Chronik Wien
08/03/2012

Mordalarm um den entführten Anwalt

Hinweise verdichten sich: Anwalt Erich Rebasso könnte Opfer der Russen-Mafia sein. Den Entführungsfall haben die Mordermittler übernommen.

Beim Landeskriminalamt Wien hat die Mordkommission den Fall des verschwundenen Anwaltes Erich Rebasso übernommen. Denn für die Kriminalisten gilt es nun als sicher: Der 48-jährige Wirtschaftsanwalt wurde gewaltsam entführt. Videoaufnahmen aus einer Tiefgarage und Blutspritzer im Auto untermauern diese These. Im Verdacht steht die russische Mafia.

Rebasso hatte am Freitag um 14 Uhr 45 seine Kanzlei in der Stubenbastei verlassen. Sein Auto parkte in der etwa 400 Meter entfernten Tiefgarage am Georg-Coch-Platz. Dort verliert sich seine Spur. Die Kripo konnte nun Bilder aus der Überwachungskamera sicherstellen. Die zeigen einen fremden Mann, der den silbergrauen Mercedes 300 GD des Anwaltes aus der Garage chauffiert. Die Videoaufnahmen werden aus kriminaltaktischen Gründen unter Verschluss gehalten. Die aufgezeichneten Bilder sind jedoch von schlechter Qualität, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger der APA. Die Ermittler arbeiten daran, sie zu verbessern.

Blutspritzer

Den Abgängigen sieht man auf den Aufnahmen nicht. Möglicherweise lag er schon bewusstlos im Wagen. Denn im Wageninneren wurden später Blutspritzer gefunden. Dass der Entführte zu diesem Zeitpunkt möglicherweise schon tot gewesen sein könnte, sei daraus nach Angaben des Polizeisprechers Roman Hahslinger nicht abzuleiten. Denn dafür wäre die gefundene Menge des Blutes zu gering.

Der oder die Täter suchten für das Auto einen möglichst abgelegenen Abstellort. Es wurde am Dienstag um 15.25 Uhr von einer Polizeistreife auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes in der Awarenstraße in Simmering entdeckt – nur wenige Meter vor der Landesgrenze zu Niederösterreich.

Das war weitab von der ursprünglich geplanten Route Rebassos. Denn der wollte zu einer Kfz-Werkstätte nach Mödling fahren.

Geprellte Russen

Angehörige und Ermittler vermuten einen Hintergrund in den Russland-Geschäften des Anwaltes. Der hatte dort nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion höchst erfolgreich einen großen Kundenstock aufgebaut. Vor wenigen Jahren wurde er mit Betrugsvorwürfen konfrontiert, weil mithilfe seines Briefpapiers und seiner Personaldaten Geld hinterzogen wurde. Er konnte zwar seine Unschuld beweisen, doch geprellte Russen schicken ihm seit geraumer Zeit Drohungen.

Rebasso spielte aber auch aktuell noch immer eine wesentliche Rolle in einem Firmengeflecht, das sich weit nach Russland, auf die Seychellen und die britischen Jungferninseln erstreckt. In 13 Firmen, die in Österreich gemeldet sind, tritt er gemeinsam mit Russen und einem Litauer als Geschäftsführer oder Gesellschafter auf. Mindestens ebenso viele Firmen dieser Art hat er in den vergangenen Jahren aufgebaut und wieder liquidiert. In den meisten Fällen handelt es sich um Vermögensberatungsfirmen, Beteiligungsmanagement und Handelsfirmen. Aber auch ein Großhandel mit Fleisch und Fleischwaren sowie ein Funktaxi sind dabei. Zum Geflecht gehört weiters ein Reisebüro, das Spezialreisen für betuchte Russen nach Österreich anbietet.

Das Landeskriminalamt Wien hat folgende Frage: Hat jemand am Parkplatz des Einkaufszentrums in Wien Simmering in der Awarenstraße 5 im Zeitraum vom 27. Juli nachmittags bis 31. Juli den Vermissten oder sein Fahrzeug gesehen oder andere verdächtige Wahrnehmungen gemacht? Hinweise werden erbeten an das Landeskriminalamt Wien, Gruppe Hoffmann unter 01 31310 DW 33120 oder 33800 (Journaldienst Landeskriminalamt).

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