist und bleibt trotz der Verbesserungsmaßnahmen voll funktionsfähig. Auch bislang war er störungsfrei in Betrieb." In den nächsten Wochen würden nun intensive Gespräche mit Interessensgruppen geführt, um Abläufe „zu optimieren". Geprüft wird auch, ob zusätzliche Aufzüge eingebaut werden müssen.

Abriss von Terminal 2 möglich

Doch wie sind diese „Kinderkrankheiten", von denen der Flughafen stets sprach, nach 13 Jahren des Planens und Bauens möglich? Jäger räumt ein, dass die Eröffnung unter größtem Zeitdruck passierte. „Auch aufgrund der doch langen Bauzeit des Check-in 3 war ganz klar, dass wir beweisen mussten, dass wir den Termin halten können." Außerdem steht auch ein Totalabriss des Terminal 2 im Raum. Der Terminal ist mit 60 Jahren der älteste Teil des Flughafens. „2013 wird entschieden, ob der Terminal ganz abgerissen oder ob er nur saniert wird", sagt der Flughafensprecher zum KURIER. In der Zwischenzeit wird bis Jahresende noch der Terminal 1 saniert.

Millionengrab beschäftigt die Gerichte

Als „Skandal-Terminal" ging der Check-in 3 aka Skylink in die Flughafen-Geschichte ein. 13 Jahre sind seit dem Planungsbeginn vergangen. Ursprünglich hätte der Terminal bereits 2008 eröffnet werden sollen. Doch die Errichtung wurde von jahrelangen Verzögerungen, Baukosten­explosionen (von 400 auf rund 770 Millionen Euro), Korruptionsaffären und zuletzt auch Sabotageakten überschattet. Ehemalige Flughafen-Vorstände hat der Skandal die Jobs ge­kostet, Gerichte sind mit dem Fall befasst.

Dieses juristische und politische Desaster war mit ein Grund, warum man den Skylink erst wenige Tage vor der Eröffnung am 5. Juni in „Check-in 3" unbenannt hat. „Wir wollen damit auch mit den Problemen der Vergangenheit abschließen", sagte damals Flughafen-Vorstand Julian Jäger. Proteste hagelte es von Anfang an von Behinderten-Organisationen. Sie kritisieren, dass „grundlegende Belange der Barrierefreiheit nicht beachtet werden".

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