Chronik | Wien
06.07.2018

"Kautionstrick": Über 70 Opfer meldeten sich

Die falschen Polizisten gehen das Telefonbuch chronologisch durch und erbeuteten mittlerweile 410.000 Euro.

Nach dem KURIER-Bericht über falsche Polizisten, die betagte Menschen um ihr Geld bringen, melden sich immer mehr Opfer bei der Exekutive. Bis Redaktionsschluss hatten mehr als 70 Personen bei den Ermittlern angerufen, stündlich waren neue Fälle dazugekommen. Insgesamt sieben Opfer übergaben tatsächlich Wertgegenstände oder Bargeld. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 410.000 Euro.

Der aktuellste Fall ereignete sich am Donnerstag. Bei einer 71-jährigen Wienerin läutete gegen 13 Uhr das Telefon, ein Mann stellte sich – wie in Fällen zuvor – als Kriminalbeamter vor. Der Betrüger erklärte, dass die Tochter der 71-Jährigen einen schweren Autounfall verursacht hätte und ein Schaden von 58.000 Euro entstanden sei. Die Frau müsse unbedingt diesen Betrag auftreiben, da die Tochter sonst 14 Tage lang ins Gefängnis müsse.

Als die Pensionistin mitteilte, kein Geld zu haben, fragte der falsche Polizist nach Schmuck. Das bejahte die Frau, woraufhin sie aufgefordert wurde, die Gegenstände zu verpacken und zu einem Treffpunkt mitzubringen. In der Gentzgasse übergab die 71-Jährige dann einem Mann Golddukaten und Schmuck im Wert von über 40.000 Euro.

Klar ist mittlerweile auch, wie die Täter ihre Opfer auswählen. Die Namen dürften die Betrüger chronologisch aus dem Telefonbuch abarbeiten. Ihr Hauptaugenmerk legen die Verdächtigen auf ältere Vornamen.

„Alleine Ingeborgs wurden 30-mal angerufen“, erzählt ein Ermittler und warnt vor der Betrugsmasche. „Die Polizei würde die Leute niemals auf diese Art und Weise telefonisch kontaktieren. Außer jemand wird auf die Inspektion geladen“, sagt er.