Kein Geld für Gebärdensprache

Gebärdensprache für Kinder wird in Wien kaum angeboten. Nun steht einer der wenigen Vereine vor dem Aus.
Kein Geld für Gebärdensprache

Besonders viel Spaß macht der Hase. Die Hände legt man hinter die Ohren, sodass nur Zeige- und Mittelfinger hervorschauen, die man dann abwechselnd streckt und wieder abwinkelt.
Was die Kinder hier vollführen, ist jedoch keine Tierscharade - sie lernen Gebärdensprache. Denn neben ihrem Interesse für Tiere verbindet die Kinder in der Lerngruppe vor allem ihr mangelnder Gehörsinn. Die meisten von ihnen sind schwerhörig oder gehörlos.

Gleichgesinnte

Auch Eva Maria Meißl und ihr vierjähriger Sohn Philipp haben sich in der Lerngruppe des Vereins Kinderhände eingefunden. "Mein Sohn ist von Geburt an schwerhörig. Hier hat er die Möglichkeit, unter Gleichgesinnten das Gebärden zu lernen", sagt Meißl.

Wie schwierig es für Gehörlose ist, eine solche Förderung zu finden, davon weiß Meißl ein Lied zu singen: "Die Ärzte haben mir überhaupt davon abgeraten, Philipp das Gebärden zu lehren. Sie sagten, er könne dann nie eine Lautsprache lernen", erzählt Meißl. Erst beim Verein Kinderhände fand sie Logopäden, die ihrem Sohne zeigten, wie man mit Händen spricht.

Bilinguale Methode

Kein Geld für Gebärdensprache

„Wir unterrichten nach der bilingualen Methode. Das heißt, dass das gesprochene Wort immer mit einer Gebärde begleitet wird. So lernen die Kinder sowohl das Lippenlesen als auch das Gebärden“, sagt Andrea Rohrauer vom Verein Kinderhände.

Diese bilinguale Methode wird auch von der Wissenschaft seit Jahren gefordert, wie die Wiener Sprachwissenschaftlerin Verena Krausneker bestätigt. In den Schulen ist das laut Krausneker bisher aber kaum umgesetzt.

Private Organisationen, wie der Verein Kinderhände, konnten den Bedarf besonders zur frühkindlichen Förderung der Gebärdensprache zwar decken – doch nun gerät der Verein an seine finanziellen Grenzen. „Unsere Finanzierung ist noch bis Ende des Jahres gesichert, dann wissen wir nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Mitarbeiterin Andrea Rohrauer.

Meißls Sohn besucht zwar mittlerweile einen der wenigen bilingualen Kindergärten in Wien, der Verlust der Lerngruppe bei den Kinderhänden wäre für ihn jedoch ein herber Rückschlag. „Philipp lebt in einer Welt, die ich nie vollkommen verstehen werde. Deshalb braucht er Identifikationsfiguren, die ebenfalls ausschließlich mit ihren Händen sprechen“, sagt seine Mutter. Genau diese Ansprechpartner fand Philipp bisher bei den Kinderhänden.

Einen großen Auftritt hat der kleine Philipp mit dem Verein Kinderhände auf jeden Fall noch vor sich: Auf dem Schönbrunner Christkindlmarkt werden am 8. Dezember gehörlose Kindern Weihnachtslieder singen. Ohne Stimme. Nur mit Gebärden.

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