Chronik | Wien
26.03.2018

Herr Herbert verabschiedet sich in den Ruhestand

16 Jahre im Café Landtmann, danach 26 Jahre im Café Mozart. Nach 42 Jahren geht Oberkellner Herbert Seidlberger in Pension.

Ein letztes Mal erscheint Herbert Seidlberger mit Anzug, Mascherl und goldenem Namensschild bei seiner Pensionierungsfeier am Montagvormittag. Bereits seine Lehre hat Seidlberger im Café Landtmann absolviert, nie hat er in einem anderen Unternehmen gearbeitet. Nachdem die Familie Querfeld das Café Mozart übernahm, wechselte auch Seidlberger vom Café Landtmann dorthin.

Er war sowohl bei den Gästen und als auch im Team beliebt. Andrea Winkler, Leiterin des Café Mozart, betont, dass er leidenschaftlich gern Lehrlinge ausgebildet hat und diese auch jetzt immer wieder zu Besuch kommen. Nicht selten hieß es: „Herr Herbert hat uns Spaß am Tourismus beigebracht.“

Rudolf Kaske, Präsident der Arbeiterkammer, bezeichnet Herbert Seidlberger im Zuge der Pensionierungsfeier als „Kellner mit Leib und Seele“. Die beiden haben einander bereits in den 70-er Jahren kennenglernt. Kaske erzählt ebenfalls einige Anekdoten aus dem Kaffeehausalltag von Seidlberger.  So waren Fensterplätze vor allem Gästen vorbehalten, die auch eine Mahlzeit bestellten.

Eines Tages kamen zwei Touristen aus Japan. Seidlberger fragte sie, ob die beiden einen „Lunch“ zu sich nehmen wollten. Die beiden bejahten. Nachdem sie einen Platz mit schöner Aussicht eingenommen hatten, bestellten die beiden schließlich zwei „MeLunch“. Seidlberger brachte also zwei Melange. Selbst in diesen Situationen behielt er seinen Humor und seine Freundlichkeit.

Ende des Marathons

Seidlberger selbst sagt, für ihn sei es das Schönste gewesen, sich bereits nach dem Aufstehen auf seine Arbeit und die Gäste zu freuen. Auch die Abwechslung hat er genossen: „Jeder Tag war anders“, sagt er, und „mit jedem Tag wurde es besser“.

Die Arbeit im Kaffeehaus vergleicht er mit einem Marathonlauf. „Am Abend weiß man, warum man fertig ist. Man ist am Ziel“, sagt Seidlberger. In Erinnerung werden ihm viele Gäste bleiben. Sowohl Stammkunden, als auch bekannte Fußballer, Schauspieler und Sänger. Einer seiner Besucher war Hans Hölzl, alias Falco. „Ein klasser Bursch“, sagt Seidlberger über ihn.

Jetzt freut er sich dennoch auf den Ruhestand. Während früher zuerst am Dienstplan kontrolliert wurde, ob Zeit für Urlaub war, hat er heuer bereits bei drei Reisen zugesagt. Außerdem wartet sein Schrebergarten auf Bearbeitung. Mehr Zeit für die Familie ist auch eingeplant. Zurzeit schreibt er Geschichten für seine Enkelkinder auf. Denn: „Wenn das Licht abgedreht ist, kann ich nicht vorlesen.“ Jetzt erfindet er eben eigene Geschichten.