Chronik | Wien
19.06.2018

Harry Kopietz: „Erstes Fest war Improvisation pur und fulminant“

Harry Kopietz und Thomas Waldner im Gespräch mit Elisabeth Auer von SchauTV

Politiker und Donauinselfest-Erfinder Harry Kopietz (69) und der aktuelle Fest-Organisator Thomas Waldner (33) über Anfänge, Highlights und Herausforderungen.

KURIER: Herr Kopietz, wie kam Ihnen die Idee zu diesem Fest?

Harry Kopietz: Die Donauinsel war ja ein Zweckbau, ein Schutz vor weiteren Hochwassern. Gescheite Politiker haben sie in ein Freizeitparadies verwandelt. Und ich hab mir gedacht, ich mach da jetzt was, bevor jemand anderer auf die Idee kommt.

Wie wurde das angenommen?

Kopietz: Wir haben mit 15.000 Gästen gerechnet, gekommen sind 160.000. Um genug Essen und Trinken zu haben, bin ich mit Kollegen von der Feuerwehr in ganz Wien herumgefahren, hab Würstelstände leergekauft und die Vorräte von den Feuerwehrwachen geholt. Das war Improvisation pur – und es war hervorragend.

Herr Waldner, wie sind Sie zu dem Fest gekommen?

Thomas Waldner: Ich hab im Organisationsteam der SPÖ begonnen und bin schnell reingewachsen. Auch wegen des Inselspirits, dieser familiäre Umgang, der immer noch herrscht, obwohl das Fest so groß ist.

Gibt es Konzerte, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Kopietz: Ja, viele! Das Falco-Konzert 1993 war so eines. Strömender Regen, Gewitter, kein Strom. Die Behörden wollten das Fest absagen, aber ich hab mich geweigert. Und dann wurde daraus dieses legendäre Konzert.

Herr Waldner, welcher war Ihr Donauinselfest-Moment?

Waldner: Beim 30. Donauinselfest, bei dem ich das erste Mal die Verantwortung übernommen hab. Am ersten Abend bin ich auf dem Fernsehturm gestanden, Sportfreunde Stiller waren Headliner. Ich habe auf die Massen geschaut und mir gedacht, Wahnsinn, was für eine Ehre, das machen zu dürfen.

Was ist die größte Herausforderung bei der Organisation eines derart großen Festivals? Waldner: Das kommt auf den Zeitpunkt an. Im Herbst ist es die Vermarktung. Wir müssen zwei Millionen Euro an Spenden lukrieren. Parallel läuft die Programmplanung. Und dann müssen die Künstler natürlich auch noch Zeit haben und spielen wollen.

Rennen Ihnen die Künstler nicht die Türe ein? Waldner: Heutzutage verdienen Künstler einen Großteil ihrer Gage ja nicht mehr über Tonträgerverkäufer, sondern über Livekonzerte. Zu Harrys Zeiten war das noch anders ...

Sie konnten sich der Künstler nicht erwehren, Herr Kopietz?

Kopietz: Das ist zwar überzeichnet, aber es stimmt im Grunde. Bei Udo Jürgens oder der Kelly Family waren 200.000 Menschen da. Das sind Momente, in denen auch die Künstler ausflippen. Udo Jürgens hat in seinem Buch ein ganzes Kapitel dem Donauinselfest gewidmet. Und geschrieben, dass sein Auftritt das größte, gigantischste Fest war, das er je erlebt hat.