Chronik | Wien
27.04.2018

Mann missbrauchte eigene Kinder und überließ sie Fremden

29-Jähriger filmte, während sich andere Pädophile an seinem Sohn und seiner Tochter vergingen. Mutter als Mitwisserin mitangeklagt. Mittäter brachte einmal vierjährigen Buben mit.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat in einem besonders erschreckenden Fall von Kindesmissbrauch Anklage gegen einen 29-jährigen Wiener erhoben, der sich an seinem Sohn und seiner Tochter vergangen haben soll, seit diese Kleinkinder waren. Er überließ die wehr- und hilflosen Opfer auch anderen pädophilen Männern, die er ab Sommer 2016 in seiner Wohnung in Wien-Favoriten übernachten ließ.

Die Anklage ist bereits rechtskräftig. Der Prozess findet am 7. Mai am Landesgericht für Strafsachen statt.

Während die fremden Männer - ein von der Wiener Anklagebehörde mitangeklagter, bereits einschlägig vorbestrafter Landwirt und ein Deutscher, gegen den separat von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt wird - das im Oktober 2009 geborene Mädchen und den im Oktober 2011 geborenen Buben missbrauchten, filmte ihr Vater die abscheulichen Szenen mit. Dieses und anderes kinderpornografisches Material, das der Mann seit 2012 angefertigt hatte, platzierte der Wiener der Anklage zufolge auf Pädophilen-Foren im Internet, um im Gegenzug von anderen Usern ähnliche Fotos und Video zu erhalten.

"Um den Anforderungen für die Erreichung einer höheren Stufe zu genügen, steigerte der Erstangeklagte (der Vater der Kinder, Anm.) die Intensität der sexuellen Handlungen immer mehr", heißt es in der 24-seitigen Anklageschrift. Das betroffen machende Schicksal des heute sechseinhalb Jahre alten Buben und des achteinhalb Jahre alten Mädchens, das der Vater seinen eigenen Angaben zufolge erstmals im Alter von zwei Monaten missbraucht hatte, wurde bekannt, als im Jahr 2017 vom deutschen Bundeskriminalamt eine im Darknet agierende Kinderporno-Plattform zerschlagen werden konnte.

Der deutsche Verdächtige, der zum Zwecke des Kindesmissbrauchs nach Wien gereist war, konnte auf einer sichergestellten Datei anhand auffälliger körperlicher Merkmale als Täter identifiziert und festgenommen werden. In weiterer Folge gelang es den Ermittlern, das betroffene Wiener Mädchen auszuforschen. So kam man auf die Spur des Vaters, der sich seit Mai 2017 in U-Haft befindet.

Neben dem Vater und dem 31 Jahre alten Landwirt - ein gebürtiger Tiroler, der zuletzt im Burgenland gelebt hat - wurde auch die Mutter der über Jahre hinweg missbrauchten Kinder angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft der 29 Jahre alten Frau Mitwisserschaft und damit Beitragstäterschaft am schweren sexuellen Missbrauch von Unmündigen vor.

Sie hatte den Erstangeklagten 2009 geheiratet. Bald danach brachte sie ihre Tochter zur Welt. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Frau es seit 2010 wissentlich duldete, dass ihr Mann sich immer wieder an dem Mädchen und später auch an dem gemeinsamen Sohn verging. Die Anklage stützt sich dabei auf die Angaben des Mannes, der sich im Ermittlungsverfahren umfassend schuldig bekannt und seine Ex-Frau dahin gehend belastet hat.

Die Frau, die sich Anfang 2016 scheiden hatte lassen, hat sich zu den gegen sie gerichteten Vorwürfen bisher nicht schuldig bekannt. Demgegenüber hat auch der Zweitangeklagte nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis abgelegt. Ein psychiatrisches Gutachten kommt zum Schluss, dass die pädophilen Neigungen der beiden Männer derart stark ausgeprägt sind, dass sie als hochgefährlich einzustufen sind. Der Sachverständige befürchtet, dass zukünftig wieder mit Straftaten mit schweren Folgen zu rechnen ist, wenn die zwei nicht entsprechend medikamentös bzw. therapeutisch behandelt werden. Der Staatsanwalt wird in der bevorstehenden Verhandlung daher zusätzlich zu einer schuld- und tatangemessenen Verurteilung - angesichts der Schwere der inkriminierten Delikte drohen den zwei Männern bis zu 15 Jahre Haft - zusätzlich die Unterbringung der Angeklagten in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragen.

Die betroffenen Kinder leiden an einer ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung, wie eine von der Justiz eingeholte Expertise einer klinischen Psychologin ergeben hat. Die Gutachterin kommt zum Schluss, dass das Mädchen und der Bub seelisch derart massiv beschädigt worden sind, dass die eingetretenen Folgen einer schweren Körperverletzung gleichkommen.

Der Vater soll sich bei mehreren Treffen mit dem mitangeklagten Bekannten in seiner Wohnung auch gemeinsam mit dem 31-Jährigen an den unmündigen Kindern vergangen haben. Im Herbst 2016 brachte der Zweitangeklagte einen vierjährigen Buben mit. Auch an diesem Kind sollen die pädophilen Männer zu zweit den Geschlechtsverkehr vollzogen haben.

Die beiden Angeklagten hatten sich im Mai 2016 auf einer auf Pädophile ausgerichteten Plattform im Internet kennengelernt. Man begann miteinander zu chatten. Der Wiener ließ dem gebürtigen Tiroler kinderpornografisches Material zukommen, das er von seinem Sohn und seiner Tochter angefertigt hatte. Im Sommer desselben Jahres reiste der im Burgenland wohnhafte 31-Jährige in die Bundeshauptstadt und übernachtete bei seinem Bekannten. Schon bei dieser ersten Gelegenheit kam es zu sexuellen Übergriffen.

Bei einem weiteren mehrtägigen Aufenthalt des Landwirts Anfang Jänner 2017 hatten die Kinderschänder offenbar sogar geplant, den Buben und das Mädchen zu betäuben, um auf keinen Widerstand zu stoßen. Dieses Vorhaben wurde nicht umgesetzt, der Vater der Kleinen schüttete das vorbereitete Schlafmittel in den Abfluss.

Seit 2010 fertigte der 29-jährige Wiener der Anklage zufolge auch pornografische Fotos und Videos von Kindern von Bekannten oder Verwandten an, die man ihm zur Aufsicht überlassen hatte. Von der Anklage umfasst sind acht weitere Kinder - sechs Mädchen und zwei Buben im Alter zwischen heute fünf und neun Jahren -, die auf diese Art missbraucht wurden. Das Material stellte der Mann anderen Pädophilen übers Internet zur Verfügung.