Chronik | Wien
16.11.2018

Messerstiche für scheidungswillige Frau: 15 Jahre Haft

Der Angeklagte räumte ein, eifersüchtig gewesen zu sein. Er habe "das Gefühl gehabt, dass sie mich weniger liebt.".

Ein 35-jähriger Mann, der am 18. August 2018 in einer Asylunterkunft in Wien-Alsergrund seiner 28 Jahre alten Ehefrau ein Küchenmesser fünf Mal tief in den Körper gestoßen hatte, ist am Freitag am Landesgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Schuldspruch wegen versuchten Mordes fiel einstimmig aus.

"Ich wollte sie verletzen, aber nicht töten", hatte er versichert, wo er sich wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau zu verantworten hatte. "Es war reines Glück, dass sie das überlebt hat", sagte die Staatsanwältin. Eine zehn Zentimeter lange und vier Zentimeter tiefe Stichwunde eröffnete den Bauchraum, nur dank äußerst rascher ärztlicher Hilfe konnte die Blutung rechtzeitig gestoppt werden. "Er hat die Vermutung gehabt, dass sie ihn betrügt", führte Verteidiger Philipp Wolm ins Treffen. In der Asylunterkunft, wo das aus Afghanistan stammende Paar mit zwei kleinen Kindern lebte, hätten entsprechende Gerüchte kursiert. "Er hat sie regelmäßig zur Rede gestellt. Dann sind ihm die Nerven durchgegangen", meinte Wolm. Sein Mandant sei "sicher kein kaltblütiger Mörder. Das war ein Ausrutscher, das ist passiert".

"Verdacht, sie verlieren zu können"

Der Angeklagte räumte ein, eifersüchtig gewesen zu sein. Er habe zwar "keinen konkreten Verdacht" gehabt, "aber wenn man jemanden sehr liebt, kommt einem manchmal der Verdacht, dass man ihn verlieren könnte". Er habe "das Gefühl gehabt, dass sie mich weniger liebt oder nicht liebt". Daher habe er seine Frau "immer angefleht, dass sie zur Familie hält".

Letztlich ausschlaggebend für den Griff zum Messer wäre gewesen, "dass sie mich beleidigt und beschimpft hat", gab der 35-Jährige zu Protokoll. Seine um sieben Jahre jüngere Frau habe ihm offenbart, dass sie ihn verlassen werde und sich scheiden lassen wolle: "Sie hat mir erklärt, dass sie mich nicht mehr liebt."