Chronik | Wien
03.10.2018

Siebenjährige getötet: 16-Jähriger war zurechnungsfähig

Das attestiert ein Gutachten. Demnach findet sich zur Tatzeit eine "schwerwiegende Persönlichkeitsstörung".

Laut einem von Gerichtspsychiater Peter Hofmann erstellten Gutachten ist der mittlerweile 16-Jährige, der am 11. Mai in Wien-Döbling ein siebenjähriges Mädchen erstochen haben soll, zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen.

In vier Monaten hat Hofmann das fast 100 Seiten dicke Gutachten erstellt, das dem KURIER vorliegt. Demnach findet sich zur Tatzeit eine "schwerwiegende Persönlichkeitsstörung", die auch bereits die Psychologin Dorothea Stella-Kaiser festgestellt hatte. Laut dem Experten sei der 16-Jährige aber zurechnungsfähig gewesen, da der Bursch zum fraglichen Zeitpunkt "keine handlungsbestimmende schwere Geisteskrankheit oder tiefer greifende Bewusstseinstörung hatte".

Jugendrichter steht noch nicht fest

Der 16-Jährige wird sich deshalb am Wiener Straflandesgericht in einem Mordprozess verantworten müssen, wo ihm als Jugendlichen maximal 15 Jahre Haft drohen. Welcher Jugendrichter das Verfahren leiten wird, steht noch nicht fest, sagte Gerichtssprecherin Christina Salzborn auf Anfrage der APA.

Laut Hofmann weist der Bursch durch die Bluttat und die sozialen Veränderungen in der Haft jetzt das "Vollbild einer Schizophrenie" auf. Zudem stellt der Psychiater eine ungünstige Gefährlichkeitsprognose: Man könne davon ausgehen, dass die emotionale Kontrollfähigkeit und das kritische Bewusstsein in Zukunft derart abbauen, dass der Jugendliche absolut unberechenbar sein wird". Weitere Bluttaten wären damit zu befürchten. Deshalb wäre eine zusätzliche Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher möglich.