Vier Jahre Ukraine-Krieg: Kundgebung von Exilrussen in Wien

Solidarität mit Ukraine und politischen Häftlingen in Russland. Weniger Demonstranten als in vergangenen Jahren.
DEMONSTRATION RUSSIANS AGAINST WAR VIENNA IN SOLIDARITÄT MIT DER UKRAINE ZUM THEMA: "4 YEARS OF FULL-SCALE WAR"

Etwa 50 Personen, insbesondere in Österreich lebende Russinnen und Russen, sind am Sonntagnachmittag einem Aufruf der Gruppe "Russians Against War Vienna" gefolgt und haben am Wiener Stephansplatz an den bevorstehenden vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine erinnert. Die Rede war aber auch von Repressionen in Russland, wo Kritik am Krieg strafrechtlich verfolgt werden kann. Die Demonstration selbst fiel kleiner als in vergangenen Jahren aus.

"Das ist eine Solidaritätsaktion natürlich mit den Ukrainern angesichts von vier Jahren Aggressionskrieg gegen die Ukraine. Aber wir sind auch solidarisch mit jenen Russen, die gegen diesen Krieg auftreten, sowie mit Menschen, die für ihre Unterstützung der Ukraine ins Gefängnis gekommen sind", erklärte der Aktivist und Mitorganisator Dmitri zum Auftakt der Demonstration auf dem Stephansplatz mit einem raren Schneehügel.

Briefe an politische Gefangene in Russland

Seit dem 24. Februar 2022, dem Tag des Beginns des Aggressionskrieges, seien in Russland mehr als 1.300 Personen für Äußerungen gegen den Krieg strafrechtlich belangt worden und mehr als 5.000 würden aus politischen Gründen verfolgt, schilderte Aktivistin Lidija. Sie beschrieb eine der zentralen Aktivitäten der russischen Exilopposition in Wien: An 36 Abenden habe man mehr als 1.000 Briefe an politische Gefangene in Russland geschrieben. "Das ist ein Weg zu zeigen, dass diese Menschen nicht allein sind", erklärte sie. Bei der Demonstration wurden auch Briefe verlesen, die Inhaftierte zurückschrieben.

Die Kundgebung selbst verlief ruhig. Wie bereits in vergangenen Jahren kam auch einer großer Banner zum Einsatz, in dem Englisch und Russisch zur Unterstützung der Ukraine aufgefordert wurde und vom Sieg des Bösen bei Untätigkeit die Rede war. Vereinzelt waren Demonstrationsteilnehmer mit weiß-hellblau-weißen Flaggen gekommen, die seit 2022 von Teilen der russischen Exilopposition als Symbol für ein anderes Russland verwendet wird.

Eine Sängerin interpretierte Antikriegslieder wie das durch Marlene Dietrich bekannte Lied "Sag mir, wo die Blumen sind" oder Udo Jürgens' "Ich glaube". Eingespielt wurde auch der populäre Song "Das geht vorüber" der russischen Punkband "Pornofilme", der als Hymne gegen das Regime von Präsident Wladimir Putin gilt. Auf Plakatwänden gab es zudem Informationen über den Krieg gegen die Ukraine mit vielen statistischen Angaben, die insbesondere die drastische Zunahme von russischen Luftangriffen in den letzten Monaten illustrierten.

Ermüdungserscheinungen unter Exilrussen

Die Abnahme an Demonstrationsteilnehmerinnen und Demonstrationsteilnehmern im Vergleich mit vergangenen Jahren begründete Mitorganisator Dmitri auf APA-Nachfrage mit einer allgemeinen Ermüdung in Bezug auf den Krieg, die auch in Österreich lebende Russinnen und Russen betreffe. "Es ist aber jetzt wichtiger als je zuvor die Menschen daran zu erinnern, dass dieser Krieg nach wie vor läuft", sagte er.

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