Chronik | Wien
25.04.2018

Kuppel-Blätter vom Dach der Wiener Secession gestohlen

Unbekannte Täter kamen über das Gerüst, Schaden beläuft sich auf über 10.000 Euro.

Diebe haben in der Nacht auf Dienstag Kuppel-Blätter vom Dach der Wiener Secession gestohlen. Die unbekannten Täter dürften laut Polizei über das Gerüst gekommen sein, das derzeit aufgrund der Renovierung aufgestellt ist. Sechs bis acht Blätter wurden mit Gewalt abgebrochen, sagte Sprecherin Irina Steirer auf Anfrage der APA.

Der Schaden beläuft sich auf über 10.000 Euro. Von dem oder den Tätern fehlt jede Spur, sagte Steirer. Der Diebstahl wurde zwischen Montag 18.00 Uhr bis Dienstag 6.30 Uhr begangen.

 

Die Diebe waren scheinbar auf die Idee gekommen, auf das Dach zu steigen, nachdem über die aufwändige Renovierung der Kuppel in den Medien berichtet worden war. Der Kuppelschmuck der Wiener Secession kehrte nämlich nach den Renovierungsarbeiten an seinen angestammten Platz zurück. Rund 2.500 Blätter und 311 Beeren wurden in den vergangenen Monaten restauriert bzw. nachgeschmiedet und werden nun wieder auf das Dach montiert. Bis Ende Mai hätten die Arbeiten abgeschlossen sein sollen.

Der Materialwert der entwendeten Blätter liege unter 1.000 Euro, teilte Karin Jaschke, Pressesprecherin der Secession, der APA mit. "Der Schaden des Diebstahls von einigen wenigen Kuppelblättern besteht in erster Linie aus mutwilliger Sachbeschädigung", hieß es in einer Stellungnahme des Künstlerkollektivs, welches das Haus leitet.

Der Baufortschritt der laufenden Sanierung des Jugendstil-Gebäudes sei durch den Vorfall nicht behindert, wurde betont. Die weithin sichtbare goldene Kuppel aus Lorbeerranken mit 2.500 Blättern und mehr als 300 Beeren wurde 1897 bis 1898 nach den Plänen von Joseph Maria Olbrich errichtet. Der Volksmund nennt sie liebevoll "Krauthappel". Unter dem Motto "Vergolden Sie die Kuppel!" betreibt die Secession im Rahmen der Renovierung eine Spendenaktion für das Wiener Wahrzeichen: Mit 100 Euro kann man einem goldenen Blatt zu neuem Glanz verhelfen. Unterstützer werden auf einer elektronischen Ehrentafel gelistet.

Der Vorfall erinnert an einen anderen Kunstdiebstahl, der in Wien vor fast 15 Jahren für Aufregung sorgte: In den frühen Morgenstunden des 11. Mai 2003 wurde im Kunsthistorischen Museum Wien (KHM) die "Saliera" von Benvenuto Cellini gestohlen - ebenfalls nach Eindringen über ein Baugerüst. Erst drei Jahre später wurde ein Wiener Alarmanlagen-Experte als Täter gefasst, einen Tag später auch das Salzfass wiedergefunden. 2007 wurde der Mann zu fünf Jahren Haft verurteilt, 2008 vorzeitig entlassen.