Chronik | Wien
15.06.2018

In Wien festgenommener US-"Most Wanted" vor möglicher Enthaftung

US-Behörden sind bisher Unterlagen im Auslieferungsverfahren schuldig geblieben. Gericht entscheidet am Mittwoch.

Ein Ende April in Wien festgenommener US-"Most Wanted", der von den Vereinigten Staaten wegen 74 verschiedener Anklagepunkte strafrechtlich verfolgt wird, steht vor seiner möglichen Enthaftung. Die US-Behörden sind dem Wiener Landesgericht, das über die Auslieferung des 50-jährigen Ex-Soldaten befinden muss, bisher bis auf den Haftbefehl die entscheidungsrelevanten Unterlagen schuldig geblieben.

Jahrelange Fahndung

Der zuständige Richter im Grauen Haus hat offenbar bisher keine Dokumente bekommen, die im Detail die gegen den Mann gerichteten Vorwürfe belegen. Der ehemalige Angehörige der U.S. Marines hätte sich bereits im Jahr 2011 in seiner Heimat unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs und Stalkings, Körperverletzung, Entführung und Besitz von Kinderpornografie vor Gericht verantworten sollen. Vor Beginn seiner Verhandlung tauchte der aus Madison im US-Bundesstaat stammende Mann unter. Sieben Jahre lang wurde weltweit nach ihm gefahndet, unter anderem mit der von Interpol geführten "Most Wanted"-Liste.

Im April in Wien geschnappt

Am 20. April wurde er schließlich von Zielfahndern des Bundeskriminalamts ( BK) und Beamten des Landeskriminalamts in einem Geschäft in der Wiener Innenstadt geschnappt. Der 50-Jährige ließ sich widerstandslos festnehmen.

Mittlerweile befindet sich der Mann, gegen den in Österreich nichts vorliegt, fast zwei Monate im Gefängnis. Da nicht absehbar ist, ob und wann die USA die für eine Auslieferung erforderlichen Unterlagen übermitteln - die strafrechtlichen Vergehen sollen sich vor allem gegen die jeweiligen Lebensgefährtinnen des Ex-Marine gerichtet haben -, hat sein Wiener Rechtsvertreter einen Enthaftungsantrag eingebracht. Dem Anwalt erscheint eine weitere Inhaftierung unverhältnismäßig. Wie Christina Salzborn, die Sprecherin des Landesgerichts, am Freitag auf APA-Anfrage erklärte, findet am kommenden Mittwoch die - nicht öffentliche - Haftverhandlung statt. Die APA wird über ihren Ausgang berichten.