Chronik | Wien
27.06.2018

Fünf-Sterne-Taxis oder eine App: Experten arbeiten an Neuerungen

Befragung der Kammer zeigt: Drittel der Taxiunternehmer kritisiert die eigene Branche

.„Demonstrationen bringen also doch etwas.“ Irfan Kuna, Obmann des Vereins Taxi Global, lehnte sich Mittwochnachmittag zufrieden zurück. Er hatte im April und im Juni jene Aktionen organisiert, bei denen tausende Wiener Taxifahrer aus Protest an der aktuellen Situation (Stichwort: Uber) im Konvoi hupend durch die Stadt fuhren und die Zuständigen aufforderten, zu handeln. Gestern, Mittwoch, gab es nun den ersten Taxigipfel. Dabei debattierten rund 25 Personen, darunter Vertreter der Wirtschaftskammer, Chefs von Funkzentralen, Taxi- wie von Mietwagenunternehmen und Zuständige aus der Stadt bzw. dem Verkehrsressort, über die Zukunft der Personenbeförderung.

Um das aktuelle Stimmungsbild einzufangen, ist im Vorfeld eine Umfrage an 330 Taxiunternehmer verschickt worden. 142 ausgefüllte Fragebögen kamen retour. Dabei erklärten 30 bzw. 40 Prozent, dass perfektes Service, Ortskenntnis und sprachliche Kompetenz in der Branche aktuell nicht ausreichend gegeben seien. Weiters ist mehr als einem Drittel der Unternehmer bewusst, dass die Kunden mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind. Gleichzeitig sind 95 Prozent der Befragten aber überzeugt, dass in ihrem eigenen Unternehmen alles perfekt läuft.

Zwei Säulen

Im Laufe des Gesprächsgipfels hätten sich laut Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Wien (WKW), „zwei Handlungssäulen“ herauskristallisiert:

Die erste betreffe die rechtliche Situation. „Es geht um die Frage, wie faire Bedingungen für alle geschaffen werden können. Das wird wohl in Richtung Einheitsgewerbe gehen. (Aktuell gibt es unterschiedliche Regeln für Taxi und Mietwagen, Anm.) Die zweite Säule drehe sich um die Qualität. „Wir müssen überlegen, welche Maßnahmen wir brauchen, um fit für die Zukunft zu sein.“ So werde zum Beispiel bereits an einer allgemeinen Taxi-App gearbeitet.

Auch der Preis war Gesprächsthema. „Wir müssen an der Bewusstseinsbildung der Kunden arbeiten“, sagt Sertic. „Alle kaufen Fairtrade. Aber dass Uber seine Fahrer nicht fair bezahlt, ist vielen egal“, meint Sertic.

Außerdem wolle man sich aus anderen Branchen, etwa der Hotellerie, inspirieren lassen. „Wir wissen zum Beispiel, dass einem Fünf-Sterne-Gast der Preis nicht so wichtig ist – wenn dafür Topqualität geboten wird“, sagt Sertic. Ein erster Schritt in Richtung qualitätvolleres Service sieht der Spartenobmann darin, Gästen die Türe zu öffnen, sie freundlich zu begrüßen, das Auto in tadellosem Zustand zu halten.

Um die genauen Details zu erarbeiten, wurden am Mittwoch Expertengruppen gebildet. Schon im Herbst könnten erste Ergebnisse präsentiert werden.

Ein Vertreter von Uber war bei dem Gipfel übrigens nicht anwesend. Es gebe keinen Ansprechpartner in Österreich, meinte Ernst Pollack, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr der WKW.

Indes läuft am Handelsgericht weiter die Klage von 40100 gegen Uber. Auch die Wirtschaftskammer bereitet eine Klage vor.