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Chronik Wien
06/30/2019

Mein Geschäft: Mode, die Blicke anzieht

Irina Hofer kreiert auffallende Kleidungsstücke, die die weibliche Figur in Szene setzen

von Anna-Maria Bauer

Es passiert Irina Hofer immer wieder: Sie ist unterwegs, in der Stadt, in einem Café, auf der Tanzfläche. Auf einmal tupft sie eine Frau an der Schulter an: „Entschuldigung, wo hast du das Kleid her? Das ist toll.“ Und das freut Irina Hofer nicht nur, weil ihr Modestil so gut ankommt, sondern auch, weil sie das Kleid selbst designt hat.

Jenes Modell, das sie an dem Tag trägt, als der KURIER sie in ihrem Atelier in der Heumühlgasse besucht, ist typisch für ihre Kollektionen: Ein weicher, fließender Stoff; ein kesser Schnitt, der eine Schulter rausblitzen lässt; ein weiter, knielanger Rock (mit Taschen!).

„Ich überlege mir immer, wie ich die weibliche Silhouette neu inszenieren kann“, sagt sie. Besonders gern arbeite sie mit Schultern und Nacken. „Vor allem für den Alltag. Dekolleté kann schnell zu viel wirken. Aber mit einer Schulter kann man nichts falsch machen.“ Sie lächelt.

Schüchtern sollten die Frauen, die ihre Kleider kaufen, dennoch nicht sein: „Man zieht damit schon Blicke auf sich.“ Deshalb freut es sie so, dass viele ihrer Kundinnen sie einfach auf der Straße ansprechen: „Das sind genau die Frauen, die ich im Kopf habe: Mutig und nicht verlegen sagen sie, was sie wollen.“

Elfenbeinfarben

Dass sie einmal in der Modebranche arbeiten würde, hat sie wohl schon mit elf Jahren geahnt. Bei ihrer Erstkommunion – in Salzburg, wo sie aufgewachsen ist – trug sie kein Kleid, wie die meisten. Sondern einen elfenbeinfarbenen Hosenanzug aus Wildseide.

Ganz geradlinig verlief ihre Karriere dann doch nicht. Der Alltag in der Modeschule in Hallein nahm irgendwie den Zauber. Und so inskribierte sie nach der Matura in Wien für das Kunstgeschichte-Studium.

Erfüllung fand sie darin aber keine und weil sie nicht mit 45 Jahren bereuen wollte, den Schritt nie gewagt zu haben, gab sie sich 2014 einen Ruck. Suchte ein passendes Atelier, begann Schnitte zu zeichnen, Stoffe auszuwählen, Ideen zu sammeln. Fünf Jahre gab sie sich damals.

Heuer sind die fünf Jahre um – und bereut hat sie den Schritt nicht. Natürlich gab und gibt es Herausforderungen. Natürlich arbeite sie sehr viel. Schließlich ist die Modemacherin, Verkäuferin, PR-Frau und Testimonial in einer Person. Aber gleichzeitig macht sie einfach genau das, was sie tun möchte.

Sorge, dass sie in Zeiten von großen Handelsketten und noch größeren Online-Shops keinen Platz haben würde, hatte sie nie: „Eigentlich schneider ich ja alle Kleider, wie ich sie am liebsten trage. Und das merken die Menschen. Es geht ja viel um das Gefühl, das Mode auslöst.“

Sommeroper

Durch neue Bekanntschaften ergeben sich dabei immer neue Wege. Vor drei Jahren wurde Irina Hofer das erste Mal gefragt, ob sie für die Sommeroper in Waidhofen an der Ybbs (NÖ) die Kostüme designen würde. Sie sagte begeistert zu. Die Produktion vergangenes Jahr, bei der sie erneut für die Kostüme verantwortlich zeichnete, wurde vor Kurzem beim Musiktheaterpreis mit dem „Off-Theaterpreis Oper“ ausgezeichnet. Heuer wird in Waidhofen übrigens die „Hochzeit des Figaro“ aufgeführt. Bis Mitte Juli ist Irina Hofer mit dieser Tätigkeit ausgelastet. Das trifft sich gut, denn die größte Kleidernachfrage sei zu Frühlingsbeginn und Mitte des Herbsts bis Jahresende. „Für Weihnachtsfeiern lassen sich viele ein Kleid machen.“

Wie sieht es mit Männermode aus? „Überlegt habe ich es. Aber was ich für die Männer Österreichs im Kopf habe“, sie grinst, „dafür gibt es, glaube ich, keinen Markt.“

Dafür würde sie immer öfter Kleider nach Deutschland, in die Schweiz oder sogar nach London schicken. Das hätte sie sich vor fünf Jahren nie ausgemalt.

Das Geschäft

Modedesignerin Irina Hofer (30) kreiert und verkauft ihre eigenen Kleider, Röcke und Tops in ihrem Atelier in der Heumühlgasse 13-15/MAG1 im 4. Bezirk. Termine gibt es nach Vereinbarung unter der Nummer  +43 676 43 70 388. Ihre Kollektion ist auch online ersichtlich und zu bestellen unter www.irinahofer.com.

Das Handwerk

Aktuell gibt es in Wien 140 Modedesignerinnen und -designer sowie 330 Kleidermacher  und -macherinnen. Bei Modedesign handelt es sich um ein freies Gewerbe, Kleidermacher wiederum ist ein gebundenes Handwerk. Das bedeutet:  Man muss eine entsprechende Ausbildung nachweisen können.