Fünf Gebiete für Straßenprostitution
Noch ist hier, in den Straßenschluchten des 15. Bezirks, alles beim Alten. Mit Einbruch der Dunkelheit stehen junge Frauen mit hohen Absätzen und kurzen Röcken auf der Felberstraße. Freier kreisen im Schritttempo und heruntergelassenen Autoscheiben durchs Grätzl. Hier, aber auch im Stuwerviertel oder auf der äußeren Mariahilfer Straße, wird dem ältesten Gewerbe der Welt nachgegangen. Noch.
Denn ab kommenden Dienstag soll alles anders sein. Dann tritt das neue Prostitutionsgesetz in Kraft. Demnach ist
Straßenprostitution in Wohngebieten bei Strafe für Freier und Sexarbeiterinnen verboten.
Allerdings kann die Polizei zusätzliche Erlaubniszonen verordnen. Und seit Donnerstag ist klar, wo diese Zonen künftig sein sollen: Es handelt sich dabei um ein Gebiet nahe der Tankstelle in Auhof (14. Bezirk), in Teilen des Praters (Südportal-, Messe- und Perspektivstraße), einen Bereich im 9. Bezirk (hinterer Teil des Josef-Holaubek-Platzes nahe der Wirtschaftsuni) sowie zwei kleine Gürtelabschnitte im 7. und 15. Bezirk.
Zumindest sehen so die Pläne der zuständigen Steuerungsgruppe - bestehend aus den rot-grünen Spitzen, Vertretern der Polizei und aus Bezirkspolitikern - aus.
Bezirke gespalten
Während im Prater und am Auhof die Straßenprostitution bereits mit 1. November und rund um die Uhr erlaubt sein wird, sind für die anderen Gebiete noch Details zu klären. Fix ist aber: Sollte die
Erlaubniszone auch am Gürtel kommen, wird der Strich dort nur in den Abend- und Nachtstunden möglich sein.
"Das Gesetz ist ein Fortschritt", glaubt die grüne Verhandlerin Birgit Hebein. "Doch klar ist auch: Die am Donnerstag vorgestellten Erlaubniszonen werden nicht ausreichen. Wir appellieren deshalb auch an die Bezirksvorsteher, zu klären, welche Teile des Gürtels oder andere Bereiche für sie zusätzlich noch infrage kommen." Auf Rot-Grün kommen in den nächsten Wochen demnach noch spannende Diskussionen mit den mächtigen Bezirkskaisern zu.
Thomas Blimlinger, grüner Bezirksvorsteher in Neubau, hält von den Vorschlägen nicht gerade viel: "An der jetzt genannten Adresse befindet sich ein Hotel, das mit Straßenprostitution keine Freude haben wird. Und auf der Gürtelmittelzone ist ein eigener Bereich für Jugendliche geplant." Wenn es nach Blimlinger geht, könnte jedoch der Gürtel auf Höhe Sophienspital freigegeben werden.
Im rot regierten Alsergrund will man sich noch nicht aus der Deckung wagen. Nur so viel: "Straßenprostitution hat bei uns eigentlich keine Tradition. Das wird wohl in ganz Wien noch diskutiert werden müssen", heißt es aus dem Büro von Bezirksvorsteherin Martina Malyar.
Gerhard Zatlokal, SP-Bezirksvorsteher des 15. Bezirks, kann sich mit einer Erlaubniszone am Sechshauser Gürtel durchaus anfreunden. "Verglichen mit der Ist-Situation wäre das eine große Verbesserung." Denn derzeit finde Prostitution im 15. Bezirk großflächig in den Wohngebieten statt.
Weniger glücklich ist Zatlokal darüber, dass die Bezirke zu den Empfehlungen der Steuerungsgruppe nur eine Stellungnahme abgeben dürfen. Verhindern können sie Erlaubniszonen nicht.
Die Polizei hat indes angekündigt, das neue Verbot ab erstem November scharf zu kontrollieren. Dass die Prostitution über Nacht aus den Wohngrätzln verschwinden wird, glaubt man allerdings nicht einmal im Rathaus. Auch der am stärksten vom Strich betroffene Bezirksvorsteher Zatlokal hat da so seine Bedenken: "Ich glaube, dass sich die Situation erst zu Weihnachten beruhigt haben wird."
Infos für Sexarbeiterinnen
Die Steuerungsgruppe hat auch festgelegt, wie die Erlaubniszonen aussehen werden: Zum Schutz der Frauen sollen sie öffentlich gut erreichbar sein. Autos müssen zufahren können, ohne den Fließverkehr zu behindern. Die Zonen sollen zudem klar gekennzeichnet und ausreichend beleuchtet sein sowie über eine geeignete Infrastruktur verfügen.
Um Unklarheiten zu beseitigen, sind zwei Folder erschienen. Einer richtet sich an die Prostituierten, der andere richtet sich an die Betreiber von Prostitutionslokalen. Auch die Beschwerde-Hotline des Projekts Sophie-mobil nimmt ab November ihren Betrieb wieder auf. Diese Institution steht für alle Fragen rund um das Thema Prostitution zur Verfügung. Die Hotline (0676 / 88 666 222) ist von Montag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr besetzt.
An zwei Tagen pro Woche ist Sophie-mobil tagsüber und in der Nacht in der Stadt unterwegs. Die Mitarbeiter sind an ihren großen, orangen Taschen erkennbar.
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