Chronik | Wien
07.11.2018

Neue Event-Arena: Keine Großkonzerte mehr in Wiener Stadthalle

Ein Nachnutzungsmix aus Kultur und Breitensport ist denkbar. Viele Details gibt es noch nicht.

Es wird langsam konkreter: Bis Ende Jänner soll feststehen, wo die angekündigte Wiener Event-Arena hinkommen wird. Durch die bis zu 20.000 Besucher fassende Location muss sich die Stadt jedenfalls auch Gedanken über die Zukunft der Stadthalle machen. Denn Großkonzerte und internationale Sportveranstaltungen wird es dort dann nicht mehr geben. Denkbar ist etwa ein Mix aus Kultur und Breitensport.

Allzu viele Details zur neuen "Multifunktionshalle" gibt es ohnehin noch nicht. Das Projekt wird jedenfalls über die Wien Holding bzw. deren neu gegründete Tochter "WH-Arena Projektentwicklung GmbH" abgewickelt. Als nächster Schritt muss nun geklärt werden, wo der Riesenbau errichtet wird. "Acht Standorte werden geprüft", sagte Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten. Bis Ende Jänner soll es ein Ergebnis geben.

Welche Orte infrage kommen, verriet der Ressortchef nicht. Wichtige Kriterien sind jedenfalls - neben einem entsprechend großen Grundstück - beispielsweise die Verkehrsanbindung oder die vorhandene technische Infrastruktur. Ist der Standort fixiert, beginnen die Ausschreibungen für Bau und Architektur sowie die Detailplanungen. "Da geht es um Deckenhöhen, Anlieferungswege, Technikbereiche bis hin zur Frage, wie viele Umkleiden es geben wird", erläuterte Wien-Holding-Geschäftsführer Kurt Gollowitzer. Umfang und Ausgestaltung von Gastro- und VIP-Zonen werden dann ebenfalls festgelegt. Geplant ist jedenfalls eine Art Modulsystem, das den Bau für unterschiedliche Zwecke nutzbar macht.

Umbau schwer möglich

Gollowitzer rechnet mit einem Spatenstich spätestens 2021. Ab dann sei mit einer Bauzeit von bis zu drei Jahren zu rechnen. Wie viel Geld man in die Hand nimmt und woher es kommt, weiß die Stadt noch nicht. "Wir prüfen alle Finanzierungsformen", sagte Hanke. Sprich: Auch Private könnten mit an Bord sein. Und vergleichbare Vorhaben in anderen Städten hätten bis zu 220 Mio. Euro gekostet.

Dass Wien eine neue Mehrzweckhalle braucht, liege an den immer aufwendigeren und umfangreicheren Shows. Immerhin kommen für große Rockkonzerte inzwischen 30 oder mehr Trucks, hieß es. Das könne die Stadthalle, die inzwischen sechs Jahrzehnte auf dem Buckel hat, mittlerweile nicht mehr bieten. Ein Umbau wäre aus Denkmalschutz- und Platzgründen nur schwer möglich. Und Veranstalter würden außerdem Locations mit größerer Besucherkapazität den Vorzug geben, weil hier mit gleichen Produktionskosten mehr Einnahmen lukriert werden könnten.

Abstimmung mit Sportstadtrat

Was heißt das nun für die von Roland Rainer erbaute Stadthalle? Hanke versicherte, dass der Veranstaltungskomplex weiter bestehen und auch alle Zusatzhallen neben der großen Halle D erhalten bleiben. Was dort stattfinden soll, wird im Zuge eines Nachnutzungskonzepts festgelegt, das die Wien Holding parallel zur Planung der neuen Arena erarbeiten wird. Großkonzerte bzw. internationale Sportereignisse werden jedenfalls aus oben erwähnten Gründen im Nachfolge-Bau nicht mehr stattfinden.

Hanke kann sich vorstellen, die Stadthalle künftig verstärkt für den Breitensport zur Verfügung zu stellen. Hier sei er mit Sportstadtrat Peter Hacker ( SPÖ) in Abstimmung. Kleinere Kulturevents, wie sie seit Jahren in der Halle F geboten werden, sind auch in Zukunft geplant.