Birkmeyer 2001 als er der Ballettschule vorstand

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Chronik | Wien
04/14/2019

Michael Birkmeyer: „Nichts für Hupfdohlen“

Der Ex-Chef der Ballettakademie der Wiener Staatsoper übt im Gespräch mit dem KURIER Kritik.

„Es hat nie jemand kontrolliert, was an der Ballettschule der Staatsoper passiert“, moniert Michael Birkmeyer im KURIER-Gespräch. Er war, einst vom Bundestheater-Chef Robert Jungbluth beauftragt, von 1985 bis 2001 Leiter der Akademie.

„Man braucht eine spezielle fachpädagogische Ausbildung, um zu wissen, wie man Kinder unterrichtet. Es gibt nur wenig gute Lehrer. Und nicht jeder Tänzer ist ein Lehrer, schon gar nicht für Kinder“, sagt Birkmeyer. „Das ist nichts für irgendwelche Hupfdohlen.“ Das System an der Oper funktioniere nicht, unabhängig von der Qualifikation, die Simona Noja als aktuelle Leiterin der Ballettakademie „nicht hat“, kritisiert der 75-jährige. „Sie hat keine Ausbildung, um eine Ballettschule professionell zu leiten. Sie hat die Schule nicht im Griff, und sie hat keine guten Lehrer.“

Während in der Causa Staatsopern-Direktor Dominque Meyer Noja verteidigt und Reformen ankündigt, sei für die Missstände doch eigentlich Staatsballett-Leiter Manuel Legris verantwortlich.

Aber der schweigt bisher. „Er ist ein guter Tänzer, mehr in Paris als in Wien, und weiß, dass unsere Ballettschule schlecht ist“, so Birkmeyer. „Aber er hat nie etwas gesagt oder unternommen.“

„Große Verantwortung“

„Wer eine Ballettschule leitet, muss die Kinder lieben und hat eine große Verantwortung. Deshalb brauchen wir die besten Lehrer und die besten Direktoren. Aber die haben sie bei uns sicher nicht. Man muss Chefs engagieren, die für diese Aufgabe ausgebildet sind und nicht irgendwelche Tänzer, die zufällig da sind.“