Chronik | Wien 05.12.2011

Hund mit Riecher fürs schnelle Geld

Seit Mai versieht der Geldspürhund Boyke Dienst auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Seine Bilanz kann sich sehen lassen.

Er ist der vielleicht beliebteste Zollwachebedienstete Österreichs: "Ma, ist der niedlich!" und "So ein Süßer" entfährt es nicht nur einem der Passagiere auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Von Boyke sind sie alle begeistert.

Fast alle. Denn so lieb der dreieinhalbjährige English Springer Spaniel auch aussieht, er kann auch anders. "Boyke ist spezialisiert darauf, Bargeld und Drogen aller Art zu erschnuppern", sagt der Hundeführer und Zollbeamte Ronald P. Und wenn der Hund in einem der Koffer oder Hosentaschen einmal die Witterung von Bargeld aufgenommen hat, lässt er sich kaum mehr abschütteln.

Stolze Bilanz

Nach eineinhalb Jahren Ausbildung ist Boyke seit Ende Mai fixer Mitarbeiter auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Und die Bilanz seiner Aufgriffe kann sich sehen lassen: Mehr als 300.000 Euro an geschmuggeltem Bargeld hat er aus den Koffern und Taschen der Reisenden bereits erschnuppert.

Dazu kommen noch etliche Mengen an Cannabis, Kokain und Amphetamin, die der Hund seit Mai erschnüffelt hat. Sein größter Fund war dabei im Juli 2011: Vier Kilo Cannabisharz hat der English Springer Spaniel aus einem Koffer eines Drogenkuriers zutage gefördert.

Fazit: Innerhalb kürzester Zeit ist Boyke zu Österreichs erfolgreichstem Geldspürhund aufgestiegen. Denn sein Partnerhund Bresco, mit dem Boyke die Ausbildung zum Geldspürhund gemeinsam durchlaufen hat, ist längst nicht so erfolgreich wie Boyke. "Bresco wird mobil an der Grenze zur Schweiz und Liechtenstein eingesetzt, um Bargeldschmuggel zu verhindern. Leider ist das im Autoverkehr nicht so einfach wie am Flughafen", sagt der ehemalige Trainer der Hunde, Rudolf Druml.

Boykes Einsatzgebiet ist der gesamte Flughafen: "Wir kontrollieren sowohl in der Ankunfts- als auch in der Abflughalle und direkt am Gate", sagt Ronald P.

Risikoflieger

Hundsarbeit auf dem Flughafen: "Wir kontrollieren in der Ankunfts- und Abflughalle und direkt am Gate"
© Bild: KURIER/Deutsch

Doch auf einmal hat es der Zollbeamte sehr eilig: "Ein Risikoflieger wird gleich starten", sagt P. und streift dem Hund sein Dienstkostüm um: Ein Hundegeschirr mit dem Emblem der Finanzpolizei.

"Die Flüge nach China, Ägypten und in die Türkei überwachen wir verstärkt", sagt P. Denn gerade Gastarbeiter nehmen meist mehr als die erlaubten 10.000 Euro in bar mit durch den Zoll, sagt der Teamleiter des Zollamtes, Robert Geschina. "Viele davon wollen mit dem Geld die Familie in der Heimat unterstützen und wissen einfach nicht, dass man das deklarieren muss." Doch auch Geld aus kriminellen Geschäften wird regelmäßig sichergestellt.

Spiel

Während Geschina noch von den einschlägigen Erfolgen des Hundes berichtet, tollt dieser bereits wieder über das Rollband der Abflughalle, überspringt und beschnuppert die Gepäckstücke. "Der Hund begreift seine Arbeit ja als Spiel. Er glaubt, er muss das Spielzeug finden", sagt P.

Doch selbst das Herumtollen des Hundes bleibt nicht ohne Wirkung. "Neulich hat ein Urlauber den Hund gesehen und ist sofort zur Deklarationsstelle des Zolls abgebogen. 55.000 Euro hat der Urlauber dann deklariert", sagt Hundeausbildner Druml. Boyke hat trotzdem einen Knochen zur Belohnung bekommen.

Bargeldschmuggel: Daten und Fakten

Gefunden 150 Bargeldaufgriffe gab es heuer auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Rund 4,7 Millionen Euro wurden von den Zollbeamten sichergestellt. 2010 waren es 169 Aufgriffe mit einer Gesamtsumme von 6,3 Millionen Euro.

Deklarieren Ab 10.000 Euro Bargeld muss man das Geld bei der Ein- und Ausreise in ein Drittland beim Zoll deklarieren. Bis zu 50.000 Euro Strafe können verhängt werden, wenn man das Bargeld absichtlich nicht deklariert. Bei Fahrlässigkeit liegt die Höchststrafe bei 5000 Euro.

Erschnüffelt Zwei Geldspürhunde sind derzeit beim österreichischen Zoll im Einsatz. Beide Hunde riechen sowohl Bargeld als auch Drogen aller Art.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011