© O.M.A. Office for Metropolitan Architecture

Chronik Wien
10/02/2019

Pro & Contra: Braucht es ein neues Warenhaus?

Ein KaDeWe für die Wiener Mariahilfer Straße: Notwendiges Einkaufs-Erlebnis oder falsche Antwort?

von Christoph Schwarz, Anna-Maria Bauer

Pro: Einkaufen als Erlebnis

Ein traditionelles „Warenhaus“ soll es also werden, mitten auf der Mariahilfer Straße. Das klingt nach Luxus, Glamour – und ein bisschen nach vergangenen Zeiten. Aber braucht es denn das, in der Ära des Online-Handels?

Ja, wahrscheinlich mehr denn je. Wenn sich der

Handel im Kampf gegen die digitale Konkurrenz nicht vorzeitig geschlagen geben will, dann muss der Einkauf wieder mehr sein als eine bloße „Erledigung“. Einkaufen muss zum Erlebnis werden, zu einem kleinen Abenteuer. Was würde sich dafür besser anbieten als ein Warenhaus, wie es Touristen aus Berlin, Paris und London kennen. Dort kann man flanieren, staunen, verkosten und ausprobieren. Das vermittelt Lebensgefühl, auch wenn man sich nicht jeden Luxus immer leisten kann.

Und, ganz nebenbei: Einer Weltstadt wie Wien steht nicht nur Modernes gut, sondern auch die Tradition. Die Erwartungen an das Wiener KaDeWe sind hoch.

Contra: Die falsche Antwort

25.000 Quadratmeter  nur zum Shoppen – ist das noch zeitgemäß? Vergangene Woche sind alleine in Wien 30.000 (junge) Menschen für Klimaschutz und damit auch  für Ressourcenschonung auf die Straße gegangen. Und die Antwort darauf ist ein fünfstöckiges Zentrum für den Konsum?   

Ein Durchschnittseuropäer besitzt  im Schnitt 10.000 Dinge – und  benötigen davon wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte. Müssen wir also wirklich  ein Haus im Herzen der Mariahilfer Straße, die sich immer mehr zu einer Flanier- und Gastronomiemeile entwickelt,  mit neuen Dingen füllen, die wir wollen sollen?

Dinge, die  wohl nicht ums Eck produziert werden.  Ja, Designer  aus der Umgebung sollen eingeladen werden, heißt es vom Projektentwickler. Den Löwenanteil der  Produkte werden sie aber kaum ausmachen.
 Sollten wir nicht langsam die Proteste der jungen Generation ernst nehmen und unsere Lebenswelt adaptieren?