Nervenkitzel ohne Angst im Prater

Probefahrt: Seit dem Unfall vor zwei Wochen auf der Super-8er-Bahn, fragen sich die Wiener: Wie sicher ist der Prater? Sehr, sagen Experten.
Nervenkitzel ohne Angst im Prater

Mit einem lauten Rauschen saust ein Waggon die steile Rampe herunter, Jugendliche kreischen, das Wasser spritzt bis auf den Fußweg. Obwohl der Himmel an diesem Freitagvormittag bewölkt ist, sind bereits viele Besucher in den Wurstelprater gekommen. Mitten drin: Monika Freiburghaus. Die 53-Jährige beweist Mut, ist sie doch eine der ersten Besucher, die an diesem Tag einen Ritt auf der Super-8er-Bahn riskieren.

Vor knapp zwei Wochen passierte hier, was nicht passieren hätte dürfen: Ein defektes Bremsventil sorgte dafür, dass ein Wagerl auf ein anderes aufgefahren war. Drei Besucher hatten Prellungen erlitten und Anzeige erstattet.

Viele Achterbahnfans sind seither verunsichert. Sie stellen sich die Frage, ob sie der Sicherheitstechnik getrost vertrauen können - denn Unfälle passieren immer wieder. Erst vor einem Jahr wurden im Prater auf der Attraktion "Volare" zwei Personen schwer verletzt.

Auch die Super-8er-Bahn, die seit mehr als zehn Jahren unfallfrei funktionierte, und bei der an guten Tagen mehr als 1000 Tickets verkauft werden, musste nun für ganze zwei Wochen stillstehen. Erst am Freitag gab die Magistratsabteilung 36 nach unzähligen Tests und Probefahrten wieder grünes Licht für den Betrieb. "Die Auflagen für die Betreiber sind sicher streng genug", zeigt sich die Schweizerin Freiburghaus furchtlos.

Prüfung

Nervenkitzel ohne Angst im Prater

"Gott sei Dank sind in Wien sonst noch keine schweren Unfälle passiert, da muss ich auf Holz klopfen", sagt auch Regine Brustbauer, Leiterin des technischen Veranstaltungswesens der MA 36. Jedes Jahr vor Saisonbeginn überprüfen Ziviltechniker den Zustand der Attraktionen im Prater. Ist alles in Ordnung, gibt der Magistrat die Fahrgeschäfte frei. Da Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist, überprüfen Brustbauers Leute auch während des Jahres unangekündigt die Fahrgeschäfte. "Auch tägliche Inspektionen und Probefahrten durch den Inhaber sind Pflicht", sagt die Beamtin.

Seit dem Unfall auf der Super-8er-Bahn haben Mitarbeiter, ein Ziviltechniker und die MA 36 die Anlage unzählige Male überprüft. Am Montag ließ der Betreiber Alexander Ruthner auch die Computersteuerung überarbeiten, um derartige Unfälle in Zukunft zu vermeiden. "Sensoren an den Gleisen melden bei jeder Fahrt einem Computer, ob die Garnituren im richtigen Abstand und zum geplanten Zeitpunkt vorbeifahren", erklärt er und deutet auf einen türkisfarbenen Sensor an den Schienen. Generell hält er Fahrgeschäfte für sicher: "In Relation zu den Mengen an Fahrgästen passieren in Vergnügungsparks relativ wenige Unfälle - trotzdem ist jeder noch so kleine Unfall einer zu viel", weiß auch der Schausteller.

Ruhe kehrt ein

Seit der Freigabe der Strecke Freitag Vormittag haben bereits etwa 15 Personen eine Fahrt mit der Bahn riskiert. "Hätte ich von dem Unfall gewusst, wäre mir wahrscheinlich etwas mulmig zu Mute gewesen", räumt die Slowakin Jana Parišová ein. Doch auch sie genoss die Fahrt so wie Freiburghaus. Die Schweizerin wischt sich die Tränen vom Fahrtwind aus den Augen. Es war ihre erste Fahrt seit 30 Jahren, erzählt sie stolz. "Und es wird auch nicht die letzte gewesen sein."

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