Chronik | Wien
14.03.2018

Naschmarkt: Kurzurlaub in der Mittagspause

Die ersten Frühlingstage locken die Menschen in die Schanigärten an die Wienzeile.

Sonnenstrahlen im Gesicht, der Geruch von Gewürzen in der Luft und ein freier Sessel in einem Schanigarten am Naschmarkt. Das trägt dazu bei, die ersten Frühlingstage draußen genießen zu können. So geht es zumindest Barbara Thier und Paul Kohlroser, die am Dienstag am Naschmarkt im sechsten Wiener Gemeindebezirk einen Kaffee in der Sonne trinken. Das Wetter und das Angebot hat die beiden auf den Naschmarkt gelockt. "Wir mögen die Vielfalt, die Qualität und das Ambiente hier", lobt Kohlroser die Vorzüge des Marktes.

Ivona Grubesic ist mit Sohn Vito heuer bereits zum dritten Mal auf dem Marktgelände unterwegs. Obst, Gemüse, Fleisch- und Fischwaren, Textilien, Gastronomie oder Gewürze, am Naschmarkt ist das Angebot groß. Gerade diese Vielfalt ist es, die Grubesic "nirgends sonst findet".

An Werktagen ist das Gedränge in den Gängen zwischen den Marktständen nicht so groß wie am Samstag. Petra Lex und Nikolaus Pessler aus Graz sind vier Mal pro Jahr in Wien. Ein Fixtermin ist immer ein Besuch am Naschmarkt. Ohne Oliven, getrocknete Tomaten und Gewürze kehren die beiden nach einem Naschmarkt-Besuch nie in die Steiermark zurück.

Urlaubssehnsucht

Kaum kommt die Sonne, kommen auch die Menschen heraus. So einfach scheint die Philosophie der ersten Frühlingstage zu sein. "Die Menschen haben Sehnsucht- nach Mittelmeer- und Urlaubsfeeling", beschreibt Haya Molcho von "Neni" das Frühlingserwachen am Naschmarkt.

Sie selbst kann den Frühling in ihrem Garten zu Hause schon riechen, in ihrem Gastronomiebetrieb kann sie das Frühjahr vor allem an der zunehmenden Mittagskundschaft sehen. Wie jedes Jahr gibt es neue Gerichte auf ihrer Speisekarte, die Klassiker aber bleiben. Unverändert bleibt außerdem, dass das Gemüse in den Gerichten beim Gemüsestand ein paar Meter weiter gekauft wird.

Mit einer Kundensteigerung um 50 Prozent ist auch in der "Palatschinkenkuchl" das Frühlingserwachen nicht unbemerkt geblieben. Wie Haya Molcho bezieht auch Geschäftsführer Martin Stoev die Zutaten von anderen Naschmarktständen – und das sogar ausschließlich. Seine Kundschaft ist breit gefächert: "Von drei Monate alten Kindern bis zu 93-Jährigen kommen alle vorbei."

Wetterumschwung

Wer dieser Tage also Sehnsucht nach Urlaubsfeeling hat, sollte ein paar sonnige Stunden in einem Schanigarten nicht versäumen. Auf die passende Gelegenheit darf man jedoch nicht zu lange warten: Mittwoch und Donnerstag scheint noch bei bis zu zehn Grad die Sonne. Am Freitag wird es vormittags regnerisch, am Nachmittag kommt bei höchstens zwölf Grad die Sonne noch einmal durch. Ab Samstag kehrt bei maximal vier Grad der Schnee zurück.

Von Lydia Mitterbauer