Chronik | Wien
17.11.2016

Sie nähen wieder: Rückkehr der "Gebrüder Stitch"

Ein halbes Jahr nach ihrem Konkursantrag, fertigen die Maß-Schneider wieder öko-faire Jeans

Ab Mittwoch werden im Hosenlabor wieder die Nähmaschinen brummen und die Waschmaschinen rattern: Sechs Monate nachdem die Pleite der „Gebrüder Stitch“ bekannt wurde, verkünden die Maßschneider ihre Rückkehr ins Jeans-Geschäft.

2010 hatten die Quereinsteiger Moriz Piffl und Michael Lanner mit ihrem Label „Gebrüder Stitch“ die Wiener Jeansszene mit ihren öko-fairen Maßjeans aufgerüttelt – und wurden dafür mehrmals ausgezeichnet. In der Folge eröffneten sie weitere Filialen in Wien und Berlin. Doch im Frühjahr 2016 scheiterte eine geplante Kapitalerhöhung; das Unternehmen musste Konkurs anmelden. Die Geschäfte wurden geschlossen.

"Ameisen im Po"

Nun hat das neu gegründete Unternehmen „ants in your pants Gmbh“ die Konkursmasse samt Markenrechten aufgekauft und damit den Weg für einen Neustart der Gebrüder mit verändertem Konzept geebnet.

Die öko-faire Maßjeans (um 360 €) soll zwar weiter das Kerngeschäft bleiben. Daneben gibt es auch eine Linie von der Stange, den Schneidersitz (zwischen 140 und 190 €, um Spontankäufer oder Touristen versorgen zu können), sowie einen Online-Konfigurator (diese Halbmaß-Jeans kosten dann zwischen 240 und 290 €, ) und eine Denim-Couture-Schiene (80€ pro Stunde, mit der man auf ausgefallene Wünsche, wie Sakkos aus Jeansstoff, eingegangen werden kann).

Viele der früheren Mitarbeiter, etwa Sardar, der schnellste Mann an der Nähmaschine, konnten wieder fürs Unternehmen gewonnen werden. Neu ist jedoch die Teamzusammensetzung in der „Chefetage“. Michael Lanner ist nicht mehr mit von der Partie, den neuen Geschäftsführer macht Werner Mitteregger, der vor dem Konkurs für die Finanzen zuständig war.

Zu finden sind sie dort, wo alles angefangen hat: In der Mariahilfer Straße 101. Das „ Hosenlabor“ wird zur schmucken, offenen Schaumanufaktur; Kunden können den Schneidern bei der Arbeit über die Finger schauen. Andere Filialen gibt es keine mehr und sind derzeit auch nicht in Planung. Ein Rückschritt? „In gewisser Weise ja“, gibt Stitch-Gründer Piffl zu. „Aber das war notwendig.“ Man habe aus den Fehlern gelernt und einiges verändert. „Wir wollen keine großen Versprechen abgeben, sondern uns alles step by step ansehen."

"Respect your Ass"

Als der KURIER Mitte der Woche im Hosenlabor vorbeischaute, war das Stitch’sche Hauptquartier noch eine Großbaustelle. Es wird geschraubt, gebohrt, gestrichen. Das überlebensgroße Street-Art-Kunstwerk von Nychos, von einem sich zerlegenden Cowboy in Jeans, war als eines der wenigen Dinge bereits fertig.

Daneben prangte der altbekannte Neon-Schriftzug „Respect your Ass“. Denn dass die Passform des Allerwertesten das wichtigste ist – das haben die Schneider der Gebrüder Stitch in den vergangenen fünf Jahren gelernt - und das nehmen sie sich weiterhin zu Herzen.

"Bin erwachsen geworden"

Die Nullserie des „Schneidersitz“ liegt mittlerweile im Regal - bereit zum Probieren. Daneben der Jeansstoff - bereit zum Maßnehmen. Das vergangene halbe Jahr war für Moriz Piffl das wohl intensivste seines Lebens. „Vor einem Jahr war ich noch ein halber Bursch. Jetzt bin ich definitiv erwachsen.“ Nun ist er gespannt, was die Zukunft für die Erben der „Gebrüder Stich“ bereit hält.

Infos zum neuen Label gibt es hier.