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Chronik Wien
12/05/2011

Keine Ruhe in der Fußgängerzone

Anrainer stimmen über die Zukunft der Gardegassein Neubau ab. Gegner orten Ungereimtheiten bei der Befragung.

Für die einen ist sie eine Oase der Ruhe mitten im Großstadtverkehr, für die anderen schlichtweg Parkplatzvernichtung: Noch bis Ende September können sich die Anrainer der nur 60 Meter langen Fußgängerzone in der Gardegasse (Neubau) in einer Bürgerbefragung zu dem umstrittenen Pilotprojekt äußern.

Die Bürgerinitiative pro1070, die seit Monaten gegen das Projekt kämpft, ortet nun grobe Unregelmäßigkeiten bei der Abwicklung: "Einzelne Bürger werden offenbar bevorzugt und erhalten mehrere Stimmzettel, andere dafür gar keinen. Handelt es sich um eine bewusste Manipulation?", fragt sich Christian Jirik von der Bürgerinitiative. Adressat dieser Vorwürfe ist der grüne Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger, der in den Augen der Gegner unbedingt an der Fußgängerzone festhalten will.

"Ich weise jeden Manipulationsvorwurf auf das Schärfste zurück", betont Blimlinger. "Wir haben die Stimmzettel nach bestem Wissen und Gewissen ausgeschickt."

Schon im Vorfeld gab es massive Proteste gegen die Abstimmungsmodalitäten: Schließlich erfolgt die Befragung getrennt in zwei Zonen mit Stimmzetteln in unterschiedlicher Farbe: Die erste umfasst die unmittelbaren Anrainer (ca. 300 Personen), die zweite einen Teil der Bewohner von Neustift- und Burggasse (ca. 650 Personen). Die Stimmen in der zweiten Zone sollen geringer gewichtet werden. "Damit ist die Befragung demokratiepolitisch sehr bedenklich", empört sich Jirik.

Kompromiss

Blimlinger begründet die getrennte Befragung damit, dass die beiden Gruppen von Bewohnern in unterschiedlichem Ausmaß von der Fußgängerzone betroffen sind. Sollte das Ergebnis in den Zonen zu deutlich auseinanderliegen, kann er sich einen Kompromiss vorstellen. Etwa, dass aus der Gardegasse eine Wohnstraße wird.

Karl Krycha wohnt seit 1996 in der umstrittenen Gasse und ist für die Fußgängerzone: "Sie hat viel mehr Befürworter, als es die Bürgerinitiative glauben machen will."
Dass rund 20 Parkplätze verloren gingen, stört nicht alle: "Es gibt noch genug Parkmöglichkeiten", sagt Stella Ederer, die als Kellnerin im Lokal Käuzchen arbeitet. "Die Garage in der Stiftgasse steht dauernd leer."

Gegen die Fußgängerzone hat Raimund Ecker gestimmt, der in der nahen Neustiftgasse wohnt: "Sie ist ein großer Blödsinn. Sie wird kaum von Passanten benutzt. Dafür muss ich jetzt viel länger einen Parkplatz suchen."

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