© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Wien
06/16/2019

Mein Geschäft: Anna im Porzellanladen

Die 38-jährige Keramikerin Anna Holly produziert mitten im Achten Geschirr und Dekorationsartikel

von Anna-Maria Bauer

Es ist eine Welt der Pastellfarben, die man in der Schlösselgasse 10 betritt. Bunte Teller, Tassen und Vasen reihen sich in den Regalen rechts der Tür aneinander. Linker Hand steht Anna Holly am großen, hölzernen Arbeitstisch. Sie nimmt einen Pinsel in die eine und eines der gebrannten Gefäße in die andere Hand und fängt an, das Stück zu bemalen.

Es ist einer von 18 Arbeitsschritten, die sie ausführen muss, um aus dem Kaolin-Feldspat-Quarz-Gemisch eine Porzellanschüssel zu machen. Drei Brennvorgänge sind dafür notwendig; insgesamt dauert der Prozess eine Woche. Es ist eine Arbeit, die Genauigkeit und Geduld verlangt. Zum Glück hat Anna Holly genug von beidem.

Ein Name wie ein Jodler

Die 38-jährige Keramikerin betreibt in Wien-Josefstadt seit fünf Jahren die Porzellanmanufaktur „Hollyaroh“.

Der Geschäftsname verbindet übrigens ihren Nachnamen mit einem Jodler. „Ein bisschen ein Zungenbrecher“, räumt sie ein. „Viele müssen schon lachen, wenn sie versuchen, ihn das erste Mal auszusprechen. Aber ist doch gut, wenn etwas lustig ist.“ Ihr Motto sei „Leben-Lieben-Lachen-Machen“.

Für Eier und Zitronen

Und die Produkte, die sie seit Oktober 2014 in ihrer Porzellanmanufaktur anbietet, verströmen genau diese gute Laune: Die kleinen Mokka-Tassen, die gerne auch als Eierbecher verwendet werden; die bunte Vasen, die aus zwei umgedrehten Tassen entstanden sind, selbst die Zitronenpresse. Alles ist in Pastellfarben gehalten; oft mit schwarzen oder goldenen Motiven verziert.

Preislich kommt etwa die Eierbecher/Mokka-Tasse auf 18 Euro (passend zu den 18 Arbeitsschritten). Ein Preis, den immer mehr für qualitativ hochwertiges Geschirr zu zahlen bereit sind. „Letztens hat zum Beispiel das Lokal Espresso in der Burggasse Teller und Schüsseln eingekauft.“ Auch Marketingfirmen würden immer häufiger anklopfen. „Ich glaube, es gefällt den Menschen, wenn sie die Person hinter dem Produkt kennen.“

Mit ihrem Unternehmen ist Anna Holly in Wien übrigens eine ziemliche Ausnahme. Laut Wirtschaftskammer Wien gibt es derzeit 17 Personen, die ein derartiges Gewerbe angemeldet haben. Meist würden Keramiker eher im künstlerischen Bereich tätig sein.

Bei der Kunst hat Anna Holly auch begonnen.  „Als Kind war ich mit meinen Eltern oft im Museum. Das hat mich fasziniert.“  So besuchte sie zunächst den plastischen Zweig einer berufsbildenden höhren Schule.  

Ein ganzes Regal aus Keramik

„Und lustigerweise  hat die Angewandte genau in dem Jahr  als ich mit der Schule fertig war, wieder eine Keramikklasse eröffnet.“  Hier  kreierte sie große Objekte, „zum Beispiel  ein Regal aus Keramik“.

Der Schritt zum  Geschirr war  dann irgendwie auch  ein praktischer: „Ich habe anfangs in einer kleinen Hinterhofwerkstatt gearbeitet und hatte keinen eigenen Brennofen. Also bin ich immer mit dem Rad und den Sachen im Gepäck zu einem Ofen gefahren.“ Und das ist ab einer gewissen Größe doch unpraktisch.

Dass sie einmal ihr eigenes Geschäft haben würde,  hat Anna Holly lange nicht für möglich gehalten – bis sie drei Künstler-Kollegen fand, die gemeinsam eine Werkstatt eröffnen wollten.  Doch dann sprangen alle drei  wieder ab.

Zu diesem Zeitpunkt war Hollys Vorfreude aber schon zu groß.  Und wie es der Zufall so will, fand sie zwei Wochen später ein Erdgeschoß-Lokal, das sich für ihre Zwecke bestens eignete – und es immer noch tut.

Infos

Das GeschäftZu finden ist die Porzellanmanufaktur „Hollyaroh“ in der Schlösselgasse 10 im 8. Bezirk. Geöffnet ist sie bis Ende Juni donnerstags und freitags von 13 bis 18 Uhr. Ab August kann man wieder von Dienstag bis Freitag 13 bis 18 Uhr einkaufen.  Details: hollyaroh.com

In Wien gibt es derzeit 17 Personen, die ein Gewerbe als Keramiker angemeldet haben. Vor fünf Jahren waren es 18, die Zahlen sind also stabil. Es gibt zwar eine Keramiker-Lehre, in Wien befindet sich derzeit aber  niemand in Ausbildung.

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