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Chronik Wien
06/13/2019

Wien: Mann kam in Schubhaft ums Leben

Ein Häftling ist im Polizeianhaltezentrum Roßauer Lände gestorben. Laut Diakonie könnte er haftunfähig gewesen sein. Die Polizei verneint das.

von Markus Strohmayer

Am Mittwoch gegen sieben Uhr kam es im Polizeianhaltezentrum Roßauer Lände zu einem Todesfall. Ein 58-jähriger Insasse, der sich in Schubhaft befand, ist in seiner Einzelzelle verstorben.

Die Polizei leitete sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen ein, diese blieben jedoch erfolglos. Eine polizeiliche Kommissionierung konnte keine Hinweise auf Fremdverschulden feststellen.

Diakonie fordert lückenlose Aufklärung

Am Vortag wurde der ungarische Häftling von einem Mitarbeiter der Diakonie im Rahmen der gesetzlich vorgesehenen Rechtsberatung aufgesucht. Der Rechtsberater fand ihn in seinem Bett liegend in einem sehr schlechten Gesundheitszustand vor. Laut Roberta Rastl-Kircher von der Diakonie Österreich soll der Mann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr fähig gewesen sein, aus seinem Bett aufzustehen. Zudem gab es nach der Wahrnehmung des Rechtsberaters deutliche Anzeichen einer Haftunfähigkeit.

Der Rechtsberater erkundigte sich beim Klienten und den Beamten des Polizeianhaltezentrums nach der ärztlichen Versorgung und vereinbarte am kommenden Tag einen erneuten Beratungstermin. Als er ihn am nächsten Tag aufsuchen wollte, wurde ihm jedoch mitgeteilt, dass der Klient in der Früh tot in seiner Zelle aufgefunden worden war.

Die Diakonie Rechtsberatung hat eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft erstattet und fordert eine unabhängige und lückenlose Aufklärung der Umstände des Todesfalles.

Obduktion angeordnet

Die Polizei übermittelte den Sachverhalt ebenfalls an die Staatsanwaltschaft Wien. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nina Bussek, bestätigte dem KURIER, dass eine Obduktion angeordnet ist und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Mehr könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Polizeiangaben zufolge wurde der 58-Jährige während der Anhaltung im Polizeianhaltezentrum medizinisch versorgt und von einem Amtsarzt positiv auf Haftfähigkeit überprüft. Wie vorgesehen wurde die Zelle des Mannes halbstündlich kontrolliert, auch in der Nacht.

Zudem bestehe für Insassen die Möglichkeit über Notfalltasten in der Zelle das Personal zu verständigen oder eine Sprechverbindung zu den diensthabenden Beamten aufzubauen.